Agenda
Diversities that Matter: Muslimischsein in der Schweiz zwischen Zuschreibung und Orientierungsbedürfnis
Donnerstag, 10. September 2026 bis
Donnerstag, 10. September 2026
08:30 bis 17:00 Uhr
Für dieses Angebot verantwortlich:
Schweizerisches Zentrum für Islam und Gesellschaft
Diversities that Matter: Muslimischsein in der Schweiz zwischen Zuschreibung und Orientierungsbedürfnis
Donnerstag, 10. September 2026 bis
Donnerstag, 10. September 2026
08:30 bis 17:00 Uhr
Im Kontext globalisierter Gesellschaften ist Diversität zu einem Leitbegriff geworden, der sowohl
gesellschaftliche Realität abbildet als auch als normatives Ziel vorausgesetzt und eingefordert wird.
Gleichzeitig werden innerhalb der Kategorie Diversität Gegensätze und Abstufungen zwischen
„guter“ und „schlechter“ Diversität formuliert. Die Grenzlinien, entlang welcher die Bewertungen
darüber, ob eine bestimmte Form der Diversität „gut“ oder „schlecht“ ist, verschieben sich
kontinuierlich. Sie können nationale, kulturelle, sprachliche, religiöse, geschlechtliche oder soziale
Merkmale etc. adressieren, und interagieren in einer intersektionalen Perspektive häufig
untereinander. Allen Diskursen über gelungene und weniger gelungene Diversität ist gemeinsam,
dass sie einen öffentlichen Austragungsort gesellschaftlicher Einschliessungs- und
Ausschliessungsprozesse darstellen. Die Rede über „gute“ und „schlechte“ Diversität wirkt sich
zudem auf die Wechselwirkung von Mehrheits- und Minderheitssituationen aus. Die öffentliche
Bestätigung von Diversität als positivem Wert der gesellschaftlichem Mehrheit fördert Diversität
als positivem Wert von kulturellen oder religiösen Minderheiten. Die Diversität als Beschreibung
eines Ist-Zustandes von Gesellschaft als auch als Forderung nach ihrem Soll-Zustand stellt zudem
die Frage, wie Pluralität kontinuierlich gestaltet werden kann. Sich in einer diversen Gesellschaften
zu orientieren, setzt daher die wichtige Kompetenz voraus, unterschiedliche Umgänge mit und
Blickwinkel auf das plurale Zusammenleben verstehen und organisieren zu können. Orientierung
wird so zu einer zentralen Kompetenz, die gebildet werden muss und sich in konkreten sozialen
Situationen ereignet. Sie ist eine aktive Leistung, die aus dem Zusammenspiel individueller
Handlungsfähigkeit mit gesellschaftlichen Erwartungen und Anerkennungsstrukturen hervorgeht.
Wie Menschen sich in komplexen Lebenslagen orientieren, hängt daher wesentlich davon ab, wie
Differenzen gesellschaftlich markiert werden und wie Individuen diese Markierungen aufgreifen,
verhandeln oder zurückweisen.
Fragen nach Diversität und Orientierung als gesellschaftliche Beschreibung oder Norm, als
Prozesse von Inklusion und Ausschluss, oder in Bezug auf Sprechpositionen, bilden zentrale
Leitthemen der Konferenz. Wie werden gesellschaftliche, kulturelle und religiöse Vielfalt
entworfen und wahrgenommen? Wie prägen sie individuelle wie kollektive Orientierungen? Wie
werden Zugehörigkeiten und Abgrenzungen in unterschiedlichen Praxisfeldern hergestellt und
verhandelt? Welche Ressourcen können Wissenschaft und Praxis hierfür gemeinsam mobilisieren?
Die Konferenz richtet sich an Forschende, Studierende, Fachpersonen aus Bildung, Seelsorge,
Sozial- und Gesundheitswesen, an Akteur*innen muslimischer Gemeinschaften sowie an
Vertretungen aus Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft. Sie versteht sich als Brücke zwischen
Wissensproduktion und Anwendung und zielt auf die differenzsensible Stärkung reflexiver,
dialogfähiger und gerechter Praktiken des Zusammenlebens in der Schweiz.