Digitaler Abschied mit Codes auf dem Grabstein

Die Trauerkultur hat sich gewandelt. Selbst auf Friedhöfen spielt Technologie vermehrt eine Rolle. Die Digitalisierung hat die letzte Ruhestätte erreicht.

Auf dem quadratischen Pixel-Muster können Bilder, Informationen oder Bibel-Zitate hinterlegt werden. (Bild: Wikimedia/Wikileander/cc by-sa 3.0)

Eine virtuelle Kerze anzünden für den verstorbenen Freund. Fotos zur Erinnerung an die Oma auf eine Trauerseite im Internet einstellen. Im Online-Kondolenzbuch einen Eintrag für den verunglückten Kollegen einfügen. Die Digitalisierung hat längst die Trauerkultur erreicht – und wandeln das Abschiednehmen, Trauern und Erinnern.

QR-Codes auf Grabsteinen

Unterdessen gibt es Grabsteine mit sogenannten QR-Codes: Quadrate aus einem schwarzweissen Pixelmuster. Mit der Handykamera gescannt und entschlüsselt, verweisen sie auf eine Internetseite mit Bildern, Videos und der Lebensgeschichte der Verstorbenen.

«Mit solchen QR-Codes können Inhalte und Informationen über den Verstorbenen hinterlegt werden, die auf dem Grabstein keinen Platz finden», erläutert Oliver Wirthmann, Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur. Die Pixel-Quadrate seien zunehmend gefragter.

«Ich sehe das sehr positiv, es ist eine neue Möglichkeit.» Zu den Vorteilen gehört aus Wirthmanns Sicht: «Wohnt jemand weit entfernt und konnte nicht an der Trauerfeier teilnehmen oder zum Grab kommen, dann teilt er die Trauer im virtuellen Raum.» Dazu reicht es, wenn ihm jemand ein Foto mit dem QR-Code schickt.

Witterungsfest und platzsparend

Steinmetz Andreas Rosenkranz fertigt seit einigen Jahren Grabmale mit QR-Codes an und ist damit auf diesem Feld einer der ersten in Deutschland. In seiner Kölner Werkstatt bringt er die grafischen Codes direkt per Sandstrahltechnik auf Plaketten, Grab- und Sockelsteine auf. «Das ist absolut witterungsfest.»

Die Idee komme aus Japan. «Zunächst dachte ich, wie skurril. Ist es aber gar nicht.» Der QR-Code braucht wenig Platz. Er verweist auf eine Online-Gedenkseite für den Verstorbenen. Das sei praktisch. «Bei uns werden die Gräber ja immer kleiner, die Urnenbestattungen nehmen zu.»

Weil es da anfangs Skepsis und Unklarheiten gab, hat der deutsche Städtetag, ein Zusammenschluss ähnlich wie der Schweizer Städteverband, eine Handlungsempfehlung verfasst. Der QR-Code gilt demnach als Grabmal-Inschrift und die Hinterbliebenen sind für den Inhalt verantwortlich.

Trauer teilen und verarbeiten

Die Nachfrage nach den QR-Codes steige, sagt Steinmetz Rosenkranz. «Solche digitalen Grabzeichen sind im Mainstream angekommen. Es geht nicht nur um Informationen zum Verstorbenen für die anderen, es hilft auch den Hinterbliebenen, die eigene Trauer zu teilen und zu verarbeiten.»

Zu Beginn sei manchmal nur ein Bibelzitat hinterlegt, dann würden die Hinterbliebenen immer mehr Texte, Erinnerungen oder Bilder ergänzen. «Diese Art des Gedenkens ist dynamisch. Es kann sich entwickeln.»