Filmtipp: Leben und lieben danach

Bewegend und hautnah erzählt der chilenische Regisseur Matías Bize vom Umgang eines Paares mit dem Tod des kleinen Sohnes. Kann eine Beziehung einen derart schweren Schicksalsschlag aushalten? Das Drama «La memoria del agua» ist ab Donnerstag in den Kinos zu sehen.

Amanda und Javier haben ihren vierjährigen Sohn auf tragische Weise verloren. Amanda erträgt den Anblick ihres Partners nicht mehr: «Du bist er.» In der Folge entwickeln die beiden unterschiedliche Strategien, um irgendwie weiterleben zu können. Er möchte anknüpfen an die früher erfüllende Zeit, sucht den Kontakt zu seinem Vater oder fragt nach Sinn in und trotz allem. Sie ergreift die Flucht, stürzt sich in die Arbeit und reaktiviert eine Beziehung. Nur in ihrer inneren Leere glaubt sie, ihrem Sohn nahe zu bleiben.

Bewegend und beklemmend

Wasser – es spielt öfters eine Rolle im Film – ist ein Speichermedium, das nie etwas vergisst. So meinen einige Forscher. Aber können Menschen ein Ereignis, das nichts mehr sein lässt wie zuvor, «vergessen» oder zumindest anknüpfen an dem, was sie einst getragen hat? Der chilenische Regisseur Matías Bize hat einen bewegenden und oft beklemmenden Film geschaffen, bei dem die Zuschauenden die Entwicklung der Hauptfiguren hautnah miterleben. Dies nicht zuletzt dank einer Kameraführung, die eng an den Gesichtern von Amanda und Javier dran bleibt.

Film fragt nach Schuld und Sinn

Neben den Herausforderungen für eine Partnerschaft nach einem Schicksalsschlag thematisiert der Film Fragen nach Schuld und Sinn. Er überzeugt in seiner linearen Schlichtheit. Er verzichtet darauf, Reaktionen der Betroffenen zu bewerten und gleitet nie ins Reisserische ab. So gibt es keine Rückblende, die das Sterben des Kindes zeigt.

 

Hermann Kocher, Pfarrer in Langnau i.E. und Vizepräsident Interfilm Schweiz, ist Mitglied im reformierten Arbeitskreis Kirche und Film.

 

«La memoria del agua», Chile 2015, Regie: Matías Bize, Besetzung: Elena Anaya, Benjamín Vicuña, Néstor Cantillana; Verleih: trigon-film, www.trigon-film.org

Kinostart: 26. Mai

 

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