Freiwilligenarbeit muss sich neuerdings «lohnen»

Die Beweggründe für ein freiwilliges und unentgeltliches Engagement ausserhalb der eigenen Familie haben sich über die Jahre verändert, stellt Caritas Schweiz fest. Immer mehr Helferinnen und Helfer knüpften Freiwilligenarbeit an einen persönlichen oder beruflichen Nutzen.


Die Hilfsorganisation Caritas Schweiz hat die von ihnen vermittelten Volontäre nach den Beweggründen ihres Einsatzes gefragt. Ein Grossteil der Befragten nannte die Solidarität mit der Bergbevölkerung als wichtigstes Einsatzargument. Weiterer Beweggrund bestand für viele darin, etwas Sinnvolles tun zu wollen oder eine neue Lebenswelt kennenzulernen, wie die Auswertung der qualitativen Analyse zeigt.

Freiwilligenarbeit muss sich auszahlen, wenn auch nicht finanziell
Gleichzeitig stellt die Organisation fest, dass die «individuelle Nutzenoptimierung» beim Entscheid, einen solchen Einsatz zu leisten, eine zunehmend grosse Rolle spielt. Eine steigende Zahl der freiwilligen Helferinnen und Helfer habe das Engagement mit der praktischen Vorbereitung auf das Studium oder dem Ausgleich zu kopflastigen Berufsarbeiten begründet. Explizit werde auch um Arbeitsbestätigungen für das Bewerbungsdossier gefragt, schreibt Caritas. Etwas salopp ausgedrückt heisse dies, dass man anderen dann helfe, wenn man selber auch davon profitieren könne. Freiwilligenarbeit müsse sich also je länger je mehr «lohnen». Unabhängig von den Beweggründen scheint die Hilfsorganisation jedoch weiterhin auf freiwillige Unterstützung zählen zu können. «Von einer Abnahme solidarischen Handelns kann aus unserer praktischen Erfahrung über die Jahre nicht gesprochen werden», schreibt die Organisation.

Immer weniger Volontäre
Sie stellt jedoch mit Bedauern fest, dass es landesweit immer weniger Volontäre gibt. Laut dem Bundesamt für Statistik hat sich deren Anzahl innerhalb von 10 Jahren um 20 Prozent reduziert. 2010 leistete demnach noch rund ein Drittel der Bevölkerung Freiwilligenarbeit. Dabei seien die Möglichkeiten von Freiwilligenarbeit noch nie so vielfältig gewesen wie heute, hält Caritas fest. Engagieren könne man sich in so verschiedenen Bereichen wie Kultur, Sport und Politik oder in sozialen, kirchlichen oder karitativen Organisationen.

Caritas vermittelt seit 30 Jahren freiwillige Helferinnen und Helfer an Bergbauernfamilien im Schweizer Berggebiet, die Unterstützung benötigen. 2013 kamen so über 5230 Einsatztage zusammen, wie die Organisation am Donnerstag mitteilte. Diese wurden von insgesamt 779 Freiwilligen geleistet.