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«Die religiöse Vermessung der Welt»

Figur der indischen Gottheit Ganesha von 1856 aus der Sammlung der Basler Mission.
(Bild: Museum der Kulturen Basel / Derek Li Wan Po) «Star» der Sammlung: Figur der indischen Gottheit Ganesha von 1856 aus der Sammlung der Basler Mission.

Was mit der Sammelleidenschaft eines Pfarrers im 19. Jahrhundert begann, mündete in eine Kollektion von über 12‘000 ethnografischen Gegenständen, welche die Basler Mission zusammentrug. Im Rahmen ihres 200-Jahre-Jubiläums schenkt sie die Sammlung dem Basler Museum der Kulturen.

Eine Figur der indischen Gottheit Ganesha, ein Buddha aus China – «Götzenbilder», aber auch Alltagsgegenstände brachten die Missionare von ihren Aufenthalten aus allen Erdteilen nach Basel. Mit der Zeit entstand eine beachtliche Sammlung mit über 12‘000 faszinierenden Stücken. Den Grundstock bildeten rund 650 Erinnerungsstücke aus Asien und Afrika, die der deutsche Pfarrer Christian Gottlob Barth 1860 der Basler Mission schenkte.

«Mobile Museen»

Die Basler Mission erkannte den Wert der Gegenstände früh und setzte sie für das «Fundraising» und die Ausbildung ihrer Missionare ein. In «Missionskoffern» hätten die Reiseprediger auf ihren Werbetouren durch die Schweiz und Deutschland das exotische Anschauungsmaterial aus den Missionsgebieten mit sich geführt, erzählt Peter Felber, Kommunikationsleiter von Mission 21.

Diese «mobilen Museen» hätten das Leben fremder Völker und die Arbeit der Missionare eindrücklich illustriert. Für die «Zöglinge», die im Missionshaus in Basel eine mehrjährige Ausbildung durchliefen, dienten die kulturhistorischen Objekte als Lehrmittel, damit sie sich ein möglichst getreues Bild über ihre zukünftigen Einsatzorte machen konnten.

Als die Sammlung für die Aufbewahrung und Pflege in den eigenen Räumen zu umfangreich geworden war, übergab die Basler Mission die Gegenstände 1981 als Dauerleihgabe dem damaligen Museum für Völkerkunde.

Jetzt hat sie die Leihgabe in eine Schenkung an das Museum der Kulturen überführt. «Die Objekte sind im Museum der Kulturen am besten aufgehoben», sagte dazu Karl F. Appl, Vorstandspräsident der Basler Mission: «Dort wissen wir sie in Händen von Fachleuten, die die Sammlung optimal betreuen und sie der Öffentlichkeit zugänglich machen.» Durch die Schenkung gewinne das Museum der Kulturen «ein hervorragendes Konvolut» für seine Sammlung, freut sich die Basler Regierung.

Ganesha-Figur als «Star»

Das Museum der Kulturen revanchiert sich mit der Sonderausstellung «Mission possible?» zum Anlass des 200-Jahre-Jubiläums der Basler Mission. «Die ethnografische Sammeltätigkeit der Missionare glich einer religiösen Vermessung der Welt», so die Ausstellungsmacher.

Man habe exemplarisch Objekte aus den Missionsgebieten Ghana, Indien, China, Kamerun und Indonesien herausgegriffen, um die unterschiedlichen Herausforderungen, Herangehensweisen, Erfolge und Misserfolge der Missionstätigkeit zu zeigen. «Star» der Sammlung sei die 53 Zentimeter hohe indische Ganesha-Figur von 1856, welche als Leihgabe bereits in der halben Welt herumgereist sei.

 

Ausstellung «Mission possible?», 22. Mai bis 4. Oktober, Vernissage: 21. Mai, 18.30 Uhr, Führung: 24. Mai, 11–12 Uhr, Museum der Kulturen, Münsterplatz 20, Basel, www.mkb.ch

 

Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch».

 

Karin Müller/kirchenbote-online.ch

 

 

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