Die japanischen Steingärten (jap. karesansui, wörtl. «trockene Landschaft») sind Gärten, die hauptsächlich aus Kies, Steinen und Moosen angelegt werden. Sie stellen Land und Wasser in Miniatur dar. Das Land wird durch Steine oder grosse Felsbrocken symbolisiert, das Wasser durch die charakteristischen Linien, die mit einem Holzrechen in den Kies oder Sand gezogen werden. Die Karesansui werden oft in Zen-buddhistischen Klöstern angelegt. Die Mönche harken den Kies zur Ordnung der Gedanken, zur inneren Sammlung und Meditation. Der sorgfältig angelegte Garten widerspiegelt somit den Idealzustand des klaren Geistes.
Die richtige Linie ziehen
Der Tokioer Game-Entwickler Lexaloffle hat die «Zengärten» als Puzzlespiel umgesetzt. Aus der isometrischen Perspektive blickt man auf das Areal vor einem Kloster. Eine mit Steinen besetzte Kiesfläche ist in quadratische Felder geteilt. Sie zu harken ist die Aufgabe des kleinen Mönchs mit dem Rechen. Am Ende sollen die Linien über alle Felder gezogen sein, wobei jedes Feld nur einmal bearbeitet werden darf. Der Mönch läuft die eingeschlagene Richtung so lange weiter, bis er aus dem Garten wieder austritt oder auf ein Hindernis stösst. Dann kann der Spieler eine neue Richtung wählen. Die Schwierigkeit von «Zen Puzzle Garden» besteht darin, alle Felder so zu bearbeiten, dass dabei keine Einbahnstrasse entsteht. Es warten 64 Gärten darauf, geharkt zu werden. Für zusätzliche Herausforderung sorgen die Laternen, die verschoben werden können, sowie die herbstlichen Laubblätter, die in einer bestimmten Reihenfolge einzusammeln sind.
Charmante Schlichtheit
«Zen Puzzle Garden» ist ein leicht verständliches und einfach zu bedienende Puzzlespiel mit Zen-Motiven. Dazu passt die schlichte Ästhetik mit Details wie den Jahreszeiten, die individuell einstellbaren Farben der Mönchsrobe sowie den Koto-Klängen. Das Spiel lässt allerdings nicht in der stillen Betrachtung verweilen, sondern fordert im Erkennen und Visualisieren von Mustern. Dass die Schwierigkeit zwar mit der Anzahl und Ordnung der Hindernisse variiert, vieles aber auch vom Ausprobieren und der momentanen Intuition abhängt, macht die Rätsel knackig und unberechenbar. Gut, gibt es eine Taste, um Spielzüge zurückzunehmen. Ausserdem bieten die Entwickler auf ihrer Webseite ein dreistufiges Hinweissystem, das zur Lösung führt. Wer will, kann mit dem Gartendesigner eigene Herausforderungen kreieren. Auch wenn das Spiel durch die überwiegend gleichen Designs und Spielzüge mit der Zeit etwas monoton wird – mit «Zen Puzzle Garden» ist Lexaloffle ein originelles, charmantes und forderndes Puzzlespiel auch für ältere PCs gelungen.
Angaben zum Spiel
Zen Puzzle Garden (Lexaloffle 2003). Sprache: English, sehr wenig Text. Plattformen: Windows (ab 95); Mac (ab OS X 10.2); sowie eine 3D-Version für den iPad. Offizielle Webseite mit Demoversion: http://www.lexaloffle.com/zen.htm; iPad-Version: http://www.zenpuzzlegarden.com/. Preis: ca. 19.95$ (PC-/Mac-Vollversion). Keine offizielle Alterseinstufung: Empfehlung des Autors: Ab 10 Jahren.
Über den Autor
Oliver Steffen ist Doktorand am Institut für Religionswissenschaft der Universität Bern. Im Rahmen des vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Projekts «Between God Mode and God Mood» erforscht er die Zusammenhänge von Computerspielen und Religion.
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