Filmtipp: Alle gegen einen

Josef, ein Sonderling und Aussenseiter, wird tot aufgefunden. Musste er als Sündenbock für eine Dürre herhalten, die den Bewohnern seines Dorfes zu schaffen macht? Das Drama «Coup de chaud» beruht auf einer wahren Tragödie und ist ab Donnerstag in den Kinos zu sehen.

Ein heisser Sommer in der französischen Provinz. Die Dorfbewohner kämpfen für ihre Ernte, Aufträge und Erhalt der kleinen Gemeinde, gegen die Hitzewelle an. Doch das Schicksal meint es nicht gut mit ihnen und ihr Frust projiziert sich auf einen in der Gemeinschaft, der immer ausserhalb davon stand: Josef, der Sohn des Schrotthändlers. Er gilt als Störenfried und Sonderling. Als die Wasserpumpe verschwindet, der Regen nicht kommen will und eine alte Frau in ihrer Wohnung bedrängt wird, entlädt sich an dem jungen Mann der mittlerweile unkontrollierte Hass, bis er eines Morgens tot im Hinterhof seines Wohnhauses liegt.

Eine Dynamik, die beängstigt

Der Film beruht auf einer wahren Tragödie, die sich in der Heimatregion von Regisseur Raphaël Jacoulot zugetragen hat. Dieser war darüber sehr erschüttert und sagte in einem Interview, dass der Fall etwas aussage über eine kranke Gesellschaft, die immer nach Schuldigen suche. Jacoulots Appell an die Menschlichkeit ist jedoch nicht schwarzweiss gezeichnet. Josef (hervorragend gespielt von Karim Leklou) ist kein Unschuldslamm, sondern genauso beängstigend wie naiv. Dennoch ist das Beängstigendste an diesem Film die Macht der Dynamik, ausgelöst durch die Entscheidungen, die jeder einzelne trifft, und die Erkenntnis, dass eine Gemeinschaft immer nur so stark ist, wie das schwächste Glied, das sie zu integrieren vermag. «Coup de chaud» hält dem eigenen Unvermögen, Krisen zu bewältigen, den Spiegel vor.

 

Sarah Stutte ist Filmjournalistin.

 

«Coup de chaud», Frankreich/Belgien 2015, Regie: Raphaël Jacoulot, Besetzung: Karim Leklou, Carole Franck, Grégory Gadebois; Verleih: Xenix Filmdistribution

 

Kinostart: 7. Juli 2016