«Eleusis» – ein wilder Ritt durch die Religionsgeschichte

Tiefe Nacht, ein verlassenes Dorf und die eleusinischen Mysterien: In «Eleusis» rätseln sich die Spieler durch die griechische Religionsgeschichte.


Griechenland, 1992: Ein Mann ist auf dem Weg in sein Heimatdorf, wo er sich mit seiner Mutter treffen will. Als er mitten in der Nacht ankommt, findet er das Dorf verlassen vor. Eine Frau ist in ein Gebäude gesperrt und bittet um Hilfe. Dunkle Kapuzenträger schleichen umher. In der Rolle des Protagonisten erkundet der Spieler das dreidimensionale Dorf und die Umgebung und versucht herauszufinden, was vor sich geht. Nach und nach findet er findet aufschlussreiche Hinweise und Gegenstände und kommt einem dunklen Geheimnis auf die Spur, an dessen Ende eine folgenreiche Entscheidung wartet.

Sich rächende Götter
«Eleusis» gehört dem neueren und modischen Genre der Erforschungs-Abenteuerspiele aus der Ich-Perspektive an. Dieses Abenteuer ist ein wilder Trip durch die griechische Religionsgeschichte: Kultisten versuchen, Typhon wiederzuerwecken, das von Gaia geborene Ungeheuer, das die Niederlage der Titanen gegen die Olympischen Götter rächen sollte. Der Protagonist versucht, dies zu verhindern und muss sich dabei in die eleusinischen Mysterien einweihen lassen, der antiken Mysterienreligion zu Ehren der Fruchtbarkeitsgöttin Demeter. Hierzu nimmt er Kykeon zu sich – ein Getränk, das möglicherweise den psychedelisch wirkenden Mutterkornpilz enthielt und in den Mysterien eine Rolle spielte –, um in einer Vision Verborgenes sichtbar zu machen. Das orthodoxe Christentum wiederum kündigt in Gemälden und Ikonen in der Dorfkapelle die Auferstehung und den Kampf gegen das Böse an, die sich im Protagonisten verwirklichen und über deren Form und Konsequenzen er schliesslich zu entscheiden hat.

Erfrischender Religionsmix und altbekannte Genre-Kost
Abgesehen von wenigen Horror- und einigen Survival-Momenten ist «Eleusis» ein ruhiges Indie-Abenteuerspiel des Entdeckens und Kombinierens. Ein bisschen mehr Führung hätte für einen flüssigeren Spielablauf gesorgt, denn die Vorgehensweise ist nicht immer klar, und wichtige Gegenstände stechen zu wenig hervor und können leicht übersehen werden. Auch fordert das Spiel einiges an Geduld und Orientierungsvermögen: um die meist simplen und logischen Rätsel zu lösen, müssen auf langen Wegen oft mehrere Orte abgeklopft werden. Technisches Manko: Der Protagonist bleibt immer mal wieder in der kargen Umgebung hängen, was im Notfall mit dem Laden eines Speicherstandes behoben werden muss. Gelungen ist die nächtliche Kulisse des alten griechischen Dorfes, die antiken Ruinen, die Nebel- und Lichteffekten sowie die geizig eingesetzten mysteriösen Klänge, die eine stimmungsvolle schaurige Atmosphäre erzeugen. Die Kultisten-erwecken-uralte-Kräfte-Handlung von «Eleusis» ist zig Mal gespielte Genre-Kost. Aber der Religionsmix auf Griechisch ist erfrischend anders und bietet mit interessanten Details in Bild und Text auch Stoff fürs Wundern, Nachschlagen und Nachdenken.


Angaben zum Spiel
Eleusis (Nocturnal Works 2013)
Sprache: English, deutsche Oberfläche und Untertitel
Plattformen: Windows (XP/Vista/7)
Offizielle Webseite mit Demo: www.eleusisgame.com
Preis: ca. 11,99 € (PC -Normalversion)
USK-Alterseinstufung: Ab 12 Jahren.


Über den Autor
Oliver Steffen ist Doktorand am Institut für Religionswissenschaft der Universität Bern. Im Rahmen des vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Projekts «Between God Mode and God Mood» erforscht er die Zusammenhänge von Computerspielen und Religion.

Webseite des Projekts: www.god-mode.ch