Die 22-jährige Schwester Elisabeth Pustelnik wird am Samstag in einem feierlichen Gottesdienst das Gelübde ablegen. Damit verpflichtet sich die junge Deutsche, dem Kapuzinerinnen-Kloster die nächsten drei Jahre zu dienen. Die zeitliche Profess – eine Art Verlobung mit Gott – gibt auch Schwester Chiara Hedwig Eicher (43). «Dass wir gleich zwei zeitliche Professe feiern dürfen, ist eine grosse Freude und ein wunderbares Geschenk», sagte Frau Mutter Mirjam diese Woche in einem Artikel der Appenzeller Zeitung. Das letzte solche Gelübde legte eine Schwester im Jahr 2003 ab. Allerdings verliess sie das Kloster wieder. Sind die drei Jahre um, müssen sich Schwester Elisabeth und Schwester Chiara entscheiden. Wollen sie den Lebensbund mit Gott schliessen, legen sie die ewige Profess ab, erklärte Frau Mutter Mirjam der Nachrichtenagentur sda.
Durchschnittsalter 60 Jahre
Während Klöster rundherum mit Nachwuchssorgen kämpfen und einige bereits geschlossen werden mussten, konnte «Leiden Christi» um einen Fünftel zulegen. Seit dem Eintritt der beiden Novizinnen im August 2012 zählt das Kapuzinerinnen- Kloster wieder zehn Schwestern. Beiseite legen kann Schwester Mirjam, die seit 27 Jahren im Kloster in Jakobsbad lebt und ihm seit 15 Jahren als Frau Mutter dient, die Sorgen nicht. Wenn jemand ausfalle, komme die Gemeinschaft ans Limit. «Optimal wäre, wenn wir 15 bis 20 Frauen wären», sagt Mutter Mirjam.
Kontakt via Internet
Das Durchschnittsalter sank dank den beiden Novizinnen auf rund 60 Jahre. Die Schwestern bleiben auf Lebzeiten im Kloster und werden wenn nötig von den Mitschwestern gepflegt. Von früh bis spät dienen die Frauen dem Herrn und sorgen für ihren Lebensunterhalt. Einnahmequelle ist die Klosterapotheke, wo selbst produzierte Kräuterheilmittel, Salben, Kapseln und Tabletten verkauft werden. Wegen der Apotheke hat sich das Kloster früh einen Internet-Auftritt zugelegt. Die Homepage diene nicht nur dem Verkauf von Heil- und Lebensmitteln, sondern sei ein guter Weg, junge Menschen zu erreichen, sagt Mutter Mirjam. Dank des Internetauftritts sei Elisabeth Pustelnik auf das Kapuzinerinnen-Kloster aufmerksam geworden.
Schwester auf Zeit
Wie die junge Deutsche finden auch andere Frauen übers Internet ins «Leiden Christi». Doch normalerweise bleiben sie nicht, sondern verbringen im Kloster eine Auszeit. Immer mehr Menschen hätten das Bedürfnis nach einem ruhigen Ort, um Halt zu machen und spirituell aufzutanken, sagt Frau Mutter Mirjam. Pro Jahr verbringen 15 bis 20 Schwestern auf Zeit eine oder mehrere Wochen in der Gemeinschaft. Sie stehen in aller Herrgottsfrühe auf, um mit den Schwestern zu beten und zu arbeiten. Viele kommen wieder – so auch Schwester Chiara, die zweite Novizin, die sich entschlossen hat zu bleiben.