Game-Tipp: Hinter aller Magie zieht Allah die Fäden

Die Geister, die ich rief: Das Schleich-Abenteuerspiel erzählt von Magiern, Geistern und Dschinns, die um Macht ringen. Und von Allahs Plan dahinter.

Im Syrien des 12. Jahrhunderts beschwört ein mächtiger Zauberer einen Geist und schliesst mit ihm einen Pakt: In einem Palast soll der Geist drei Personen töten und erhält dafür eine Belohnung. Aus der Vogelperspektive steuern die Spieler den unsichtbaren Geist durch die Räume des Palastes, weichen den Wachen und Fallen aus und lösen Rätsel, um versteckte Botschaften und Schätze zu finden. Schleichen oder Meucheln sind Trumpf, denn offene Kämpfe mit den Wachen enden für den verwundbaren Geist tödlich. Durch das Belauschen der Gespräche wird klar, dass der Ort mysteriöser und der Zauberer arglistiger ist als es den Anschein hat. Die Spieler entscheiden, ob der neugierige Geist den Pakt erfüllt oder vorher die magischen Geheimnisse des Palastes ergründet.

Erzählung wie aus Tausendundeiner Nacht

Viele westliche Games zeigen die arabische Kultur entweder als Feindbild oder aber als exotische Märchenwelt. Das aus Brasilien stammende «Qasir al-Wasat» tut Letzteres. Hier begegnen bekannte Motive der vorislamischen Folklore wie Dschinns, Ghule, magische Portale, Alchemie und Astrologie. Diese werden mit Inhalten des Koran wie dem Garten Eden, der Engel und selbst den Beschwörungsfertigkeiten Salomos ergänzt und zu einer Erzählung wie aus Tausendundeiner Nacht gestrickt. «Die Geister, die ich rief» ist das Leitthema dieses vielschichtigen Märchens. Doch lassen die im Verborgenen wirkenden Engel vermuten, dass das Spiel auch eine religiöse Geschichte erzählt, in welcher Allah die Geister zum Werkzeug seiner Gerechtigkeit macht.

Geduldiges Beobachten und richtiges Timing gefordert

«Qasir al-Wasat» ist ein gelungenes Schleich-Abenteuerspiel. Die spannende Geschichte wird durch die Gespräche der Wachen, die gefundenen Texte und die Gedanken des Geistes erzählt. Die grafische Mischung aus persischer Miniaturmalerei und Cartoon sowie die atonalen Klänge verbinden sich in origineller Weise mit der Erzählung und der Spielmechanik. Letztere ist angenehm abwechslungsreich und fordert geduldiges Beobachten, das richtige Timing und logische Schlussfolgerungen. Die Steuerung erfolgt per Gamepad oder Tastatur, eine komfortable Maussteuerung fehlt. Lösungshinweise für die teils kniffligen Rätsel gibt es nicht, die Gedanken des Geistes sind aber hilfreich. Diverse Vorgehensweisen und Enden machen Lust, das Spiel mehrmals zu spielen.


 

Angaben zum Spiel

Qasir al-Wasat: International Edition (Aduge Studio/Zueira digital 2016)

Sprache: Deutsch

Plattformen: Windows Vista oder höher; OS X 10.5 oder höher; Linux 3.14.1 oder höher

Offizielle Webseite

Keine offizielle Alterskennzeichnung. Empfehlung des Autors: Ab 12 Jahren.

 

Über den Autor

Oliver Steffen ist Religionswissenschaftler an der Universität Bern und erforscht die Zusammenhänge von Computerspielen und Religion.

Forschungswebseite: «Between God Mode and God Mood»