EU-Parlament gedenkt des Aufstandes im Warschauer Ghetto
Das Europäische Parlament hat am 80. Jahrestag des Aufstands im Warschauer Ghetto die jüdischen Widerstandskämpfer gewürdigt. «Wir erinnern heute an den aussergewöhnlichen Mut dieser Menschen, die in der dunkelsten Zeit ein Zeichen der Hoffnung gesetzt haben», sagte Parlamentspräsidentin Roberta Metsola am Mittwoch in Strassburg: «Unser Europa ist aufgebaut auf ihren Schultern.»
Am 19. April 1943 begann der Aufstand der jüdischen
Widerstandskämpfer im Warschauer Ghetto gegen die
nationalsozialistischen Besatzer. Frauen und Männer hätten eine Armee
gebildet, sagte Metsola. «Sie haben gewusst, dass sie nicht gewinnen
können. Aber das Symbol ihres Widerstandes bleibt bis heute eine
Inspiration.»
Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach als erster deutscher Repräsentant bei der offiziellen Gedenkfeier am historischen Ort. Am Denkmal für die Helden des Ghettos in Warschau, das in Deutschland vor allem durch den Kniefall des früheren Kanzlers Willy Brandt (SPD) bekannt wurde, gedachte er gemeinsam mit dem polnischen Präsidenten Andrzej Duda und dem israelischen Präsidenten Isaac Herzog der Opfer der
Nationalsozialisten.
Steinmeier würdigte den Mut der jüdischen Widerstandskämpfer. Er
verneige sich in tiefer Trauer vor den Toten und bitte um Vergebung
für die Verbrechen. Zugleich sprach er sich dafür aus, das Werk der
Versöhnung zwischen Polen und Israel mit Deutschland zu bewahren.
Als die Nationalsozialisten am 19. April 1943 die letzten Bewohner
des jüdischen Ghettos in Warschau in die Vernichtungslager
deportieren wollten, wehrten sich die Menschen des abgeriegelten
Gebiets. Deutsche Polizei-, Wehrmachts- und SS-Einheiten gingen mit
grosser Härte gegen die bewaffneten Aufständischen vor und sprengten
ganze Häuserzeilen. Mitte Mai hatten sie den Widerstand gebrochen und
das Ghetto fast vollständig zerstört. Rund 56'000 Menschen wurden bei
den Kämpfen getötet oder wurden deportiert. (epd/ pef)