Rote Rosen, Liebesgedichte, Romantik pur: Für den 14. Februar hat Aischa grosse Erwartungen. «Ich finde es aufregend, den Valentinstag mit jemandem zu feiern, den ich liebe», sagt die Studentin aus Kabul. «Ich würde mich über ein besonderes Geschenk von ihm freuen, oder einen Blumenkorb. Zumindest will ich eine Rose.» Der Valentinstag erfreut sich in Afghanistan bei jungen Menschen wachsender Beliebtheit. Die Taliban mögen zwar gegen westliche Ideen ankämpfen, und die konservative Stammesgesellschaft nichts von Romantik halten, aber gegen rosa Herzchen stehen auch sie auf verlorenem Posten. Jugendliche sehen darin eine gute Möglichkeit, ihren Angebeteten gegenüber ihre Gefühle zu zeigen. Die Blumenhändler in der afghanischen Hauptstadt bereiten sich auf einen Ansturm vor.
Er wolle vor seinem Laden Rosenblütenblätter streuen, sagt einer. Schamsullah Amiri, der Inhaber eines anderen Blumenladens, hat sich mit Luftballons, bedruckt mit «Ich liebe Dich», eingedeckt. «Für den Valentinstag habe wir auch zusätzliche Grusskarten und verschiedene Sorten von Rosen, importiert unter anderem aus den Niederlanden und dem Iran.»
Teenager und Ausländer als Hauptkunden
Vor allem Teenager – sowohl Mädchen als auch Jungen – seien die Hauptkundschaft am Valentinstag, sagt er. «Im vergangenen Jahr waren die Rosen ausverkauft, damit hatte ich nicht gerechnet.» Doch Blumenhändler Hamid glaubt nicht an den grossen Ansturm. In der Vergangenheit hätten hauptsächlich Ausländer seine Blumen gekauft. Nach dem Abzug der internationalen Truppen fielen diese Kunden weg. Verliebte haben es nicht leicht in Afghanistan. Unverheiratete Paare können sich kaum in der Öffentlichkeit treffen. «Ein Date, wie man es im Kino sieht, ist unmöglich», sagt etwa Radschimullah. Sein Schwarm dürfe nicht mit ihm ausgehen. Das Handy und soziale Netzwerke im Internet sind jedoch Möglichkeiten für junge Männer und Frauen, miteinander zu kommunizieren – und sich zu verlieben. Soziologieprofessor Barjalai Fitrat von der Universität Kabul meint, der Valentinstag könne gut für das von Gewalt zerrüttete Land sein, um Bindungen aufzubauen, allerdings sollten sich Beziehungen im Rahmen der islamischen Gesetze bewegen.
Voreheliche Beziehungen tabu
Liebe in Afghanistan endet immer wieder tragisch. «Ich habe mich in ein Mädchen verliebt, aber sie musste jemanden anderen heiraten», erzählt der 31-jährige Hamid Thana. «Ich habe mir geschworen, mich nie wieder zu verlieben.» Die ethnischen und sprachlichen Gräben zwischen ihren Familien hätten ihn um sein Glück gebracht. Mehr also 90 Prozent der Afghanen sind Muslime, unterteilen sich aber in eine grosse Zahl verschiedener Stämme und Ethnien. Die streng muslimische Gesellschaft ahndet voreheliche Beziehungen. In der konservativen Stammesstruktur gelten Frauen in den Augen vieler immer noch als Menschen zweiter Klasse. Vor allem in ländlichen Gebieten sind arrangierte Ehen weit verbreitet. Viele junge Afghanen treffen sich an der Uni, in Kulturzentren oder Restaurants, wo die Chancen geringer sind, auf Verwandte zu treffen. Er wolle am Valentinstag mit einer Gruppe von Freunden essen gehen, sagt Radschimullah. Auf diese Art falle es nicht so auf, dass er seine Angebetete treffe. Er kenne das Risiko, sich mit dem anderen Geschlecht einzulassen, sagt Radschimullah. «Aber wenn man jung ist, dann hört das Herz nicht auf den Kopf.»