Nach einem Gespräch mit Erdogan sagte Erzbischof Aram Atesyan nach Medienberichten vom Freitag, 2. Mai, Erdogans Erklärung sei ein Friedenszeichen wie ein Ölzweig gewesen. «Wir wollen nicht, dass er vertrocknet.» Nun sollten Türken und Armenier aufeinander zugehen und «die Grundmauern für eine Brücke der Freundschaft und des Friedens errichten».
Erdogan hatte vergangene Woche als erster türkischer Ministerpräsident in einer offiziellen Erklärung zum Gedenktag des Beginns des Völkermordes an den Armeniern der Opfer der damaligen Gewalt gedacht. Erdogans Stellungnahme enthielt keine Anerkennung des Völkermordes, wohl aber eine Beileidserklärung an die Hinterbliebenen der Opfer. Atesyan sagte, Erdogans Erklärung sei ein «erster Schritt» gewesen. Nach Presseberichten prüft Erdogans Regierung die Vergabe der türkischen Staatsbürgerschaft an die Nachfahren der armenischen Opfer.
Unterschiedliche Anzahl Opfer
Die Erklärung des Ministerpräsidenten war von türkischen Nationalisten heftig kritisiert worden. Atesyan sagte, niemand könne leugnen, dass es damals zehntausende Opfer gegeben habe, oder behaupten, «dass der Boden Anatoliens nicht mit Blut getränkt ist».
Bei Massakern und Todesmärschen zwischen 1915 und 1917 kamen nach armenischen Schätzungen bis zu 1,5 Millionen Menschen ums Leben. Die Türkei lehnt es ab, von einem Völkermord im damaligen Osmanischen Reich zu sprechen, und setzt die Zahl der Opfer wesentlich niedriger an.