Game-Tipp: Irdische Verlockungen und Gotteserkenntnis

Oper als Game: «Magic Flute» inszeniert die esoterisch angehauchte «Zauberflöte» von Wolfgang Amadeus Mozart. Ein nettes Spiel für Freunde des Werks.

Das Spiel erzählt die Geschichte der Oper «Zauberflöte» von Emanuel Schikaneder und Wolfgang Amadeus Mozart: Prinz Tamino wird mit Vogelfänger Papageno und Zauberflöte von der Königin der Nacht zum Weisheitstempel geschickt, wo er Pamina, die Tochter der Königin, aus der Gewalt von Fürst Sarastro befreien soll. Vorlage für die Umsetzung ist die Aufführung der Oper unter der Leitung von Amon Miyamoto (Linz 2013), der die Oper seinerseits als Videospielwelt inszeniert hat. Von schräg oben steuern wir Tamino, später auch Papageno und Pamina durch 32 Raumrätsel: hier müssen Plattformen verschoben werden, so dass sich die Helden einen Weg zum Ziel bahnen können. Variationen in späteren Levels beinhalten das Erreichen oder Vermeiden bestimmter Stellen, das Betätigen von Aufzügen und die strategische Zusammenarbeit der Protagonisten.

Inklusive Esoterik des 18. Jahrhunderts

Die «Zauberflöte» lässt sich als eine Mischung von religiösen und esoterischen Ideen des 18. Jahrhunderts begreifen, die zur Reflexion über die spirituelle Natur des Menschen einlädt. Schikaneder und Mozart kombinierten freimaurerische Symbole, die ägyptischen Mysterien des Osiris und der Isis sowie das Märchen «Lulu oder die Zauberflöte» von A. J. Liebeskind (1788) zu einem Werk, bei dem jede Handlung eine profane wie eine spirituelle Dimension haben kann – Letztere wird oft als Stufenweg des Geistes und seiner Vereinigung mit der Seele hin zur Gotterkenntnis vor dem Hintergrund der irdischen Verlockungen verstanden. Das Spiel zeigt einige dieser Symbole, so der Stufenaufstieg als Treppe zu den verschiedenen Levels oder Winkelmass und Zirkel als Freimaurersymbol auf dem Tempel von Sarastros.

Originelle Idee, holprige Präsentation

«Magic Flute» ist ein simples Game mit schlichter Grafik, anspruchsvollen und abwechslungsreichen Rätsel sowie professionell erzählten Zwischensequenzen. Die Idee eines Opern-Spiels ist originell, die Umsetzung weniger: Damit sie nicht vom Rätselraten ablenkt, erklingt Mozarts Musik ohne Gesang im Hintergrund, womit ein essentieller Teil der Oper als Beilage serviert wird. Das Leveldesign will nicht so recht mit der Dramaturgie harmonieren, die Präsentation von Storyinhalten wie der Schlange oder dem Glockenspiel, wirkt verloren und billig. Am Ende bleibt ein nettes Spiel für Freunde der «Zauberflöte» und ein simpler Zugang für Interessierte zu einer der bekanntesten Opern weltweit.


 

 

Angaben zum Spiel

Magic Flute (LabLike 2016)

Sprache: Englisch

Plattformen: Windows XP SP2 oder höher; iOS 6.0 oder höher; Android 4.1 oder höher

Offizielle Webseite mit Demoversion

PEGI-Alterskennzeichnung: Ab 7 Jahren.

 

Über den Autor

Oliver Steffen ist Religionswissenschaftler an der Universität Bern und erforscht die Zusammenhänge von Computerspielen und Religion.

Forschungswebseite: «Between God Mode and God Mood»