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Kupplerin Kirche

Die Pfarrerinnen Monika Götte (links) und Diana Trinkner organisieren einen Single-Anlass in ihrer Kirche in Stäfa.
(Bild: Martin und David Messmer) Die Pfarrkolleginnen Monika Götte (links) und Diana Trinkner organisieren einen Single-Anlass in ihrer Kirche in Stäfa.

Immer weniger Mitglieder der reformierten Kirchgemeinde Stäfa heiraten, weshalb die Pfarrerinnen vor Ort sich als Kupplerinnen versuchen. Am 17.7.17 sollen sich Singles aus der Region in der Kirche kennenlernen können. Warum es auch in Zeiten von Parship und Co. nicht altbacken ist, die Kirche als Single-Börse zu nutzen, sagt Pfarrerin Diana Trinkner im Interview.

Frau Trinkner, Sie führen in Ihrer Kirche einen Anlass für Singles durch. Müssten Sie sich selber auf einer Single-Börse beschreiben, was würde da stehen?
Oh mein Gott! Lassen Sie mich überlegen. – Ich bin ja bereits glücklich verliebt, deshalb ist das Thema weit weg von mir. Aber gut. Dort würde stehen: Ich bin ein Mensch voller Liebe, Glaube und Hoffnung, der sich mit Freude und Leidenschaft dem Leben und den damit verbundenen Fragen stellt. Ich bin geradlinig und ernsthaft, nehme das Leben aber gleichzeitig mit Leichtigkeit und Humor. Ich tanze es.

 

Das hört sich doch gut an. Wie kamen Sie auf die Idee, Singles in Ihrer Kirche verkuppeln zu wollen?
Meiner Pfarrkollegin Monika Götte und mir ist aufgefallen, dass unsere Gemeindemitglieder kaum heiraten. Dieses Jahr haben wir gerade mal zwei ortsansässige Paare verheiratet. Das wollten wir ändern. Meine Kollegin hat gescherzt, dass wir ja eine Massenhochzeit wie damals Alexander der Grosse machen könnten, als er seine Offiziere in Susa mit Perserinnen verheiratete. Wir sind aber natürlich nicht Alexander der Grosse. Trotzdem wollen wir am 18.8.18 in Stäfa ebenfalls eine Massenhochzeit feiern – ein hoch gestecktes Ziel.

 

Ursprünglich haben Sie geplant, ein sogenanntes «Speeddating» durchzuführen. Also eine Art Kennenlernen im Eiltempo, bei dem man nur für kurze Zeit einander gegenübersitzt und dann zum nächsten Kandidaten wechselt. Davon sind Sie abgekommen. Warum?
Nach den ersten Anmeldungen haben wir gemerkt, dass das nicht klappen wird. Es haben sich mehr Frauen als Männer angemeldet. Frauen sind offenbar mutiger. Auch ist die Altersspanne von 60 Jahren viel zu gross dafür. Für ein Speeddating braucht es aber von beiden Geschlechtern etwa gleich viel und es darf nur eine Altersgruppe vertreten sein. Einige meinten darüber hinaus, dass Speedating ihnen zu technisch sei.

 

Pfarrerin Trinkner: «Es gab auch kritische Stimmen. Besonders von älteren Kirchenmitgliedern.»

 

Stattdessen werden Sie ein Kennenlernen und danach einen ungezwungenen Apéro organisieren. Was für Singles werden dort anzutreffen sein?
Der jüngste Mann hat Jahrgang 1991, der älteste 1933. Die jüngste Frau hat ebenfalls Jahrgang 1991, die älteste Frau 1939. Ansonsten sind so ziemlich alle Jahrgänge vertreten. Man muss allerdings mindestens 20 Jahre alt sein. Bis jetzt haben sich über 40 Singles angemeldet, mittlerweile ist die Reichweite über unser Dorf weit gewachsen von Brütisellen bis Pfäffikon (ZH).

 

Wie hat Ihre Kirchgemeinde auf die Idee reagiert?
Wir bekamen viele positive Rückmeldungen. Uns haben sogar Verheiratete geschrieben, dass sie das eine tolle Idee fänden, und sofort teilnehmen würden, wären sie nicht gebunden. Kritische Stimmen gab es aber auch. Besonders von älteren Kirchenmitgliedern, die Mühe haben, wenn sich ihre Kirche verändert und solche Anlässe durchführt, die etwas ausserhalb des sonstigen Rahmens stattfinden.

 

Ist es denn die Aufgabe der Kirche, Single-Börsen durchzuführen?
Es ist unsere Aufgabe, für Menschen da zu sein. Wir kennen viele Singles in der Gemeinde, die eigentlich nicht länger Single bleiben wollen. Die Trauung ist eine der vier Kasualien. Wir möchten die Gemeindemitglieder auch bei diesem Lebensübergang begleiten können und nicht nur bei Beerdigungen. Doch ohne Paare gibt es keine Hochzeiten. Also kann die Kirche auch mal Kupplerin sein, wenn es nötig ist.

 

Ist so ein Single-Apéro nicht etwas altmodisch? Heutzutage gibt es doch Singlebörsen im Internet und Single-Apps auf dem Smartphone.
Klar gibt es die. Aber dieses Kennenlernen durch solche Apps ist doch unromantisch. Ausserdem suchen dort viele nichts Ernsthaftes. Das soll bei uns anders sein. Die Möglichkeit und das Ziel einer Trauung schaffen einen hohen Grad an Verbindlichkeit und Vertrauen. Wer sich hier anmeldet, der sucht nichts Flüchtiges sondern eine wirkliche Beziehung. Ausserdem dürfen auch ältere Singles sich durchaus verlieben. Und diesen kommen die Online-Börsen nicht grad entgegen.

 

Ihr Anlass findet am 17.7.17 statt. Für den 18.8.18 haben Sie bereits einen Hochzeitstermin für ein Paar gebucht, das sich an Ihrem Apéro möglicherweise kennen- und lieben lernt. Glauben Sie, dass nächstes Jahr die Hochzeitsglocken wirklich läuten werden?
Ich hoffe es. Die reine Vernunft sagt: unrealistisch.

 

Die Liebe ist doch unberechenbar!
Da haben Sie recht. Ich würde mich über eine Hochzeit sehr freuen. Und der Glaube sagt: «Warum nicht?»

 

Sollte es doch klappen. Welchen Ratschlag geben Sie den frisch verliebten mit auf den Weg?
Vergesst nicht, was euch trägt. Und das ist die Liebe. Gerade bei Paaren mit Kindern kann das vergessen werden. Wenn man nur noch Papi oder nur noch Mami ist und das Paarsein etwas in den Hintergrund rückt. Man muss der Liebe, wie Gott, Raum geben, damit sie einen tragen kann.

 

Dann wünsche ich Ihnen und Ihren Singles viel Erfolg.
Herr Bättig, ich hätte auch noch eine Frage an Sie.

 

Ja, bitte?
Sind Sie Single?

 

Glücklich vergeben.
Schade, ich hätte Sie gerne zum Single-Dating eingeladen.

 

Der Single-Anlass der reformierten Kirchgemeinde Stäfa findet am Montag, 17. Juli um 19.30 Uhr in der reformierten Kirche in Stäfa statt.

 

In einer ersten Version des Interviews hiess es, die Altersspanne der Teilnehmenden betrage 80 Jahre. Das ist falsch. Die Altersdifferenz zwischen den ältesten und den jüngsten Teilnehmenden beträgt ungefähr 60 Jahre. Die Redaktion

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