AG: Der Pfarrer soll wieder einfacher ans Krankenbett gelangen

Die Aargauer Landeskirchen fordern, dass der Gemeindepfarrer neu wieder einen erleichterten Zugang zu den Namen seiner Gemeindeangehörigen im Spital bekommt. Unterstützung erhalten die Kirchen von der EVP. Sie hat im Parlament eine Motion eingereicht.


Wie die Aargauer Zeitung am Dienstag, 25. März, schreibt, will der Aargauer Grossrat Roland Bialek (EVP) mit einer Motion erreichen, dass künftig die Gemeindepfarrämter erneut Namen und Adressen erhalten, sofern die Patienten dies nicht ausdrücklich ablehnen. Sieben andere Parteien unterstützen die Motion der EVP.

Bis zum Gesundheitsgesetz 2010 galt in den Spitälern für Besuche von Gemeindepfarrern die sogenannte Widerspruchslösung. Das Spital durfte Namen und Adresse eines Patienten dem Seelsorger bekannt geben, sofern der Patient dies nicht ausdrücklich untersagt hatte. Seit 2010 gilt die sogenannte Zustimmungslösung: Seither erfährt der Gemeindeseelsorger von einem Patienten seiner Glaubensgemeinschaft nur, wenn dieser das Spital dazu ausdrücklich ermächtigt hat. Die Neuregelung erschwert für Gemeindepfarrer die Seelsorge im Spital.

Kirchen verlangen «wesentliche Änderungen»
Der Kanton will das Anliegen der Kirchen jetzt in einer Gesetzesrevision erfüllen. Die drei Landeskirchen begrüssen dies in der Vernehmlassung. In einer gemeinsamen Stellungnahme verlangen jedoch Luc Humbel (Präsident Katholischer Kirchenrat), Christoph Weber-Berg (Präsident Reformierter Kirchenrat) und Ernst Blust (Präsident Christkatholischer Kirchenrat) wesentliche Änderungen. Denn im neuen Gesetzestext kommen die Gemeindepfarrämter gar nicht explizit vor, erklärte Weber-Berg gegenüber der Zeitung. Der Entwurf spreche ausschliesslich von Spitalseelsorgenden.

Noch mehr stören sich die Kirchen daran, dass die Spitalseelsorger entgegen der bisherigen Praxis nur noch Name und Station der Patienten erfahren sollen, ausser der Patient gebe die Einwilligung für weitere Informationen. Weber-Berg führt an, die Spitalseelsorger arbeiteten in interdisziplinären Teams oder im Rahmen von Palliative Care mit.

Massives Hindernis
«Deshalb können und müssen diese Fachpersonen, die demselben Berufsgeheimnis wie Ärzte und Hilfspersonal unterstehen, im Therapieangebot des Spitals integriert bleiben und wie die anderen Therapeuten mehr wissen dürfen – zum Wohl des Patienten.» Niemand habe etwas dagegen, dass an einer Patientenbesprechung auch andere Therapeuten dabei sind, ist Weber-Berg überzeugt. Plötzlich sollen aber die Seelsorger ausgeschlossen werden. «Damit würde ihre bisher relativ niederschwellige Arbeit massiv erschwert.»


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