Game-Klassiker «Super Mario» mit religiösem Bodensatz

Super Mario wird 30: Das Jump&Run-Game hat eine ganze Generation von Gamer entzückt – mit spielerischer Raffinesse, Humor und japanischer Shinto-Folklore. Der Game-Designer Shigeru Miyamoto liess sich damals auch von der japanischen Religiosität inspirieren.

Eines Tages fallen die bösen schildkrötenartigen Koopa ins friedliche Königreich der Pilz-Menschen ein, verwandeln alle in Stein und entführen die Prinzessin. Der Held Mario macht sich auf, um die Prinzessin zu retten, damit sie den bösen Zauber rückgängig machen kann. Die Spieler steuern Mario durch 32 zweidimensionale Welten, wo von links nach rechts gerannt, gehüpft und geschwommen wird, um das Levelende vor Ablauf der Zeit zu erreichen. Pilze, Blumen und Sterne verleihen Mario diverse Fähigkeiten, um Hindernisse und Gegner zu überwinden.

Populäres Spiel mit japanischer Religiosität

«Super Mario Bros.» erschien am 13. September 1985 und hat sich seither zur populärsten Franchise des japanischen Spielekonzerns Nintendo entwickelt. Weniger bekannt ist, dass der führende Designer Shigeru Miyamoto sich von Kindheitserinnerungen inspirieren liess, in denen auch die japanische Religiosität eine Rolle spielt. Wie in der Shinto-Mythologie erscheinen Tiere, Pflanzen, Wolken etc. in «Super Mario Bros.» als vernunftbegabte und belebte Wesen. Die Koopa z.B. ähneln den Kappa, hinterhältigen Wassergeistern, die den Menschen Streiche spielen oder sie angreifen. Doch «Super Mario Bros.» ist auch ein multikulturelles Produkt: Die «Fliegenpilze», die Mario grösser und stärker werden lassen, erinnern an die psychedelisch wirkenden Pilze, die in traditionellen schamanischen Ritualen Trancezustände herbeiführen und die Kommunikation mit Geistern ermöglichen sollen. In der westlichen Adaption schliesslich wurden die Koopa mit «schwarzer Magie» assoziiert und damit im Rahmen der Auseinandersetzung zwischen Christentum und magisch-paganen Strömungen verortet.

30 Jahre alt und noch immer jung

«Super Mario Bros.» war eines der frühen Spiele, die Jump&Run mit einer Hintergrundstory verbanden. Das Jungfrau-in-Nöten-Sujet ist heute zwar ausgelaugt und auch politisch nicht mehr unbedenklich. Geschenkt, denn die Stärke des Spiels ist nach wie vor das Gameplay: Das Manövrieren um Blöcke, Röhren, Abgründe und Feinde, die Suche nach unsichtbaren Boni und geheimen Levels, die begrenzten Leben von Mario und die Jagd nach Extraleben fordern Aufmerksamkeit und Geschick. Zusammen mit dem niedlichen Comic-Look und dem eingängigen lässigen Sound ergeben sie die perfekte Symphonie, die für anhaltende Motivation und Spielspass sorgt. So ist «Super Mario Bros.» auch mit 30 Jahren ein zeitlos gutes Game.

 

 

Angaben zum Spiel

Super Mario Bros. (Nintendo 1985)

Sprache: Englisch, wenig Text

Plattformen: Originaltitel: Nintendo Entertainment System (NES); Neuauflagen für Nintendokonsolen: Game Boy Advance (2004), Wii (2007), 3DS (2012) und Wii U (2013); Gratis-Mario-Spiele auf dem Internet, z.B.: www.mario-games-free.com

Offizielle Webseite

PEGI-Alterskennzeichnung: ab 3 Jahren.

 

 

Über den Autor

Oliver Steffen ist Religionswissenschaftler an der Universität Bern und erforscht die Zusammenhänge von Computerspielen und Religion.

Forschungswebseite: «Between God Mode and God Mood»