Christen begrüssen Ankündigungen Erdogans

Der Bundesverband der Aramäer in Deutschland hat die Ankündigung des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan begrüsst, Grundbesitz an das Kloster Mor Gabriel in der Tur-Abdin-Region zurückzugeben.

Die Kirchtürme des Klosters Mor Gabriel. (Bild Wikimedia/Nevit Dilmen)

«Wir bewerten die angekündigten Reformen positiv, auch wenn die Bekanntgabe von weiteren Details zur konkreten Umsetzung der Massnahmen zunächst abzuwarten ist», erklärte der Verbandsvorsitzende Daniyel Demir. Das uralte syrisch-orthodoxe Kloster Mor Gabriel im Osten der Türkei, das im Jahr 397 gegründet wurde und als Zentrum der aramäischen Christen gilt, war in einem jahrelangen Rechtsstreit von Enteignung bedroht.

Erdogan hatte am 30. September ein Reformpaket vorgestellt, mit dem unter anderem die kulturellen Rechte von Volksgruppen und Minderheiten verbessert werden sollen. Die Rückgabe der Klosterländereien bezeichnete er als «Beseitigung eines Unrechts».

Kritik übte der Bundesverband daran, dass die Aramäer in der Türkei bis heute als Minderheit nicht anerkannt seien und daher ihre Rechte, etwa das Menschenrecht auf Religionsfreiheit, nicht entsprechend ausüben könnten. «So ist der Bau oder Erhalt von Kirchengebäuden mit massiven Schwierigkeiten und Hindernissen verbunden; die Ausbildung des Priesternachwuchses oder aber auch der Unterricht der aramäischen Sprache, der Sprache Jesu, ist bis dato verboten», betonte Demir. Zudem gebe es erhebliche Rechtsunsicherheit und Willkür der örtlichen Behörden.

Wenn die türkische Regierung hinsichtlich ihrer Minderheitenpolitik tatsächlich und glaubwürdig eine Kehrtwende einleiten wolle, sei eine neue Verfassung zwingend erforderlich. In dieser müsse die Anerkennung der Aramäer als offizielle Minderheit verankert sein, so Demir.