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Konflikt um Seelsorge an Basler Kinderspital

Die Zukunft der Seelsorge am Universitäts-Kinderspital beider Basel ist ungewiss.
(Bild: Keystone / Branko de Lang) Die Zukunft der Seelsorge am Universitäts-Kinderspital beider Basel ist ungewiss.

Am Universitäts-Kinderspital beider Basel arbeiten seit einigen Monaten keine Seelsorgerinnen mehr. Grund dafür ist der Wunsch des Spitals nach einem neuen Seelsorge-Konzept. Wie dieses aussehen soll, ist aber unklar.

Seit Anfang Jahr gibt es am Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB) kein Seelsorgeangebot mehr. Das Spital hat den Vertrag mit den reformierten und römisch-katholischen Kirchen der beiden Kantone per Ende 2016 gekündigt. In einer Stellungnahme an der Synode der reformierten Kirche Basel-Landschaft von Anfang Juni bedauerte Kirchenrätin Cornelia Hof-Sippl, zuständig für das Ressort Diakonie und Spezialseelsorge, den Entscheid. Trotz guter Rückmeldungen von Kindern und Angehörigen wünsche das Spital in Zukunft keine aufsuchende Seelsorge, also unaufgeforderte Besuche am Krankenbett, mehr. Stattdessen solle das Angebot auf die Notfallseelsorge und die seelsorgerliche Begleitung auf Wunsch hin beschränkt werden.

Überraschende Kündigung

Der Entscheid des Spitals kommt überraschend. Seit 2004 besteht am UKBB ein Seelsorgeangebot. Noch im März 2015 erneuerte das Spital den bestehenden Vertrag mit den vier Kirchen, im Januar 2016 wurden die zuletzt am Spital tätigen Seelsorgerinnen im Rahmen eines Festgottesdienstes in der Kapelle des Universitätsspitals Basel in ihr Amt eingesetzt. Der modifizierte Vertrag sah neu vor, dass die Seelsorgenden nun auch an den Spitalleitungssitzungen des UKBB mit beratender Stimme teilnehmen sollten. Weshalb also die plötzliche Kehrtwende?

UKBB-Chef Marco Fischer macht geltend, dass sich die Bedürfnisse der Patienten gewandelt hätten. «Wir sind auf der Suche nach einem neuen Seelsorge-Konzept, durch das die begleitende und die Notfall-Seelsorge gewährleistet sind. Eine Seelsorge mit einem fixen Pensum im Spital kann dies nur ungenügend abdecken.» Auch im Kündigungsschreiben des UKBB wird hervorgehoben, dass die kurze Aufenthaltsdauer der Patienten, die straffen Therapiepläne und die Tatsache, dass immer mehr Patienten nicht mehr den Landeskirchen angehören, ein neues Seelsorge-Konzept erforderten. «Wir sind nach wie vor an einer Spitalseelsorge interessiert, aber wir wünschen eine flexiblere Lösung», sagt Fischer.

«Unerträgliche Situation»

Für Lena Albrecht, Kirchenrätin der Reformierten Kirche Basel-Stadt und dort unter anderem zuständig für die Spitalseelsorge, ist dies nur die halbe Wahrheit. «Die Situation der beiden Seelsorgerinnen am Spital war unerträglich», sagt sie. «Sie mussten sich immer wieder den Vorwurf anhören, im Weg zu stehen und den Betrieb zu behindern.» Für Albrecht ist klar: Am liebsten wäre dem Spital eine Lösung, bei der keine Seelsorgenden mehr im Haus wären. «Das wäre dann eine Art Seelsorge auf Abruf», sagt sie.

Für Marco Fischer sind solche Vorwürfe unbegründet. «Natürlich kann es vorkommen, dass man sich in einem Spitalbetrieb ins Gehege kommt. Aber dabei kann man niemandem böse Absicht unterstellen.»

Aufsuchende Seelsorge unerwünscht

Trotzdem: Dass die Kündigung so kurzfristig erfolgte, legt zumindest die Vermutung nahe, dass es dem UKBB nicht nur um eine Neuausrichtung der Seelsorge geht.

Das sieht auch Barbara Wyss, Kirchenrätin der Römisch-Katholischen Kirche des Kantons Basel-Stadt, so. «Die Spitalleitung hat den beiden Seelsorgerinnen sehr deutlich gemacht, dass speziell die aufsuchende Seelsorge unerwünscht war. Das hat zu einem regelrechten Krach geführt.» Wyss sagt aber auch: «Inzwischen verstehe ich auch die Sicht des Spitals. Das UKBB ist perfekt organisiert und hat sehr straffe Abläufe. Das ist es schwierig, eine Seelsorge zu integrieren.»

Die katholische Kirche Basel-Stadt hat die Verhandlungen mit dem UKBB dennoch abgebrochen. «Ich sehe nicht ein, warum wir unbedingt eine Seelsorge anbieten sollten, wo dies nicht erwünscht ist», sagt Wyss.

Suche nach einer neuen Lösung

Landeskirchliche Seelsorgeangebote bestehen inzwischen an den meisten Schweizer Spitälern. Pascal Mösli, Beauftragter Spezialseelsorge und Palliative Care bei den Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn, stellt fest, dass die Spitalseelsorge speziell in den letzten zehn Jahren in hohem Mass an Anerkennung gewonnen hat. «Dies hängt auch damit zusammen, dass das Thema Spiritual Care inzwischen überall im Gesundheitswesen etabliert ist. Die Spitalseelsorge wurde dadurch auch stark professionalisiert.»

Trotzdem könne es natürlich in Einzelfällen zu Konflikten kommen. «Aus Sicht der Kirchen ist ein guter Kontakt zu den Spitalleitungen matchentscheidend, denn wenn Leitungen Vorbehalte gegen Religion oder Kirche haben, kann dies schnell zu Problemen führen.»

Inwiefern solche Widerstände in der Spitalleitung zur Kündigung beim UKBB führte, ist unklar. Das Spital und die beiden reformierten Kirchen versichern jedenfalls, an einer Nachfolgelösung zu arbeiten. Gemäss der Baselbieter Kirchenrätin Cornelia Hof-Sippl ist man dabei auf gutem Weg. «Ende Juni durfte sich eine neue Seelsorgerin im UKBB vorstellen, und nach den Sommerferien werden wir alles Weitere besprechen.»

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