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«Ich sehe mich als Vertreterin der grossen Mehrheit»

(Bild: zVg) Ruth Pfister-Murbach.

Ruth Pfister-Murbach wurde kürzlich in die Exekutive des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) gewählt. Wer ist die Thurgauer Kirchenrätin und was will sie im neuen Amt bewegen?

Frau Pfister-Murbach, welche Perspektive können Sie als Nicht-Theologin in den Rat des Kirchenbundes einbringen?
Ruth Pfister-Murbach: Ich sehe mich als Vertreterin der grossen Mehrheit. Jener Mehrheit, die die Bibel liest, ohne eine mehrjährige theologische Ausbildung zu haben. Genau für diese Menschen muss die Kirche Anlaufstelle sein und Unterstützung bieten. Ich finde es deshalb wichtig, dass nebst fundiertem theologischem Wissen auch die Laiensicht in den Rat eingebracht wird.

 

Mit Ihrer Wahl hat sich der Frauenanteil im siebenköpfigen Rat auf drei erhöht. Politisieren Frauen anders als Männer?
Frauen und Männer sind unterschiedlich. Doch auch innerhalb der Geschlechter gibt es Unterschiede. Ich habe die Erfahrung gemacht: Gemischte Teams funktionieren sehr gut und durch die Mischung herrscht eine andere Atmosphäre.

 

Sie waren früher Kirchgemeinderatspräsidentin und sind heute als Kirchenrätin im Thurgau aktiv. Warum engagieren Sie sich für die Kirche?
Mir ist es ein Anliegen, dass unsere christlichen Werte und das Evangelium in der Bevölkerung bekannt sind, dass sie gelebt werden und Orientierung geben – heute und auch in Zukunft. In unserer immer schneller funktionierenden Welt mit der elektronischen Vernetzung und dem dauernden Online-Sein braucht es die christlichen Kirchen, die wachsam, volksnah, realistisch und doch standfest die frohe Botschaft und die Werte der Kirche verkünden.

 

Was meinen Sie genau mit Begriffen wie volksnah, realistisch und standfest?
Die frohe Botschaft soll zeitgemäss formuliert sein und von der breiten Bevölkerung gut verstanden werden. Das ist für mich volksnah. Realistisch bedeutet: Gottesdienste, Weiterbildungen oder kirchlicher Unterricht sollen «up to date» sein, nicht nur auf den Inhalt bezogen, sondern auch im Einbezug moderner Medien und Hilfsmittel. Und mit standfest meine ich: Die Kirche soll sich weiterentwickeln, das Evangelium darf dabei aber nicht verbogen werden. Unsere christlichen Gebote und unsere Anliegen dürfen nicht weichgespült werden nur aufgrund irgendwelcher Modetrends.

 

Wo sehen Sie denn «weichgespülte Anliegen»?
Die christlichen Gebote gelten nach wie vor, auch wenn sie nicht mehr so «in» sind. Ich denke da etwa an die Bewahrung des Sonntags als Ruhetag, an Nächstenliebe statt Selbstverwirklichung, an Mässigung statt Habgier, an Zufriedenheit statt Neid. Wir müssen den Mut haben, in der Verkündigung auch unbequeme Themen anzusprechen.

 

Welche Akzente wollen Sie im Rat des Kirchenbundes setzen?
Ich komme in eine laufende Amtsperiode. Da halte ich mich an die bereits gegebenen Legislaturziele. Mein Ressort «Kirche, Kind und Jugend», das ich als Kirchenrätin im Thurgau betreue, leite ich sehr gerne. Diese Arbeit liegt mir wirklich am Herzen und ich werde sie mit Freude weiterführen. Inwiefern dies bei meinen zukünftigen Aufgaben im Kirchenbund Auswirkungen haben wird, kann ich noch nicht sagen. Ich will mich nun aber auch auf gesamtschweizerischer Ebene dafür einsetzen, dass die Kirche weiterhin ein wirkungsvolles Bildungsangebot, insbesondere auch für Kinder und Jugendliche, aufrechterhalten kann.

 

Das Interview wurde schriftlich geführt.

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Zur Person

Ruth Pfister-Murbach (50) ist seit 2012 Kirchenrätin der Evangelischen Landeskirche des Kantons Thurgau mit dem Ressort «Kirche, Kind und Jugend». Seit 2016 ist sie Vizepräsidentin des Thurgauer Kirchenrates.

Zuvor war die ausgebildete Versicherungsfachfrau acht Jahre Kirchgemeinderatspräsidentin im thurgauischen Amriswil-Sommeri. Pfister-Murbach ist Mutter von drei Kindern. In ihrer Freizeit macht sie Sport und spielt Harfe. Pfister-Murbach tritt ihr Amt im Rat des Kirchenbundes am 1. Januar 2018 an.

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