Hunderte gerettete Flüchtlinge müssen auf See ausharren
Allein an Bord der «Geo Barents» befinden sich 572 geschwächte Menschen, erklärte die Hilfsorganisation «Ärzte ohne
Grenzen» am Mittwoch. Unter ihnen seien auch schwangere
Frauen sowie mehr als 60 teils unbegleitete Minderjährige und kleine
Kinder.
Die Menschen waren in sieben Rettungsaktionen Ende Oktober an Bord
der «Geo Barents» geholt worden. Alle Einsätze hätten in der
maltesischen Seenotrettungszone stattgefunden. Doch die Behörden des Landes lassen laut den Seenotrettern alle Anfragen nach einem sicheren Hafen unbeantwortet. Dasselbe gilt für die italienischen Behörden. Auch die Schiffe «Humanity 1» und «Ocean Viking» mit hunderten Flüchtlingen an Bord warten darauf, an einem Hafen anlegen zu dürfen.
Häufig müssen die privaten Seenotretter tagelang warten, bis sie
einen Hafen in Europa zugewiesen bekommen. Die neue rechtsgerichtete
Regierung in Italien hat zudem einen künftig schärferen Kurs
signalisiert.
Das Mittelmeer zählt zu den gefährlichsten Fluchtrouten weltweit.
Es gibt dort keine staatlich organisierte Seenotrettung. Nach Angaben
der Internationalen Organisation für Migration (IOM) kamen bei der
Überquerung in diesem Jahr bereits 1'765 Menschen ums Leben oder
werden vermisst. Die Dunkelziffer dürfte viel höher liegen. (epd/pef)