Heilkunde

Von aphrodisierenden Liebesäpfeln und reinigendem Mauergewächs

Wie eng sind biblische Geschichten mit Pflanzen verbunden? Ein botanischer Streifzug zeigt in acht Beispielen, welche Bedeutung Blumen und Kräuter in der Bibel haben.
Blühender Ysop (gelb), aufgenommen in einem Kräutergarten in Berlin, wächst neben dem echten Salbei (blau). (Bild: Andrea War/ Keystone)

Ysop

Das kleine Mauergewächs spielt vor allem in Reinigungsriten eine wichtige Rolle. Da die Blätter mit einem feinen Flaum belegt sind, eignen sich die Stängel besonders gut als Sprengwedel. Jesus wird am Kreuz ein Schwamm mit Essig gereicht, der auf einem Ysopstängel steckt.
— Johannes 19,29

Senf

Die Winzigkeit der Samen steht im Kontrast zum hohen Wuchs der Senfstaude. Deshalb wird sie von Jesus als Gleichnis dafür verwendet, welche Kraft der Glaube entfalten kann.
— Lukas 17,6

Lilie

Die weisse Lilie ist im Heiligen Land weit verbreitet und steht in der Bibel für Schönheit und blühendes Leben. Mit ihrer Pracht kann nicht einmal die Herrlichkeit Salomons mithalten.
— Jesaja 35,1

Rose von Jericho

Sie hat botanisch nichts mit Rosen zu tun. Die Wüstenpflanze kann sehr lange ohne Wasser auskommen. Kaum wird sie jedoch gewässert, entfaltet sie sich zur Blüte. Deshalb heisst ihr botanischer Name übersetzt auch «Auferstehungspflanze». 
— Sirach 24,14

Myrte

Myrtenblätter wurden bereits in der Antike zu ätherischem Öl verarbeitet und zur Behandlung der Atemwege verwendet. Esters jüdischer Name «Hadassa» leitet sich wahrscheinlich von Myrte ab.
— Ester 2,7

Mandragora

Sie wird auch Alraune genannt und ihre Früchte übersetzt Luther mit Liebesäpfeln. Das Nachtschattengewächs galt als Aphrodisiakum und empfängnisfördernd. Deshalb streitet sich die kinderlose Rahel mit Lea darum.
— Genesis 30,14

Lotus

Weil die Blüte der Seerose nachts verschwindet und am Morgen wieder auftaucht, ist sie ein Symbol für Leben und Fruchtbarkeit. Deshalb taucht sie auch im Hohelied auf.
— Hohelied 2,1

Papyrus

Aus dem Ried- und Sauergras wurde verschiedenartiges Gewebe hergestellt, vor allem aber Papier. In Jesaja wird das Wunder einer Wüste, die sich in eine fruchtbare Landschaft verwandelt, durch den Wuchs von Papyrus angezeigt.
— Jesaja 35,7

Redaktioneller Hinweis: Dieser Text erschien zuerst im «Forum», dem Magazin der katholischen Kirche im Kanton Zürich. Wir danken der Redaktion für die Erlaubnis zum Zweitabdruck, hier in leicht gekürzter Form. 

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