Das Jahr in der Kirche beginnt mit dem 1. Advent und endet mit dem Ewigkeitssonntag vor dem 1. Advent. Die höchsten Feiertage des Kirchenjahres sind an Ostern. Auch wenn vielen die Bedeutung des Kirchenjahres nicht mehr geläufig ist, so prägt es doch unser Zeitempfinden.

Das Kirchenjahr wird in drei Stationen unterteilt: In die Weihnachtsfestzeit, die Osterfestkreis und die Trinitatisfestkreis.

Weihnachtsfestzeit

Advent

Der Advent ist jene Zeit, in der die Christenheit sich auf das Fest der Geburt Jesu, Weihnachten, vorbereitet. Der 1. Adventssonntag ist der 1. Sonntag nach dem 26. November. Die vier Adventssonntage haben jeweils ihr Thema: Der 1. Adventsonntag thematisiert die erwartete Wiederkunft Christi am Letzten Tag. Am 2. und 3. Adventssonntag steht Johannes der Täufer im Mittelpunkt. Der 4. Adventsonntag ist in der katholischen Kirche Maria, der Mutter Gottes, gewidmet, in den protestantischen Kirchen thematisiert er allgemeiner die nahende Freude der Geburt Christi. Der Adventskalender ist eine Erfindung des 19. Jahrhunderts: Protestantische Familien begannen damit, im Advent nach und nach 24 Bilder an die Wand zu hängen. Seine heutige Form fand der Kalender im 20. Jahrundert. Seit einigen Jahren können Sie die Türchen zudem online öffnen: Das Internet bietet eine Vielzahl von Online-Adventskalendern an.

Heiligabend

Der 24. Dezember ist eigentlich kein Feiertag, da es am 24.12. nichts zu feiern gibt. Gefeiert wird erst der Abend (der Heilige Abend / Heiligabend). Umstritten ist, wie es zur Feier am 24.12. kam. Die einen führen dies auf einen ursprünglichen Mitternachtsgottesdienst um 0 Uhr am 25.12. zurück; andere führen die in der Antike verbreitete Auffassung ins Feld, den neuen Tag mit dem Sonnenuntergang beginnen zu lassen (der Heiligabend hätte dann ursprünglich schon zum 25.12. gezählt). Wie auch immer die heute verbreitete Form der Feiern am Heiligen Abend entstanden ist: Etabliert hat sie sich nur in einzelnen Ländern wie der Schweiz und Deutschland. England hingegen oder Frankreich begehen auch heute nur den 25.12. als Feiertag.

Weihnachten

Seit 354 n.Chr. feiern wir die Geburt Jesu am 24. und 25. Dezember. Der 26. Dezember ist der Stephanstag und liegt nur zufällig nahe an Weihnachten. Weihnachten dürfte das christliche Fest sein, dessen Bedeutung den allermeisten noch geläufig ist: Die Christenheit feiert die Geburt Jesu, oder theologischer ausgedrückt: die Menschwerdung Gottes. Weihnachten wurde zunächst am 6. Januar gefeiert. Daran erinnert noch heute das Epiphaniasfest an diesem Tag: Epiphanias heisst Erscheinung – und damit gemeint war ursprünglich die Erscheinung Jesus und nicht etwa jene der Heiligen drei Könige, die ja dem heutigen Kalender gemäss ebenfalls am 6. Januar in Bethlehem «erscheinen». Die Verlegung von Weihnachten auf den 25. Dezember verfolgte religionspolitische Zwecke. Unter Papst Liberius wurde die Umdatierung von Weihnachten im Jahr 354 definitiv.

Stephanstag

Auch wenn der 26. Dezember, der sogenannte Stephanstag, bei uns als Sonntag gilt: Dieser Tag hat keinerlei «weihnachtliche» Bedeutung. Der 26. Dezember ist der Gedenktag der urchristlichen Märtyrers Stephanus und folgt zufälligerweise auf den 25. Dezember.

Weihnachtsbaum

Der «Christbaum» geht auf den immergrünen «Paradiesbaum» aus dem mittelalterlichen «Paradiesspiel» zurück, das dem eigentlichen Krippenspiel in der Kirche vorausging und in dem der Sündenfall Adams und Evas sowie die Erlösung durch den Tod Jesu am Kreuz gezeigt wurden. Der Paradiesbaum wurde im Lauf der Zeit immer prächtiger und nicht nur mit Äpfeln, sondern auch mit Nüssen, Süssigkeiten und Gebäck geschmückt. Die in Silber- oder Goldpapier eingewickelten Früchte waren die Vorläufer der Christbaumkugeln. Später fand der Christbaum auch ausserhalb der Kirche Verbreitung und wurde zum allgemeinen Symbol für Advent und Weihnachten.

Dreikönigsfest

Das Fest am 6. Januar gehört zum weihnachtlichen Festkreis. Im Vordergrund dieses Tages steht eigentlich die Epiphanie, die historisch greifbare Erscheinung Gottes in Jesus Christus. Als einziger der Evangelisten berichtet Matthäus von den drei Männern, die aus dem Osten kommen, um das Kind anzubeten. Doch ist bei ihm weder von Königen noch von der Dreizahl die Rede. Erstmals spricht der griechische Kirchenlehrer Origines (um 254) von drei Magiern. Deren Zahl ist offenbar beeinflusst durch die Geschenke, die Matthäus erwähnt: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Die Bezeichnung der drei als Könige ist indes erst seit dem 6. Jahrhundert nachweisbar. Drei Jahrhunderte später erhalten die Könige Namen: Caspar, Melchior und Balthasar.

Dreikönigskuchen

Mit dem Drei-Königs-Tag als Jahresbeginn hängen auch Losbräuche der Zukunftserforschung zusammen. Noch heute ist es in einigen Regionen an diesem Tag üblich, ein Metallstück oder eine Bohne in einen Kuchen einzubacken, um den zu ermitteln, dem das Glück im neuen Jahr besonders geneigt sein werde, oder – auf die Heiligen Drei Könige umgedeutet – um herauszufinden, wer für einen Tag König sein dürfe. Neben dem Dreikönigskuchen erinnert heute noch das Krippenbrauchtum an die heiligen Männer. Seit jeher boten sie Möglichkeiten zu szenischen Veränderungen der Krippe. Zunächst am Rand stehend, rücken sie täglich näher zur Kerngruppe heran, um ihr Reiseziel auch optisch erkennbar werden zu lassen. Gestalt und Ausstattung der Könige sind bei allen Unterschieden tradiert.

Stern von Bethlehem

Über den Stern von Betlehem, auch «Weihnachtsstern» genannt, steht im Neuen Testament im Matthäusevangelium, Kapitel 2: «Als nun Jesus geboren war in Betlehem in Judäa, in den Tagen des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem, die sprachen: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Denn wir haben seinen Stern im Morgenland gesehen und sind gekommen, um ihn anzubeten! … Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er ankam und über dem Ort stillstand, wo das Kind war.» Verschiedene Theorien versuchen, diesen Stern naturwissenschaftlich als historisches Phänomen zu erklären. Oft soll damit die universelle, gleichsam kosmische Bedeutung von Jesus belegt werden.

Osterzeit

Aschermittwoch

An diesem Tag beginnt die 40-tägige Fasten- oder Passionszeit, die das Leiden Christi ins Zentrum stellt. Sie beginnt am 46. Tag vor Ostersonntag und dauert bis Karsamstag. Am Aschermittwoch endet im katholischen Raum die Fasnacht, die Zeit des Unsinn-Treibens. Es beginnt die 40-tägige Fastenzeit, und diese dauert bis Karsamstag, umfasst also 40 Fastentage. Die Sonntage sind vom Fasten ausgenommen, da Christen an jedem Sonntag – auch in der Fastenzeit – die Auferstehung Christi feiern. Die Zahl 40 steht für einen umfassenden Zeitraum, der Wende und Neubeginn ermöglicht. Etwas anders ist der Aschermittwoch in den (ursprünglichen) reformierten Schweizer Kantonen positioniert: Während es in den katholischen Kantonen Luzern oder St.Gallen heisst: «Am Aschermittwoch ist alles vorbei…», weil nun eben die Fastenzeit beginnt, erleben die reformierten Basel und Zürich den Höhepunkt und Abschluss ihrer Fasnacht erst in den Tagen nach Aschermittwoch. Der Aschermittwoch erhielt seinen Namen, weil an ihm Asche der Palmen vom Palmsonntag des vergangenen Jahres geweiht und den Gläubigen vom Priester auf Stirn oder Scheitel gestreut wird. Dabei erinnert der Liturg an die Vergänglichkeit des Menschen: «Gedenke, o Mensch, du bist Staub, und zum Staube kehrst du zurück.» (vgl. Psalm 90, 3). Asche ist das Symbol der Vergänglichkeit, der Busse und Reue. Schon die Menschen im alten Testament hüllten sich ^«in Sack und Asche», um ihrer Bussgesinnung Ausdruck zu verleihen.

Fastenzeit Passionszeit

Passionszeit wäre aus reformierter Sicht theologisch korrekter, da in dieser Zeit ja das Leiden Christi (Passion) im Zentrum stehen soll – und nicht das Fasten als Verzichtleistung der Gläubigen. Der Ausdruck Fastenzeit hat sich aber hierzulande durchgesetzt. Die Zahl 40 steht für einen umfassenden Zeitraum, der Wende und Neubeginn ermöglicht. Biblischer Hintergrund ist zum einen Jesu vierzigtägiges Fasten in der Wüste (Mätthaus-Evangelium 4, 2), zum zweiten die vierzigjährige Wanderung Israels in der Wüste (2. Buch Mose, 16 ff.). Neben dem eigentlichen Fasten etablierten sich weitere Motive und Praktiken in der Passionszeit: Es war die Zeit der Taufvorbereitung; es war die Zeit der Busse (vgl. Aschermittwoch), in der römischen Kirche verbunden mit einer Beichtpflicht vor Ostern, und es war natürlich die Zeit der Erinnerung an das Leiden Jesu. Insbesondere der lutherische Protestantismus versuchte dann, diese katholische Vielfalt auf ein Motiv zu reduzieren: Auf die Erinnerung an die Leiden Christi. – Im Laufe des 20. Jahrhunderts haben aber Hungertücher auch in reformierten Kirchen Einzug gehalten, die kirchlichen Hilfswerke in der Schweiz veranstalten gemeinsam die «Fastenaktion», und die Evangelischen Kirchen in Deutschland stellen das Fasten in Zentrum ihrer Passionszeitkampagne. Damit hat die Fastenzeit ihre motivische Vielfalt auch im reformierten Raum wieder erhalten.

Fasten

Alle Religionen kennen Fastenzeiten, am bekanntesten ist der Fastenmonat Ramadan im Islam. In der Alten Kirche wurden die Taufbewerber in der Fastenzeit auf einen beschwerlichen Bussweg geführt, damit sie frei würden von allen heidnischen Bindungen; dabei stand das Fasten als Verzicht auf bestimmte Nahrung im Vordergrund. Dieser Bussweg hatte seinen Höhepunkt in der Feier der Osternacht, in der dann die Bewerber getauft wurden. Die Reformatoren (Luther, Zwingli) wendeten sich gegen das Fasten, bzw. die mittelalterliche Fastenpraxis. Legendär ist das Zürcher Wurstessen von 1522: Beim Buchdrucker Froschauer gab’s am ersten Sonntag der Fastenzeit Wurst. Zwingli war dabei, will aber nichts gegessen haben. Ein Skandal war das Essen dennoch, und für Zwingli die Möglichkeit, seine Argumente gegen das Fasten zu verschriftlichen. «Vom Erkiesen und Fryheit der Spysen» war das Resultat. Während Luther im Fasten die Gefahr der «Selbstgerechtigkeit» sah, die Tendenz also, dass Menschen mit Fasten Gott gefallen möchten, hielt es Zwingli einfach für ein unbegründetes Gebot: «Kein Christ ist zu den Werken, die Gott nicht geboten hat, verpflichtet. Er darf also zu jeder Zeit jegliche Speise essen.» (67 Schlussreden, 1523). Heute erlebt das Fasten auch unter Reformierten eine kleine Renaissance. Die Evangelische Kirche in Deutschland ruft mit ihrer Aktion «Sieben Wochen ohne» seit inzwischen mehr als zehn Jahren sehr erfolgreich zu einem selbstgewählten Verzicht in der Passionszeit auf. «Fasten» wird hier durchaus grosszügig interpretiert, bis hin zum Medienverzicht. So verliert Fasten seinen reglementierenden Charakter, eröffnet vielmehr Horizonte und zeigt Abhängigkeit auf.

Palmsonntag

Der Palmsonntag ist der Sonntag vor Ostern, der letzte der Passionszeit. Er ist der Beginn der Karwoche, aber auch schon ein Vorblick auf Ostern. Am Palmsonntag wird der Einzug Jesu in Jerusalem gefeiert. Der Einzug zeigt Jesus als König, wie ihn der Prophet Sacharija (9,9) verheissen hat: Jesus reitet auf einem Esel. – Darin zeigt sich am Palmsonntag ein wichtiges Motiv der Figur Jesu: Jesus ist kein triumphaler Sohn Gottes, er zieht nicht wie Herrscher in Jerusalem ein, im Gegenteil: Er ist König trotz – oder gerade wegen seinem Verzicht auf alle blendende Grösse. Zum Zeichen des Sieges dieses eselreitenden Königs nun hält ihm das Volk bei seinem Einzug in Jerusalem Palmzweige entgegen und jubelt (Johannesevangelium 12, 13 – 15). Palmen wurden schon im Altertum als heilige Bäume verehrt, im Orient ehrte man siegreiche Soldaten damit. In der katholischen Kirche werden mit Palmkätzchenzweigen Prozessionen zur Kirche veranstaltet. Da in Mittel- und Nordeuropa keine Palmen wachsen, ersetzte man sie durch Palmkätzchen – je nach Region können es auch Ahorn-, Buchen-, Birken-, Weide-, Haselnuss-, Stachelbeer- oder Wacholderbeerzweige sein. Diese werden am Palmsonntag geweiht, sie sollen Unheil abwehrende («apotropäische») Wirkung haben; deshalb werden sie in katholischen Gebieten an das Stubenkreuz, über die Türschwelle und in die grünende Saat gesteckt.

Gründonnerstag

Der Gründonnerstag ist der Donnerstag in der Karwoche. Am Abend vor dem Todestag Jesu (dem Karfreitag) erinnert sich die Christenheit an das sogenannte Abendmahl. Dieses Abendmahl, das Abschiedsessen Jesu mit seinen engsten Vertrauten, ist der Ursprung der Abendsmahlfeier (katholisch: Eucharistiefeier). Die Christen aller Welt feiern am Gründonnerstagabend die Einsetzung dieses Ritus. Erinnert wird im traditionellen Gründonnerstagsgottesdienst aber auch an die Geschichte der Fusswaschung: Jesus wäscht seinen Jüngern die Füsse und macht so seine Dienstbarkeit deutlich. – Füsse zu waschen war Sklavenarbeit. Weitere traditionelle Motive des Gründonnerstags sind die Erinnerung an das einsame Gebet Jesu auf dem Ölberg, an seine Verhaftung, Vernehmung und Geisselung.

Karfreitag

Dieser Tag ist der Überlieferung nach der Todestag von Jesus und heute der höchste kirchliche Feiertag. Karfreitag und Karsamstag beschliessen die Karwoche und liegen unmittelbar vor Ostern. Der Karfreitag wird seit dem 2. Jahrhundert als Trauertag begangen. An ihm fanden der Prozess, die Hinrichtung und die Beerdig ung Jesu am Karfreitag statt. Nach dem jüdischen Kalender ist Jesus am 15. Nisan mittags um die neunte Stunde am Kreuz auf dem Kalvarienberg gestorben. Dem gregorianischen Kalender zufolge könnte dies der 7. April des Jahres 30 oder der 3. April des Jahres 33 nachmittags um drei Uhr gewesen sein.
Der Karfreitag galt früher für die evangelischen Christen als strenger Busstag und ist heute höchster kirchlicher Feiertag. Vor allem im lutherischen Protestantismus hat die Erlösung von den Sünden durch den Kreuzestod zentrale Bedeutung für den Glauben. In katholischen Kirchen findet an diesem wie auch am folgenden Tag keine Messe statt, es wird nur ein einfacher Wortgottesdienst gehalten.
In der evangelischen Kirche werden in der Karwoche traditionell tägliche Andachten – «Passionsandachten» – abgehalten. Die Kreuzwegandacht wird – v.a. in katholischen Kirchen – während der ganzen 40-tägigen Passionszeit abgehalten, besonders feierlich jedoch am Karfreitag. In Jerusalem feierte man schon im 3. Jahrhundert die ganze Heilige Woche, indem man den Weg Jesu nachging. Vorläufer der heutigen Kreuzwegandachten sind seit dem 15. Jahrhundert bekannt, prägend war stets der Franziskanerorden. Noch heute haben die Franziskaner das Privileg der Errichtung von Kreuzwegen in der katholischen Kirche.

Ostern

Ostern ist das Fest der Auferstehung Jesu. Ostersonntag wird am 1. Sonntag nach dem 1. Vollmond nach Frühlingsanfang gefeiert. Nach dem im Westen gültigen gregorianischen Kalender findet es frühestens am 22. März, spätestens am 25. April statt. Die Wurzeln von Ostern liegen im jüdischen Passah-(Pessach)-Fest. Man hört das noch in den romanischen Namen von Ostern, französisch „pâques“ zum Beispiel. Sein Inhalt jedoch ist spezifisch christlich: Ostern ist die Erinnerung an die Auferstehung Jesu von den Toten (vgl. Markus-Evangelium 16,6). Die Osterzeit beginnt mit dem Ostermorgen und endet 50 Tage später mit Pfingsten. Bis zum 3. Jahrhundert feierte man Ostern als einen Festtag, im 3. Jahrhundert wurde dann die Woche vorher, die Karwoche, als Vorbereitungszeit zur Fastenzeit; im 4. Jahrhundert wurden die «drei heiligen Tage» von Gründonnerstag Abend bis Ostersonntag Morgen als Höhepunkt des Kirchenjahres eingeführt.
Das 1. Konzil von Nicäa legte fest, dass der Ostersonntag am 1. Sonntag nach dem 1. Vollmond nach Frühlingsanfang gefeiert wird. Daraus ergibt sich, dass der Ostersonntag nach dem im Westen gültigen gregorianischen Kalender frühestens am 22. März, spätestmöglich am 25. April stattfindet.
Traditionell wird in orthodoxen und katholischen Kirchen, zunehmend auch in reformierten, die Osternacht gefeiert. In dieser Nacht vor Ostern passiert die Wende von der Trauer zur Freude. In der Osternachtsfeier wird deshalb die Osterkerze entzündet, die die ganze Freudenzeit hindurch (d.h. bis Pfingsten) am Brennen bleibt. Im 12. Jahrhundert wurden erstmals nachweislich Eier geweiht. Eier gelten seit jeher als Fruchtbarkeitssymbol; im Mittelalter waren sie als Zahlungsmittel bedeutend. Evangelische Familien entwickelten im 17. Jahrhundert den Osterhasen als Eierlieferanten. Er sollte die Eier bemalen, verstecken und legen. Damit wollten die Protestanten sich von den Katholiken distanzieren, deren Fastenbräuche und Eierweihe sie ablehnten.

Auffahrt, Christi Himmelfahrt

Die Kirchen feiern Christi Himmelfahrt, d.h. die Auffahrt des auferstandenen Jesus in den Himmel. Der Feiertag findet am 40. Tag nach dem Ostersonntag statt. Die Begebenheit, die dem christlichen Fest zugrundeliegt, schildert der Evangelist Lukas im Neuen Testament (Lukas, Kapitel 24, Verse 50 – 53) so: «Er führte sie aber hinaus bis nach Betanien und hob die Hände auf und segnete sie. Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel. Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.» (zitiert nach der Luther-Übersetzung 1984). Das Markus-Evangelium weiss weiter: «Nachdem der Herr Jesus mit ihnen geredet hatte, wurde er aufgehoben gen Himmel und setzte sich zur Rechten Gottes.» (Markus 16,19)
Der Platz rechts vom Hausherrn gebührte seit der Antike dem Thronfolger oder dem Ehrengast. Ursprünglich feierten die Christen das Fest zusammen mit Pfingsten. Erst im 4. Jahrhundert bekam es einen eigenen Feiertag: den 40. Tag nach dem Ostersonntag. Deshalb fällt das Fest immer auf einen Donnerstag.

Pfingsten

Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes, der auf die Apostel herabkam. Das Pfingstfest findet 50 Tage nach dem Ostersonntag statt, der eigentliche Festtag ist also der Pfingstmontag. Diese Zeitspanne wurde aus der Tradition der Juden übernommen, das Fest war dort zunächst das Fest der Darbringung der Erstlingsfrüchte im Tempel (2. Mose 23, 16); später als «Wochenfest» bezeichnet (2. Mose 34, 22) und – wohl erst in nachalttestamentlicher Zeit – 50 Tage nach dem Passah-Fest angeordnet (daher der Name: griechisch «Pentekoste», der «50. Tag»).
Pfingsten in der Kirche ist das Fest des Heiligen Geistes, der auf die Apostel herabkam, als diese in Jerusalem versammelt waren (Apostelgeschichte 2). Die Sprachverwirrung, die beim Turmbau zu Babel erfolgte (1. Mose 11, 1 – 9), wurde nun durch die eine Sprache des Geistes überwunden, Verständigung wurde neu möglich unter Menschen und zwischen Mensch und Gott (Apostelgeschichte 2, 6). Zugleich brachte der Geist allerdings die Menschen derart in Verzückung, dass sie in Zungen redeten («Glossolalie»). Aussenstehende mochten dieses Phänomen allerdings nicht religiös deuten und meinten: «Die Leute sind doch betrunken». (Apostelgeschichte 2,13). Petrus wiederum kontert in seiner berühmten Pfingstrede diese Einwürfe und fordert die Menge auf: «Kehrt jetzt um und macht einen neuen Anfang! Lass euch alle auf den Namen Jesu Christi taufen. Dann wird Gott euch eure Schuld vergeben und euch seinen heiligen Geist schenken» (2,38) Dieser Zusammenhang gilt noch heute: Am Pfingstgeist bekommt der Einzelne in der Taufe Anteil. Pfingsten bildet im Kirchenjahr den Abschluss des Osterfestkreises. Im 6. Jahrhundert wurde eine Taube zum Symbol des Heiligen Geistes und damit auch für Pfingsten. Im Mittelalter wurde der Heilige Geist auch in menschlicher Gestalt dargestellt, Papst Urban VIII. untersagte im 17. Jahrhundert solche Darstellungen.

Trinitatisfestkreis

Trinitatis

Der Sonntag nach dem Pfingstfest ist dem Dreieinigen Gott (Trinität) gewidmet. Je nach Ostertermin gibt es mindestens 22 bis höchstens 27 Sonntage nach Trinitatis. Nach mühevollen Auseinandersetzungen konnte auf den Konzilen von Nicäa (325) und Konstantinopel (381) festgelegt werden, dass es einen Gott gibt und dass in ihm doch drei Wesenheiten sind: Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist. Wie der Vater können auch Christus und der Heilige Geist im Gebet angerufen werden. Dieses Glaubensgeheimnis der Dreieinigkeit Gottes wird seit dem 14. Jahrhundert in der ganzen Kirche gottesdienstlich gefeiert. Trinitatis ist der dogmatische Abschluss hinter Weihnachten, Ostern und Pfingsten, die als Werke des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes verstanden werden.

Eidgenössischer Dank-, Buss- und Bettag

Der Bettag erinnert an die gemeinsame christliche Tradition von Katholiken und Reformierten und ist ein ökumenischer Festtag. Er findet jeweils am 3. Sonntag im September statt. Dankgottesdienste und Bussfeiern wurden zu allen Zeiten begangen. Dazu wurde das Volk Israel schon im Alten Testament aufgerufen. Und in manchen jüdischen Festen ist bis heute etwas von dieser Verbindung von Dank, Freude und Umkehr zu spüren.

Dank- und Bussfeiern haben auch im Christentum ihren Ort gefunden und sind in der Schweizer Geschichte immer wieder ein Thema, besonders in Zeiten der Not. Im Spätmittelalter tauchen sie als Gegenstand eidgenössischer Tagsatzungen auf. Die Geschichte der institutionalisierten Dank- und Bussfeier, des «Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettags», ist eng mit jener des werdenden Bundesstaates Schweiz verbunden. Zum ersten gesamtschweizerischen Dank-, Buss- und Bettag kam es am 8. September 1796. Und seit 1832 steht auch das Datum fest: jeweils der dritte Sonntag im September. Sein eigentliches, heutiges Gewicht erhielt der Tag also im Umfeld der Gründung des Bundesstaates von 1848.

Der Bundesstaat von 1848 war keine Selbstverständlichkeit, sondern musste errungen werden. Noch standen das junge Staatsgebilde und der Religionsfriede (zwischen Katholischen und Reformierten) auf wackligen Beinen. So war es klug, mit einem gemeinsamen Dank-, Buss- und Bettag auf die Verwurzelung in der christlichen Tradition hinzuweisen und durch die gemeinsame Besinnung dem noch fragilen Staatsgebilde ein festigendes Element zu geben. Damit wurde das Verbindende betont und der Respekt vor dem politisch und religiös Andersdenkenden gefördert.

Zunächst erliessen die Kantonsregierungen Bettagsaufrufe, sogenannte Bettagsmandate, die aus religiöser Sicht auf die aktuellen geistigen, sittlichen, aber auch politischen, wirtschaftlichen und sozialen Themen eingingen. Als Zürcher Staatsschreiber verfasste z.B. Gottfried Keller 1863-72 solche Mandate.
Die politischen Behörden haben sich aber aus der Verantwortung für Bettagsaufrufe weitgehend zurückgezogen und diese den Kirchen überlassen, im Kanton Zürich bereits 1872. Ausnahmen sind die Kantone Aargau, Luzern und Graubünden. Im Aargau haben sich Landeskirche und Regierung darauf verständigt, je alternierend den Bettagsaufruf zu erlassen. Im Kanton Graubünden wird das Bettagsmandat von der Regierung herausgegeben und am Sonntag vor dem Bettag von der Kanzel verlesen.

Heute wird der Bettag als ökumenischer Festtag begangen. Er ist der Tag der Solidarität, der Tag der Geschwisterlichkeit. Er zeigt, dass wir Menschen zusammengehören, dass wir als «Kinder Gottes» nicht nur untereinander, sondern mit der ganzen Schöpfung Gottes verbunden sind, dass wir füreinander und für die Schöpfung Verantwortung tragen.

Allerheiligen und Allerseelen

Die nacheinanderfolgend Tage am 1. und 2. November entsprechen vor allem katholischen Brauchtum. An beiden Tagen wird der Verstorbenen gedacht – mit verschiedenen Schwerpunkten. An Allerheiligen stehen – der Name sagt es – alle Heiligen (Märtyrer) im Mittelpunkt. An Allerheiligen werden auch die Gräber auf den Friedhöfen von den Angehörigen geschmückt, bei Katholiken wird das «Seelenlicht» entzündet, das auch noch am darauffolgenden Allerseelentag leuchtet. Damit leitet Allerheiligen allerdings bereits über zu Allerseelen. Denn an Allerseelen steht die Hilfe der Lebenden für die Verstorbenen im Zentrum. Der Totensonntag bzw. der Ewigkeitssonntag ist der protestantischen Gedenktag für Verstorbene. Am ersten Sonntag im November erinnern sich die Reformierten an die Ereignisse, die zur Trennung der sog. Protestantischen Kirchen von der römisch-katholischen Kirche führten.

Reformationssonntag

Der Reformationssonntag ist ein Gedenktag: Die Reformierten erinnern sich am ersten November-Sonntag an die Reformation, bzw. an die entsprechenden Ereignisse des frühen 16. Jahrhunderts. Die Besonderheiten des Reformationssonntags werden aber deutlich, wenn man sich diesen historischen Ursprung vergegenwärtigt. Zunächst: Die Festsetzung eines Reformationssonntags auf den ersten Sonntag im November geschah in Zürich 1843, gesamtschweizerisch 1896. Zum zweiten: Von Anfang an war der Reformationssonntag verbunden mit der von den Protestantisch-Kirchlichen Hilfsvereinen verwalteten Reformations-Kollekte für die Diaspora-Gemeinden in der Schweiz und im angrenzenden Ausland. Darin zeigt sich zweierlei. Zum einen stammt der Reformationssonntag aus der Zeit des aufkommenden Historismus, des wachsenden Bewusstseins über historische Differenzen und Verwandtschaften, der das «Gedenken» erst so recht in Mode brachte. Und zum anderen stammt er aus einer Zeit des (erneuerten) konfessionellen Zusammengehörigkeitsgefühls, erneuert nicht zuletzt durch die wachsende Zahl protestantischer Gemeinden in den katholischen Kantonen, in der sogenannten Diaspora. Eben zu deren Unterstützung entstanden in der ersten Jahrhunderthälfte an verschiedenen Orten die Protestantisch-Kirchlichen Hilfsvereine.

Totensonntag Ewigkeitssonntag

Der Totensonntag bzw. Ewigkeitssonntag ist der protestantische Gedenktag für Verstorbene. Er findet am letzten Sonntag im November vor dem 1. Advent statt und markiert das Ende des Kirchenjahrs. Die Reformatoren hatten mit Allerheiligen und Allerseelen Mühe: Mit der Heiligenverehrung im Speziellen, und mit dem Totenkult im allgemeinen. Daraus ergibt sich eigentlich schon, dass weder Allerheiligen noch Allerseelen Chancen hatten, in den reformierten Festtagskalender aufgenommen zu werden. Für lange Zeit galt in protestantischen Gebieten vielmehr die Devise aus Matthäus 8, 22: «Lass die Toten ihre Toten begraben…» Jedes Risiko des Totenkults wurde ausgeschaltet. Seit dem 19. Jahrhundert gibt es aber auch in protestantischen Gebieten stärkere gegenläufige Bewegungen. So entwickelte sich in Deutschland die Tradition des Totensonntags, der am letzten Sonntag im Kirchenjahr gefeiert, bevor mit dem 1. Advent das neue Kirchenjahr beginnt.
Das Datums ist nicht zufällig gewählt: Es bezeichnet zum einen das Ende, das Unwiederbringliche eines abgeschlossenen Zyklus. Indem auf dieses Ende aber der Advent, der von Gott gesetzte Neuanfang folgt, wird auch der Glaube veranschaulicht, dass der Tod nicht das letzte Wort ist.

Dieser Totensonntag gelangte – zumeist unter dem Namen «Ewigkeitssonntag» – im Laufe des 20. Jahrhunderts auch in die reformierte Schweiz. Häufig werden im Gottesdienst die Namen aller Gemeindeglieder verlesen, die im Verlaufe des (Kirchen-)Jahrs gestorben sind. Empfohlen ist zudem eine Fürbitte für die Verstorbenen. Im Anschluss an den Gottesdienst begibt sich die Gemeinde auf den Friedhof. – Im übrigen hält der Brauch, an Allerheiligen Lichter auf die Gräber zu stellen, auch in reformierten Friedhöfen Einzug.