Vom Rand in die Mitte
Die reformierte Kirche Wallisellen erhebt sich an dominanter Stelle auf einer sanften Moränenkuppe, am Rande des Glatttals. Ihr Standort galt zur Zeit der Erbauung als «äusserer Dorfteil», der nun aber durch die Entwicklung der letzten Jahrzehnte zum eigentlichen Geschäftszentrum des Ortes geworden ist. Diese Standortwahl war 1905, zu Beginn der Neubauplanung, eine ausserordentlich strittige Frage gewesen, die zu Gutachten und Gegengutachten, Flugblättern und erregten Gemeindeversammlungen führte. Mit dem neuen Platz wurde der seit Jahrhunderten benutzte Kirchenstandort mitten im Dorf verlassen, zugunsten eines Platzes, der nur durch Feldwege erschlossen, ausserhalb des Dorfkerns inmitten von Feldern und Wiesen lag.

Der Standort war aber, nicht nur von der Entwicklung der Gemeinde her gesehen, günstig. Die Architekten wollten mit ihrer Kirche ein Zeichen setzen, und noch heute grüsst die Kirche weit ins Glattal hinaus.

Vom baufälligen Türmli
Wann das erste Gotteshaus in Wallisellen gebaut wurde, ist nicht überliefert. Sicher ist hingegen, dass schon in vorreformatorischer Zeit, also vor 1519, nördlich des kleinen Bauerndorfes eine kleine Kapelle stand, die von der damals rein katholischen Bevölkerung für Gottesdienste benutzt wurde.
Wollasselda, das spätere Wallisellen, wird im Jahre 874 im Verzeichnis des Grossmünsterstiftes das erste Mal erwähnt. Die Kapelle war eine Filialkirche des Dekanats Kloten, das seinerseits dem Bischof von Konstanz unterstand. Solche Dorfkapellen wurden meistens von Privaten gestiftet, doch reichten die Mittel meistens nicht mehr für die spätere Instandstellung. Jedenfalls musste am 26. November 1471 vom Bischof von Konstanz ein so genannter Bettelbrief erwirkt werden, der während eines Jahres die Sammlung von Geldern für die Kapelle von Wallisellen gestattete.

Auch nach der Reformation gehörte Wallisellen zur Pfarrei Kloten. Der dortige Pfarrer war verpflichtet, in Wallisellen im Sommer zwölf Katechisationen und im Winter am Mittwoch jeweils eine Predigt zu halten. Ansonsten hatten die Einwohner die Gottesdienste in Kloten zu besuchen. Erst 1704 wurde Wallisellen eine eigene Kirchgemeinde.

Mit der Bausubstanz der mittelalterlichen Kapelle war es aber schlecht bestellt. Vor allem das "Türmli" sei sehr baufällig gewesen. So musste es mehrmals repariert oder neu aufgebaut werden. 1866 wurde es von einem Sturm gar "herabgeweht", wie es in einer Chronik heisst. Das geschah in einem ungeschickten Moment, hatte sich doch die Kirchgemeinde gerade erst mit dem Bau des ersten Pfarrhauses an der Rotackerstrasse ziemlich übernommen.

Am 17. November 1866, nach dem Bezug des Pfarrhauses, wurde die Kirchgemeinde, die bis anhin von einem Pfarrer, der in Zürich wohnte, betreut worden war, zu einer ordentlichen Pfarrei.

1880 klärte eine Kommission erste Umbau- und Neubauvarianten ab. Das Projekt wurde aber aus finanzpolitischen Gründen verschoben. Erst 1902 wurde die Kirchenbaudiskussion  wiederaufgenommen und, nachdem die langwierige Standortfrage geklärt war zügig zu einem Neubau geschritten.
Nach dem Bau der neuen Kirche benutzte man das mittelalterliche Gebäude als Magazin, 1931 wurde es abgebrochen. Ein Gedenkstein erinnert heute an diesen früheren Standort.


Zum Wahrzeichen von Wallisellen
Dank einem Architekten, welcher dem neuen Jugendstil frönte, den damals noch kaum jemand verstand, kam Wallisellen zu einer Kirche deren Bauart von Fachleuten noch heutzutage als meisterhafte Jugendstil-Architektur loben. Der Anspruch der Kirche, im Ortsbild eine überragende Rolle zu spielen, ein Zeichen zu setzen, ist auch heute in der stark gewachsenen Gemeinde noch deutlich fühlbar: Eingespannt in den axialen Bezug der hügelwärts vom Bahnhof her ansteigenden Strasse, herausgehoben durch einen Sockel und eine repräsentative Freitreppe auf der Fassadenseite, bildet der asymmetrische Aussenbau ein bestimmendes Element des Ortsteils.


Der Neubau der Kirche
Die Baukommission unter der Leitung des Fabrikanten F. Zwicky-Guggenbühl schrieb 1906 einen Wettbewerb aus für den Bau einer neuen Kirche in Wallisellen.

Das Projekt von Bischoff & Weideli eroberte den ersten Preis und wurden als «frei von allen konventionellen Formen, originell, von einer ländlichen Bevölkerung aber doch noch verstanden und gebilligt» bezeichnet. Bereits im November 1906 konnten die Bauarbeiten aufgenommen werden. Die Einweihung der neuen Kirche fand am 5. Juli 1908 statt. Massive Kostenüberschreitungen und der ungewohnte Stil des Gebäudes führten wohl zu einzelnen kritischen Stimmen, doch gab sich Architekt Bischoff in seiner Begrüssungsrede gelassen: «Wer da bauet an der Strasse, muss die Leute reden lassen», führte er aus, und war überzeugt, dass die Kirche bald alle Gemeindeglieder zufrieden stellen werde.

Erste Renovation
1975/76 wurde die Kirche mit Beratung der kantonalen Denkmalpflege durch Architekt Peter Germann, Zürich, sorgfältig restauriert. Die alte Farbgebung wurde so weit als möglich rekonstruiert, und alle Ausstattungselemente konnten wiederverwendet werden.