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Uni St. Gallen: Ein «GemeinwohlAtlas» ohne Kirchen

Die ersten vier Plätze des «GemeinwohlAtlas». Die Kirchen sucht man vergebens.
(Bild: Screenshot www.gemeinwohl.ch) Die ersten vier Plätze des «GemeinwohlAtlas». Die Kirchen sucht man vergebens.

Ein Institut der Universität St. Gallen hat ermittelt, welchen Beitrag zum Gemeinwohl Unternehmen und Organisationen in den Augen der Bevölkerung leisten. Erstaunlich: Die Kirchen sind nicht in die Studie aufgenommen worden.

Wie bewertet die Deutschschweizer Bevölkerung den Beitrag von Organisationen und Unternehmen zum Gemeinwohl? Das «Zentrum für Führung und Werte in der Gesellschaft der Universität St. Gallen» hat dazu eine repräsentative Umfrage bei rund 5000 Personen durchgeführt. Finanziert wurde die Umfrage durch drei Stiftungen.

Die Befragten bewerteten die Organisationen und Firmen in den vier Bereichen Aufgabenerfüllung, Lebensqualität, Zusammenhalt und Moral. Dabei verteilten die Personen Noten auf einer Skala von 1 (schwach) bis 6 (ausgeprägt). Der aus diesen Daten zustande gekommene «GemeinwohlAtlas» wurde dieses Jahr zum zweiten Mal erstellt.

Facebook ja, Kirchen nein

Erstaunlich ist, dass weder die reformierte noch die katholische Kirche vorkommen. Zwei Religionsgemeinschaften, die bekanntlich sehr viel fürs Gemeinwohl tun – und dies nicht erst seit heute. Aufgeführt sind aber die Hilfswerke Heks, Fastenopfer und Caritas, aber auch die AHV/IV, Spitex, das Schweizerische Rote Kreuz, der WWF, die Armee, die Rega oder World Vision. Und sogar das Gemeinwohl von Facebook und vom Bundesamt für Polizei schafften es in die Studie.

Warum bleiben die Kirchen ausgerechnet beim Gemeinwohl aussen vor? «Gegenüber 2014 wurde die Anzahl der Organisationen schon fast verdoppelt. Mehr war im Moment leider nicht möglich», sagt dazu Timo Meynhardt, Leiter der Studie am «Zentrum für Führung und Werte in der Gesellschaft der Universität St. Gallen». Der Schwerpunkt habe zunächst aufbedeutenden Unternehmen, grossen Genossenschaften und Vereinen/Verbänden in der Schweiz gelegen. «In den nächsten Jahren bauen wir weiter aus und überlegen, zum Beispiel Sportvereine, Parteien und selbstverständlich auch Religionsgemeinschaften aufzunehmen.» Wer neu aufgenommen werde, stehe aber noch nicht fest.

Schlusslicht «Blick»

Die Frage sei trotzdem erlaubt, wie aussagekräftig ein Atlas ist, wenn wesentliche Gemeinwohl-Spezialisten fehlen, dafür aber Google, Nestlé oder Microsoft dabei sind. Dazu Timo Meynhardt: «Unternehmen beeinflussen ebenfalls das Gemeinwohl – positiv wie negativ. Es ist gerade das Ziel der Studie, den Dialog zur gesellschaftlichen Akzeptanz möglichst unterschiedlicher Organisationen anzuregen.» Entscheidend sei, was in der Bevölkerung ankomme. In dieser Hinsicht betrete die Studie Neuland.

Übrigens: Bei der Liste mit 102 ausgewiesenen Unternehmen und Organisationen rangiert Heks auf Rang 21, Fastenopfer auf Rang 22, Caritas Schweiz auf Rang 12. Auf Platz eins ist die Spitex, gefolgt von Rega und Migros. Die Armee landet auf Rang 31, das Bundesamt für Polizei auf dem erstaunlichen zehnten Platz. World Vision (82) befindet sich zwischen Coca Cola und Walt Disney. Das Schlusslicht bilden bei den Schweizer Unternehmen «Blick» (Rang 98), UBS (96) und Syngenta (92).

 

Website: www.gemeinwohl.ch

 

Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch».


Matthias Böhni/ref.ch

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