«Faith Fighter» – Böses Spiel über Religionskonflikte

«Wähle deinen Glauben und verprügle deine Feinde. Gibt dich deiner Intoleranz hin. Religiöser Hass hat noch nie so viel Spass gemacht», lautet die Anleitung des Computerspiels «Faith Fighter». Als Kämpfer wählt der Spieler Gott, Jesus, Buddha, Ganesha, Budai oder Mohammed.


Das comicartige Kampfspiel wurde von der italienischen Künstlergruppe Molleindustria entwickelt. Der Spieler tritt mit seinem Kämpfer gegen eine der anderen religiösen Figuren an. Schafft er es, den anderen in zwei Runden k.o. zu schlagen, kämpft man gegen den nächsten. Sind alle besiegt, tritt der Spieler gegen den Ausserirdischen Xenu an. Besiegt er auch diesen, posiert die siegreiche Figur vor dem Hintergrund einer brennenden Welt, das Spiel klingt mit einem doppeldeutigen «The End» aus.

Dem Willen der Spieler unterworfen
«Faith Fighter» (auf Deutsch: «Glaubenskämpfer») provoziert mit Inhalt und Spielmechanik. Nicht nur werden Religionsstifter und Götter realer Religionen als aggressive, miteinander in Konflikt stehende Parteien gezeigt. Sie werden ergänzt durch weitere «überirdische» Erscheinungen wie dem Ausserirdischen Xenu und dem fliegenden Spaghettimonster – womit Molleindustria die historischen Weltreligionen auf dieselbe Stufe stellt wie der UFO-Glaube oder die Religionsparodie Pastafari. Jesus, Gott, Buddha & Co. werden zudem der Steuerung und somit dem Willen der Spielenden unterworfen. Als wäre das nicht genug, können neben den gewöhnlichen Schlag- und Tritt-Attacken per Tastenkombination jeweils zwei Spezialwaffen und eine Schutzhaltung eingesetzt werden, die durch die jeweilige religiöse Kultur inspiriert ist: Mohammed lässt einen brennenden schwarzen Meteoriten vom Himmel auf den Feind regnen, Buddha schützt sich mit Meditation und wirbelt das Dharma-Rad gegen den Kontrahenten, Jesus und Gott ballern mit dem Heiligen Geist um sich und so weiter.

Beleidigung oder Anregung zur Reflektion?
Ist «Faith Fighter» eine Beleidigung für Gläubige? Dass es zumindest so wirken kann, zeigt der Ärger, den die Darstellung des Propheten Mohammed unter Muslimen ausgelöst hat – eine Ironie, wenn man bedenkt, dass die Inspiration für die Entwicklung des Spiels die Kontroverse um die Mohammed-Karikaturen war, welche 2005 in Dänemark erschienen. Im Disclaimer erklärt Molleindustria, das Spiel wolle nicht beleidigen, sondern zur Reflektion anregen. Tatsächlich macht das Prügelgame einige Aussagen über Religionskonflikte: Auf die primitivste Ebene hinuntergebrochen sind sie kaum mehr als ein «Wie-du-mir-so-ich-dir». Einer kann sich durchsetzen, doch der Preis dafür ist eine Welt, die in Flammen aufgeht. Religiöse Symbole und Figuren werden dabei instrumentalisiert, um den Konflikt zu schüren. Es sind eben nicht die Religionsstifter oder Götter, die kämpfen, sondern es sind die Spielenden, die ihre Religionsstifter, Götter und Symbole gegeneinander ins Feld führen. In diesem Sinn ist «Faith Fighter» ein kurzweiliges, einfach zu spielendes und gewitztes Kunstspiel über die Vereinnahmung des Göttlichen durch die unschönen Seiten des Menschlichen.

Angaben zum Spiel
Faith Fighter (Molleindustria 2008). Sprache: Englisch. Plattformen: Internet; Downloadversionen für Windows und Mac. Gratis spielbar auf der offiziellen Webseite: www.molleindustria.org/en/faith-fighter/ . Keine offizielle Alterseinstufung; Empfehlung des Autors: Ab 10 Jahren.


Über den Autor
Oliver Steffen ist Doktorand am Institut für Religionswissenschaft der Universität Bern. Im Rahmen des vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Projekts «Between God Mode and God Mood» erforscht er die Zusammenhänge von Computerspielen und Religion.


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