Portrait

Die reformierten Kirchen in der Schweiz sind demokratisch organisiert und legen Wert auf Toleranz und Solidarität, aber auch auf Eigenverantwortung und Freiheit. Sie kennen kein Lehramt und somit keinen Papst und keine Instanz, die über wahr und falsch entscheidet. Die Ablehnung des Lehramts war eine der Ursachen der Loslösung der Reformierten aus der römisch-katholischen Kirche.

Frauen sind bei den Reformierten zu allen Ämtern und Funktionen zugelassen.

Da das Evangelium massgebend ist, nennen sich die Kirchen, die aus der Reformation hervorgegangen sind, auch evangelisch. Die Reformierten zählen wie die Lutheraner, Anglikaner oder die Freikirchen zu den Protestanten. Es gibt sie auf allen Kontinenten. Die Zahl der Christinnen und Christen mit reformiertem Bekenntnis wird auf rund 75 Millionen geschätzt. Allerdings sind die reformierten Kirchen in der Schweiz aus historischen Gründen bekenntnisfrei.

Dienstleistungen

Die reformierte Kirche begleitet Menschen an unterschiedlichen Stationen im Leben. Möchten Sie eine Taufe, Konfirmation oder Trauung: Treten Sie dafür mit der Pfarrerin oder dem Pfarrer Ihrer Kirchgemeinde in Kontakt. Die reformierte Kirche ist aber auch da, wenn Sie von einem Menschen Abschied nehmen müssen oder wenn Sie Seelsorge und generell Hilfe in der Bewältigung Ihres Alltags brauchen.

Mitgliedschaft
Voraussetzung

Mitglied der reformierten Kirche werden die meisten dadurch, dass man als Kind von reformierten Eltern geboren wird. Das Zeichen der Mitgliedschaft ist in der Regel die Taufe, sie ist das christliche Ritual der Aufnahme in die Gemeinde. In den meisten Kantonalkirchen können Kinder von reformierten Eltern aber auch dann Mitglied sein, wenn sie nicht getauft wurden.

Eintreten

Möchten Sie in die reformierte Kirche eintreten? Nehmen Sie Kontakt mit dem Pfarramt Ihrer Kirchgemeinde auf. In den Kantonen Aargau, Baselland, Solothurn und Zürich können Sie auch online über die Website kircheneintritt.ch eintreten.

Sollten Sie früher aus der reformierten Kirche ausgetreten sein und nun wieder eintreten wollen, teilen Sie dies bitte schriftlich der Kirchenpflege Ihrer Kirchgemeinde mit.

Wer Mitglied einer reformierten Kirche ist, hat das Anrecht auf eine kirchliche Taufe, Trauung und Beerdigung. Mitglieder ab 16 Jahren erhalten das Stimmrecht sowie das aktive und passive Wahlrecht. Wird ein Mitglied steuerpflichtig, hat es auch die Kirchensteuer zu bezahlen. In den meisten reformierten Kantonalkirchen ist es nicht nötig, über eine Schweizer Staatszugehörigkeit zu verfügen.

Austreten

Sie wollen nicht mehr Mitglied der reformierten Kirche sein? Als Mitglied können Sie ohne Begründung Ihren Austritt erklären – auch wenn wir dies natürlich bedauern. Wenn Sie zum Austritt entschlossen sind, schreiben Sie eine handschriftlich unterzeichnete Austrittserklärung an die Präsidentin oder den Präsidenten der Kirchenpflege Ihrer Kirchgemeinde. Es empfiehlt sich, eine Kopie zur Kenntnis an die politische Gemeinde zu senden. Im Brief sollen die Austrittserklärung sowie die Personalien stehen. In der Regel nimmt eine Pfarrerin oder ein Pfarrer mit Ihnen Kontakt auf. Der Austritt wird, sofern er bei einem Gespräch nicht zurückgezogen wird, von der Kirchenpflege bestätigt.

Organisation

Die Reformierten sind föderalistisch organisiert. Basisdemokratie und Selbstverantwortlichkeit des Einzelnen sind bei den Reformierten zentral. Die wichtigsten Einheiten sind die Kirchgemeinden und die Landeskirchen.

Kirchgemeinden

Die rund 900 Kirchgemeinden sind das Herzstück der reformierten Kirchen. Sie sind demokratisch aufgebaut und finanziell selbständig. Geleitet werden sie von einer Kirchenpflege oder Kirchenvorsteherschaft und den Pfarrpersonen. Wesentliche Entscheidungen trifft die Kirchgemeindeversammlung.

Landeskirchen

Die reformierten Landeskirchen bilden die kantonalen Dachorganisationen der Kirchgemeinden. Eine besondere Ausprägung der Schweizer Reformierten ist ihre historisch enge Verbundenheit mit dem Staat, die sonst bei reformierten Kirchen selten ist.

Kirchenbund

Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) mit Sitz in Bern ist der Zusammenschluss der reformierten Landeskirchen, sogenannte «Kantonalkirchen» und der Evangelisch-Methodistischen Kirche Schweiz. Kompetenzen und Finanzen liegen allerdings in den Händen der Kantonalkirchen und der Kirchgemeinden. Übernational haben sich die Reformierten zur Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK) zusammengeschlossen.

Hilfswerke

Wichtige gemeinsame Werke der Schweizer Reformierten sind Heks, das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz, das Evangelische Missionswerk Mission 21 und der Entwicklungsdienst Brot für alle.

Diakonie

Mit Diakonie Schweiz besteht eine nationale Dachorganisation für alle diakonischen Angebote der reformierten Landeskirchen in der Schweiz. Die Plattform richtet sich an zuständige Behörden und diakonische Fachpersonen.

Schulen

In der Schweiz existieren verschiedene Schulen mit evangelischem Hintergrund wie das 1869 gegründete Evangelische Lehrerseminar Zürich, das sich heute unterstass.edu nennt. Weitere Schulen mit evangelischen Wurzeln sind unter anderen die Evangelische Mittelschule Schiers, die Neue Mittelschule Bern, der Campus Muristalden Bern, das Freie Gymnasium Zürich sowie die Freie Schule Winterthur.

Berufe

Seelsorge, Sozialarbeit, Unterricht, Musik: Die reformierten Kirchen bieten ein breites Tätigkeitsspektrum für Berufsleute, die gerne mit Menschen arbeiten. Für alle Berufsfelder sind entsprechende Ausbildungen notwendig.

Pfarrerin

Als Pfarrerin oder Pfarrer sind Sie nahe bei den Menschen, sprichwörtlich in guten wie in schlechten Zeiten. Sie sind für die Seelsorge zuständig, hören zu, diskutieren, predigen und unterrichten. Sie organisieren aber auch viel und leisten Aufbauarbeit in der Gemeinde.

Als Pfarrerin oder Pfarrer haben Sie ein Theologiestudium an einer staatlichen Universität absolviert, ebenso ein Vikariat  und sind von einer reformierten Kantonalkirche ordiniert worden. Die Website theologiestudium.ch enthält alle Informationen zum Weg in das reformierte Pfarramt. Die Kirchlich-Theologische Schule Bern (KTS) bietet zudem einen Zugang zum Theologiestudium an der evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Bern für Personen ohne Lehrerpatent oder Maturität. Für die Aus- und Weiterbildung der reformierten Pfarrerinnen und Pfarrer zuständig ist das Konkordat und die Koordinationsstelle für Praktikumbezogene Theologische Ausbildung, kurz Kopta. Beide Organisationen betreiben gemeinsam die Website bildungskirche.ch.

Sozialdiakon

Sie nehmen als sozialfachlich und kirchlich-theologisch ausgebildete Fachleute den sozialen Auftrag der Kirche wahr. Sie helfen, wo es nötig ist, und sie versuchen vor allem, sozial Schwache zu stärken und in die Gesellschaft zu integrieren. Diakone absolvieren meistens eine Ausbildung an einer Diakonieschule, in der Deutschschweiz in der Regel am Theologisch-Diakonischen Seminar in Aarau. Mit Diakonie Schweiz besteht eine nationale Dachorganisation für alle diakonischen Angebote der reformierten Landeskirchen in der Schweiz. Die Plattform richtet sich an zuständige Behörden und diakonische Fachpersonen.

Sigristin

Sie sind kirchliche Hauswarte, in der Ostschweiz auch Mesmer genannt, und haben in der Regel eine technische Ausbildung absolviert. Sie bringen aber auch menschliches Gespür und Lebenserfahrung mit und sind letztlich die Gastgeberinnen der Kirchgemeinde. Dabei sind Sie zuständig für die kirchlichen Gebäude, aber auch für die Vorbereitung eines Gottesdienstes. Weitere Informationen finden Sie auf der Website des reformierten Sigristen-Verbandes Schweiz.

Sekretariatsmitarbeiter

Text folgt.

Kirchenmusikerin

Sie haben sich in der Regel an einem Konservatorium ausbilden lassen. Die Zürcher Hochschule der Künste bietet beispielsweise ein Studium in Kirchenmusik an. National haben sich die Kirchenmusiker in einem Verband organisiert. Auch besteht die Möglichkeit einer Aus- und Weiterbildung in kirchlicher Popularmusik.

Katechet

Sie unterrichten das Fach Religion an der Primar- und Sekundarschule. Dazu haben Sie eine Katechetik-Ausbildung absolviert, die kantonal organisiert wird. Bitte kontaktieren Sie die entsprechenden Websites der einzelnen Landeskirchen wie Bern-Jura-Solothurn oder Zürich.

Behördenmitglied

Sie können in der reformierten Kirche auch nebenberuflich mitarbeiten. Zum Beispiel als Kirchenpflegerin oder Kirchenvorsteher. So gestalten Sie das Gemeindeleben ehrenamtlich mit und übernehmen Verantwortung. Freude an der Arbeit, Kreativität, Konfliktfähigkeit und Organisationstalent sind gefragt. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Kirchgemeinde.

Freiwillige

Ihr Einsatz als Freiwillige oder Freiwilliger für die reformierte Kirche lohnt sich: Sie unterstützen damit eine traditionsreiche und menschenfreundliche Institution, zugleich sammeln Sie neue Erfahrungen. Zum Beispiel bei einem Kirchenfest, in einer Jugendgruppe, als Seniorenbegleiter oder im Kirchenchor. Am besten erkundigen Sie sich in Ihrer Kirchgemeinde. Grundsätzliche Informationen zu einem freiwilligen Engagement erhalten Sie auch auf der Site von Benevol, der Dachorganisation der Deutschschweizer Fach- und Vermittlungsstellen für Freiwilligenarbeit. In einem von mehreren Landeskirchen herausgegebenen Leitfaden finden Sie ausführliche Informationen zur freiwilligen Mitarbeit in Ihrer Kirchgemeinde.

Geschichte

Die Geschichte der Reformierten ist so verschieden wie die Kantone in der Schweiz. Ihre Wurzeln haben sie in der Reformation des 16. Jahrhunderts. Zu ihren Vätern zählen Ulrich Zwingli, der Reformator Zürichs, und Johannes Calvin, der Reformator Genfs. Einzige Richtschnur bei den Reformierten ist das Evangelium, das keiner Lehr- und Auslegungsinstanz zu unterwerfen ist. Das Unser Vater, die Zehn Gebote und das Apostolicum sind zentrale Texte im Glaubensleben der Reformierten.