«Widerstehen Sie dem Desinteresse vieler Menschen an Europa», heisst es in einem Wahlaufruf, den der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und die katholische Deutsche Bischofskonferenz am Montag in Hannover und Bonn veröffentlichten.
Die Kirchen warnen zugleich vor populistischen und extremistischen Gruppierungen. Die europäische Politik sei «von höchster Relevanz für das tägliche Leben der Menschen in Europa und weit über Europa hinaus», heisst es in der gemeinsamen Erklärung. Die Bürger könnten durch ihre Wahlentscheidung massgeblich über die Politik der kommenden Jahre mitentscheiden. Bei der letzten Europawahl 2009 lag die Beteiligung bei 43 Prozent; in Deutschland gaben 43,3 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab.
Zu den grossen Herausforderungen für Europa gehöre es, aus den Fehlentwicklungen vor der Staatsschulden- und Finanzkrise die richtigen Lehren zu ziehen, betonen die Kirchen. Für den weiteren Aufbau des geeinten Europas müssten «Solidarität und Eigenverantwortung» die tragenden Prinzipien sein. Die Verantwortlichen in Europa müssten sich um soziale Verwerfungen wie die hohe Jugendarbeitslosigkeit kümmern. Wichtige Aufgaben gebe es auch in der Friedens-, Entwicklungs-, Flüchtlings- und Klimaschutzpolitik.
Eine Wahlempfehlung für eine bestimmte Partei geben die Kirchen in ihrem Aufruf nicht. Sie unterstreichen allerdings: «Mit grosser Sorge beobachten wir den Zulauf, den populistische und extremistische Parteien in der EU erleben.» Wichtig sei es, dass die Bürger sich vor der Wahl informierten und dann ins Wahllokal gingen. «Machen Sie Europa auf diese Weise zu Ihrer Sache!», werben EKD und Bischofskonferenz.
Einen eigenen Wahlaufruf veröffentlichte das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) in Bonn. Für Christen müsse der entscheidende Massstab für die Wahlentscheidung sein, «welches Menschenbild, welche Einstellung zur Würde des Menschen die jeweiligen politischen Kräfte vertreten und im politischen Handeln in Wort und Tat zeigen», betonte das ZdK. «Viele der antieuropäischen radikalen und extremen Parteien im linken wie rechten Spektrum stehen nicht nur für eine Ablehnung der europäischen Integration, sondern auch für nationalistisches und fremdenfeindliches, teils antisemitisches und antiislamisches Gedankengut.» Ein solches Menschenbild sei mit dem christlichen Menschenbild und den Werten der Europäischen Union unvereinbar.