Filmtipp: Intimer Blick auf Europas junge Generation

Der Schweizer Regisseurs Jan Gassmann begleitet in «Europe, she loves» vier Paare in vier Ländern. Er analysiert in seinem Dokumentarfilm die Liebe in Zeiten der Krise. Ab Donnerstag im Kino.

In Thessaloniki stehen bei Penny und Nicolas alle Zeichen auf Trennung, in Tallinn halten Veronika und Harri ihre Patchworkfamilie zusammen, in Sevilla streiten und lieben sich Karo und Juan und in Dublin wehren sich Siobhan und Terry gegen ihre Drogensucht. Regisseur Jan Gassmann hat nach seinem Blick auf die Schweiz im Film «Heimatland» nun den Fokus auf Europa geworfen. Nicht minder scharf.

Nah an den Protagonisten

Am Anfang sieht man EU-Politiker vor dem Auge vorbeiziehen, hört aus dem Off Lobgesänge auf ein Europa, dass das ist, was man gemeinsam daraus macht, Feuerwerk und Euphorie. Dann geht die Kamera ins Detail, zeigt die Menschen, deren soziale Existenz mitten im Umbruch bedroht ist und die sich deshalb auch ihrer Gefühle nicht mehr sicher sein können. Das stimmt nachdenklich, bewegt. Auch deshalb, weil man als Zuschauer immer nah an den Protagonisten ist, ihren Ängsten und Zweifeln ins Gesicht schaut.

Der Trost, den jeder braucht

Der Film schafft eine intime Bindung zu den Personen. Doch auch die Paare werden miteinander verbunden, durch Details. Etwa, wenn Penny und Nicolas an einer Demonstration teilnehmen, die im Wohnzimmer von Veronika und Harri über den Bildschirm flimmert. In einer Szene sagt Nicolas: «Die Leute gucken nicht wirklich Fernsehen, sie lassen es nur laufen.» Und Penny fragt: «Warum? Um nicht alleine zu sein?» Vielleicht. Um zu wissen, dass man Teil einer Welt ist. Vielleicht ist das der Trost, den jeder braucht, während er im Stillen für sich kämpft.

 

Sarah Stutte ist Filmjournalistin

 

 «Europe, she loves», Schweiz/Deutschland 2016, Regie: Jan Gassmann, Dokumentarfilm; Verleih: Outside the box, Filmhomepage

 

Kinostart: 29. September 2016