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Ein kultureller Reformationsmarathon steht an

(Bild: Delf Bucher) Freuen sich auf das vielfältige Programm des Reformationsjubiläums: Kurator Martin Heller, Kuratorin Barbara Weber, Kirchenratspräsident Michel Müller, Regierungsrätin Jacqueline Fehr und Stadtpräsidentin Corine Mauch.

Reformationsjubiläum – Was wird daraus? Auf diese Frage antworteten am Donnerstag die Kuratoren Barbara Weber und Martin Heller bei der mit viel Politprominenz besetzten Medienorientierung des Vereins «500 Jahre Zürcher Reformation».

Die «kantonale Kirchenministerin», wie sich Regierungsrätin Jacqueline Fehr selbst bezeichnete, schwärmte von der Reformation: «Was für ein Epochenwechsel!» Selbst das sonst eher im konservativen Polit-Vokabular verankerte Wort «Leitkultur» flocht die Regierungsrätin in ihrer euphorischen Reformations-Eloge ein. Mit acht Millionen Franken ist der Kanton der grösste Zahler des Zwölf-Millionen-Budget des Vereins «500 Jahre Zürcher Reformation». Mit dem davon finanzierten Jubiläumsprojekten soll in den Jahren 2017 und 2018 der reformatorischen Umbruch vor 500 Jahren ins Bewusstsein gebracht und auch das negativ besetzte Attribut«zwinglianisch» mit neuem Inhalt gefüllt werden.

Zwingli ohne Schwert

Corine Mauch wiederum strich als Stadtpräsidentin die reformatorischen Leistungen im Armenwesen heraus. Sie erinnerte an ein Bild von Pfarrer Ernst Sieber, der das düstere Zwingli-Denkmal an der Wasserkirche in einem Gemälde ummontierte: Statt dem mit Schwert bewehrten Zwingli gab er dem Reformator eine Schaufel in die Hand. Mit 2,5 Millionen Franken beteiligt sich die Stadt Zürich bei der vielgestaltigen Palette von Events. Und Kirchenratspräsident Michel Müller, der den Trägerverein präsidierte, betonte als Ziel der weit gespannten Programm-Parade: «Im Spiegel des Reformationsjubiläums kann sich unsere Gesellschaft über Werte verständigen, die seit Reformationszeit prägend sind.»

Erst musste die reformierte Landeskirche sich von der Idee verabschieden, das Jubiläum alleine zu stemmen. Müller betonte nochmals, wie wichtig dieser Schritt gewesen sei. So sei das Gedenken aus der Nische eines binnenkirchlichen Erinnerns heraus gekommen, um mit Partnern wie dem Kanton und der Stadt Zürich, aber auch dem Zürich Tourismus eine viel grössere Durchschlagskraft zu erreichen.

Nachhaltige Projekte

Was aber passiert nun konkret mit dem Zwölf-Millionen-Budget? Die beiden Kuratoren Barbara Weber und Martin Heller sind überzeugt, die anfangs formulierten Ziele – gesellschaftlich übergreifend und nachhaltige Projekte zu fördern – mit ihrer Programmation einzulösen. Und Heller betont: «Das Aufeinandertreffen von Kulturschaffenden und Kirchenleuten hat eine produktive Reibung erzeugt.»

Bevor aber das Marathon-Festival aufgegleist war, herrschte Betriebsamkeit. Die beiden Kuratoren ermunterten Kulturschaffende, Projekte einzureichen, sichteten die bereits unter kirchlicher Leitung eingereichten Projekte und entwickelten eine Kommunikationsstrategie. Aus der Vielzahl von Programmpunkten, die noch im Laufe der kommenden Monate erweitert werden soll, präsentierten die Kuratoren exemplarisch einige Projekte, welche die unterschiedlichen Zugänge zu dem Thema Reformation aufzeigen sollen.

Da gibt es im Februar 2018 im Landesmuseum die Ausstellung «Gott und die Bilder» zu sehen. Bilderverbot und zeitgenössische Bilder der Reformationszeit sollen visuell zu den Urthemen führen, die Zwingli. Bullinger & Co umgetrieben haben.

Auch die Jugend soll sich angesprochen fühlen

Die Zürcher Reformation mit ihrer Abschaffung der Klöster, mit der weitgehenden Desakralisierung kirchlicher Räume machte sich auch im Stadtbild bemerkbar. Die Ausstellung «Verschwundene Orte der Reformation» wird dies im Haus zum Rech vor Augen führen.

Barbara Weber wies auf Projekte hin, die exemplarisch auch ein Ziel der ganzen Jubiläumsschau veranschaulichen: Nicht nur das bildungsbürgerliche, historisch oder religiös interessierte Publikum soll angesprochen werden. Auch die Jugend soll sich  mit dem reformatorischen Erbe auseinandersetzen. Da gibt es zum Beispiel drei Jugend-Schreibprojekte unter dem Titel «Reformation (re)visited». Und mit der Produktion des Theater Neumarkt «Urban Prayers Zürich» wird auch dem multireligiösen Zürich Referenz erwiesen. «Zwingli.Wars», ein theatralisches Musical, konfrontiert Zwingli mit seinem einstigen Weggefährten Felix Manz, der als Täuferführer den Tod in den Fluten der Limmat fand.

Geheime Premiere: «Akte Zwingli»

Die «Akte Zwingli», geschrieben von Grossmünsterpfarrer Christoph Sigrist, nimmt Anna Zwingli als Figur, um auf das Leben des Reformators und seine Schattenseiten zurückzublicken. Das von Regisseur Volker Hesse eingerichtete Stück – Premiere im Grossmünster am 16. Juni – ist auch so etwas wie der geheime Take-Off zum Jubiläum, auch wenn Heller betont: « Eine richtige Premiere gibt es nicht.» Schliesslich sei bereits im Januar unter der Beteiligung des Bundesrats Johann Schneider-Amman im Hauptbahnhof der Reformationstruck vorgefahren.

Die Werbeplattform des weit gefächerten Programms wird vor allem im Netz sein. Denn ein Festival, das die Agenda der Zwinglistadt über eineinhalb Jahre mit einem Veranstaltungsreigen überzieht, mache konventionelle Formen wie Programmhefte zur reinen Papierverschwendung, wie Heller betont. Auf der anderen Seite hoffen Weber und Heller dank der unterschiedlichen Zugänge auf eine Vernetzungseffekt, so dass an verschiedenen Veranstaltungsorten Flyer ausliegen und Plakate hängen.

 

Mehr Informationen zum Zürcher Reformationsjubiläum gibt es auf der Website des Vereins «500 Jahre Zürcher Reformation».

 

Delf Bucher / reformiert.info
Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch».

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