Ebola-Epidemie

«Die Epidemie verstärkt die Armut im Kongo»

Die Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo greift um sich. Nachbarländer haben die Grenzen geschlossen, die Wirtschaft in der betroffenen Region steht still. Das Heks hilft vor Ort, wo es kann.
Mitarbeitende des Heks geben Material ab, um die Hygiene zu verbessern im Gebiet der Demokratischen Republik Kongo, das am stärksten vom Ebola-Ausbruch betroffen ist. (Bild: Heks)

Eric Laurent, Sie waren als  Einsatzleiter Humanitäre Hilfe beim Heks kürzlich in der Demokratischen Republik Kongo. Wie haben Sie die Situation dort erlebt?
Die Lage der Menschen hat sich durch die Folgen der Epidemie weiter verschlechtert. Ich habe Leute getroffen, die seit drei Tagen nichts mehr gegessen hatten, weil ihnen das Geld dazu fehlt. Sie versuchen tagsüber zu schlafen, um den Hunger nicht zu spüren. Das Land befindet sich immer noch in einem Bürgerkrieg. Seit 30 Jahren herrscht dort Chaos.

Was verstehen Sie unter den Folgen der Epidemie?
Da sind zuallererst die wirtschaftlichen Folgen. Wir haben uns beim Heks auf die Hilfe in schwer erreichbaren Gebieten des Landes spezialisiert. Dort, in der Region Kivu, ist der informelle Handel mit Gemüse und Obst und Alltagsgegenständen zum Erliegen gekommen, weil die Nachbarländer Uganda und Südsudan die Grenzen geschlossen haben wegen der Ebola-Epidemie. Gerade dieser informelle Handel über die Grenzen hinweg war eine Möglichkeit für Frauen, Geld zu verdienen.

Gibt es keine Ausweichmöglichkeit?
In der Region sind viele Jobs verloren gegangen, seit die internationalen Gelder für die Entwicklungshilfe gestrichen wurden. Ein Grossteil der Angestellten von Hilfsorganisationen hat das Land verlassen. Deshalb sind die meisten Hotels leer, Restaurants haben keine Gäste – ein ganzer Wirtschaftszweig ist betroffen.

Wird das Heks in diesem Zusammenhang aktiv?
Lassen Sie mich auf das Beispiel der Frauen zurückkommen. Sie verdienen kein Geld mehr und hungern. Weil sie in der Stadt leben, können sie nicht auf familiäre Bande zurückgreifen, denn ihre Familien sind in weit entfernten Dörfern zuhause. Um diesen isolierten Frauen zu helfen, möchten wir in den Städten Suppenküchen aufbauen. Dort können sie etwas zu essen bekommen. Diese Menschen sind nicht einfach hungrig – man sieht ihnen an, dass der Hunger sie auszehrt. Sie haben keine Kraft mehr.

Illegale Minen in der Region sollen ein Grund für die Schwere der Epidemie sein.
Ja, im Epizentrum der Epidemie befinden sich viele illegale Minen. In der Demokratischen Republik Kongo gibt es grosse Vorkommen von Seltenen Erden, viele Menschen versuchen, sie auf eigene Faust zu fördern. Die Arbeitsbedingungen sind sehr schwierig und die hygienischen Zustände im Bereich dieser Minen sind prekär. Man geht davon aus, dass die aktuelle Epidemie dort ausgebrochen ist.

Die Ebola-Epidemie hat die öffentliche Aufmerksamkeit etwas verloren. Wie würden Sie die medizinische Versorgung im Land beschreiben?
Wir intervenieren nicht direkt in der Gesundheitsversorgung, also kann ich es nicht beurteilen. Aber die Arbeit in den Krankenhäusern läuft weiter. Unser Ziel ist, die Ausbreitung der Ebola-Epidemie einzudämmen. Dazu verteilen wir Schutzausrüstungen an das Gesundheitspersonal in den Gesundheitszentren sowie an die Menschen in den vom Ebola-Virus betroffenen Gemeinden und errichten Handwaschstationen, Latrinen und Zentren für die medizinische Grundversorgung. Diese Massnahmen werden das Auftreten künftiger Epidemien auch eindämmen, indem eine hochwertige sanitäre Infrastruktur geschaffen wird.

Woran fehlt es besonders?
Beispielsweise gibt es in den Dörfern praktisch keine Trinkwasserversorgung. Heks bemüht sich zudem um zusätzliche Finanzmittel, um Lastwagen zu beschaffen, die als mobile Anlagen für Trinkwasseraufbereitung dienen. Sie sind ausgerüstet mit einem Stromgenerator, einer Pumpe und einem Filter. Ein Lastwagen kann für 1600 Menschen den Tagesbedarf an Trinkwasser bereitstellen. Zusätzlich geben wir Chlor und Seife ab und versuchen Waschstationen einzurichten, um die Hygiene zu verbessern.

Beitrag teilen

Lesen Sie mehr zum Thema