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Weltverfolgungsindex: Christen in Asien stark unter Druck

Eine zerstörte Kirche in Zentralindien.
(Bild: Open Doors) Eine zerstörte Kirche in Zentralindien.

Das Netzwerk «Open Doors» hat seinen Weltverfolgungsindex veröffentlicht. Insbesondere in Asien hat sich die Situation der Christen stark verschlechtert. Zurückgegangen ist jedoch die gezielte Tötung von Christen weltweit.

In Nordkorea werden am meisten Christen verfolgt. Das Regime von Pjöngjang, das Religion gegenüber überaus feindlich gesinnt ist, scheue weiterhin keine Mühen, um das Christentum auszulöschen. Dies teilte das Netzwerk «Open Doors» in seinem jährlich publizierten «Weltverfolgungsindex» mit. Vom siebten auf den zweiten Platz steigt Somalia. Die hohe soziale Kontrolle aufgrund der Stammesstruktur und der autoritäre Charakter der somalischen Gesellschaft bedeuten den beinahe unmittelbaren Tod für jeden Somali, der sich vom Islam abwendet, um den christlichen Glauben anzunehmen.

Sechs Länder, in denen sich die Situation am meisten verschlechtert hat, liegen in Asien. Neben Indien gehören dazu auch Bangladesch, Laos, Bhutan und Vietnam, wobei die Triebkraft für die Zunahme der Christenverfolgung in diesen Ländern jeweils der religiöse Nationalismus war.

 

Neu in den Top 10: Jemen

Auch wenn in Syrien und im Irak weniger gezielte Angriffe auf Christen registriert wurden – insbesondere in den Gebieten, die unter der Kontrolle des Islamischen Staats sind -, sind Christen nach wie vor jeden Tag sehr grossem Druck ausgesetzt. Das einzige Land, das neu unter den ersten zehn erscheint, ist der Jemen, der damit Libyen vom zehnten Platz verdrängt. Der Jemen ist das Land, in dem sich die Situation für Christen am deutlichsten verschlechtert hat. Christen befinden sich im Kreuzfeuer des Konflikts zwischen Schiiten und Sunniten, zwischen den militärisch von Teheran unterstützten Huthi-Rebellen und den regierungstreuen Streitkräften, die von Saudi-Arabien unterstützt werden. Auf beiden Seiten ist eine hohe islamistische Gewaltbereitschaft vorhanden und Christen sind ein leichtes Ziel.

 

1207 Christen getötet

Obwohl das Jahr 2016 von unzähligen Anschlägen geprägt war, waren nur sehr wenige davon gezielt gegen die christliche Gemeinschaft an sich gerichtet. Von «Open Doors» wurden 1207 Christen registriert, die aufgrund ihres Glaubens getötet wurden, im Vergleich zu über 7100 im Jahr zuvor. Dies hat gemäss Patrick Schäfer, Büroleiter Open Doors Deutschschweiz, damit zu tun, dass insbesondere in Nigeria, in dem die meisten Christen aufgrund ihres Glaubens getötet wurden, die Terrororganisation Boko Haram in ihren Aktivitäten zunehmend eingeschränkt ist und nicht mehr so viele Aktivitäten gegen Christen durchführen konnte wie 2015. Auch der so genannte Islamische Staat sei 2016 durch die Offensive im Nordirak unter Druck geraten und hätte sich mehr um das Überleben seiner Existenz kümmern müssen, anstatt gezielt Christen zu töten. Weltweit wurden 1329 Kirchen zerstört und beschädigt. Im Jahr zuvor waren es noch 2400. Diese Statistiken beziehen sich lediglich auf gut dokumentierte Fälle. Folglich stehen auch dieses Jahr keine Zahlen für Nordkorea zur Verfügung.

 

Zwei Newcomer: Sri Lanka und Mauretanien

Zusammengefasst haben die 50 Länder mit der stärksten Christenverfolgung weltweit eine Gesamtbevölkerung von 4,83 Milliarden Menschen. Die Gesamtzahl der Christen wird auf 650 Millionen, also auf rund 13 Prozent der Bevölkerung geschätzt. Es wird davon ausgegangen, dass ein Drittel von ihnen, also rund 215 Millionen, starker Verfolgung ausgesetzt ist. Gemäss der Terminologie des Weltverfolgungsindex gilt Verfolgung als «stark», wenn die christliche Minderheit trotz gewisser Rechte und manchmal gar der Erlaubnis, sich in autorisierten Kirchen zu treffen, mit der Feindseligkeit von Seiten der Mehrheit der Bevölkerung konfrontiert ist. Dies kann sich in Form von konkreten Drohungen gegen die christlichen Leiter äussern, oder aber dadurch, dass ihnen gewisse Arbeitsstellen oder Möglichkeiten auf Bildung verwehrt bleiben.

Zwei Länder erscheinen 2017 neu auf dem Weltverfolgungsindex: Sri Lanka und Mauretanien. Während diese 2016 vorübergehend nicht mehr Teil des Weltverfolgungsindex waren, haben sie sich dieses Jahr erneut dafür klassifiziert. Aserbaidschan und Niger sind hingegen nicht mehr auf dem Index gelistet.

 


 

Der  Verfolgungsindex

Der Weltverfolgungsindex listet die 50 Länder auf, in denen Christen am stärksten verfolgt werden. Diese jährliche Rangliste bietet einen Gesamtüberblick über die Situation der Christen weltweit. Nach einer ersten Schnellanalyse, bei der ermittelt wird, ob sich ein Land für den Index qualifizieren könnte, werden interne und externe Experten von Open Doors damit beauftragt, Fragebögen auszufüllen. Diese werden anschliessend von einem Team von Forschern ausgewertet und aufbereitet und jährlich Anfang Januar veröffentlicht. Der Fragebogen untersucht, durch welche Art von Druck die Ausübung des christlichen Glaubens eingeschränkt wird. Der Druck wird in fünf unterschiedlichen Bereichen gemessen: Privatleben, Familienleben, soziales Leben, Zivilleben und kirchliches Leben. Eine sechste Kategorie untersucht die Gewalt gegen Personen und Besitz und Vermögen von Christen. Diese Art von Gewalt findet sich in allen Bereichen wieder, wird aber am Ende der Analyse getrennt betrachtet. Die Antworten auf diese sechs Kategorien von Fragen ergeben eine Gesamtpunktzahl, welche die Reihenfolge aller Länder auf dem Index bestimmt.

 

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Hinweis

Hier werden am meisten Christen verfolgt:

1. Nordkorea
2. Somalia
3. Afghanistan
4. Pakistan
5. Sudan
6. Syrien
7. Irak
8. Iran
9. Jemen
10. Eritrea

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