Zur Geschichte und Gegenwart…

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Kirche und Glockenturm Cordast

Im Unterschied zum seit der Berner Reformation mehrheitlich evangelisch-reformierten Unteren Seebezirk (Murtenbiet) liess sich im ausschliesslich von Katholiken bewohnten oberen Teil des Bezirkes erst 1825 die erste reformierte Familie nieder. Da dieses Hügelgebiet zwischen dem waadtländischen Avenches und dem bernischen Laupen nur spärlich besiedelt war und der Boden deshalb billig, folgten bald weitere Einwanderer, grösstenteils aus dem (für damalige Verhältnisse) überbevölkerten Kanton Bern. Grössere Ausmasse nahm der Zustrom von reformierten BernerInnen an, als die Bundesverfassung von 1848 das unbeschränkte, kantonsübergreifende und "konfessionsneutrale" Niederlassungsrecht gewährleistete.

Das dringenste Anliegen der zugewanderten Evangelischen war vorerst die Errichtung einer eigenen konfessionell geprägten Schule. Im Jahre 1855 konnte in Gurmels die freie Schule gegründet werden. Die Schulstube fand auch Verwendung als Gottesdienstraum. Die kleine Diasporagemeinde wurde von den reformierten Pfarrern der umliegenden Gemeinden Murten, Laupen, Neuenegg, Ferenbalm und Kerzers betreut. 1860 wurde im westlich von Cordast liegenden Courtepin eine zweite private Schule eröffnet. Diese Schulen wurden später vom Kanton anerkannt und als "Freie Öffentliche Schulen" dem kantonalen Schulgesetz unterstellt. Heute sind diese Schulen in das staatliche Schulwesen integriert. 

Der rasch wachsenden Diasporagemeinde genügte die Betreuung durch auswärtige Pfarrer bald nicht mehr und man fasste die Errichtung einer selbständigen Gemeinde und den Bau einer Kirche mit Pfarrwohnung ins Auge. Es war allerdings nicht einfach einen Platz zu finden, der sich gut eignete und allen zusagte. Nach lebhaften Diskussionen einigte man sich schliesslich auf das Dörfchen Cordast, das ziemlich genau in der Mitte zwischen den beiden Schulhäusern Gurmels und Courtepin lag. Die französische Baronin Laure de Chatoney, Landbesitzerin aus Paris, erklärte sich bereit, ihr Grundstück in Cordast zu verkaufen und für einen Kirchenbau zur Verfügung zu stellen. Mit Unterstützung der Murtner Reformierten und der protestantischen Hilfsvereine, vorab dem bernischen, gelangte die reformierte Bevölkerung des Oberen Seebezirkes mit einer Petition an den Kanton, eine selbständige "Pfarrei Cordast" einrichten zu dürfen. Der Grosse Rat bewilligte dies denn auch durch sein Dekret vom 04. März 1874.

Kirche vor 1954Im selben Jahr legte man den Grundstein des Gotteshauses und am 26. August 1875 feierte die junge Diasporagemeinde die Einweihung ihres, bis heute schlichten, aus einem "Betsaal" und einer Pfarrwohnung bestehenden Kirchengebäudes. Ein Jahr später, 1876, bewilligte der Staatsrat den Protestanten von Cordast das Anlegen eines Friedhofes neben der Kirche.

Anlässlich der 100-Jahr-Feier haben Katholiken und Protestanten gemeinsam alles unternommen, damit neben der Kirche ein freistehender, 19 Meter hoher Glockenturm gebaut werden konnte, der dem Kirchengelände bis heute sein eigenes Gepräge gibt. Knapp 25 Jahre später erhielt die Kirchgemeinde anstelle der alten Pfarrschüür auch ein eigenes Kirchgemeindehaus, das heute vielen Gruppen als Begegungsort dient.

Das Gesicht der ehemals kleinen Freiburger Diasporagemeinde hat sich in den letzten Jahren verändert. Durch Zuzüge, vorab auf Deutschschweizerseite, ist die reformierte Gemeinde stark am wachsen. Viele Familien mit Kindern lassen sich im Gebiet der Kirchgemeinde Cordast neider.
Dies hat den Kirchgemeinderat Cordast dazu veranlasst in Zukunft das Angebot für Kinder und Familien auszubauen. Dieses Jahr wird erstmals ein "Fiire mit de Chlyne" stattfinden, weitere Projekte im Bereich der Kinder- und Elternarbiet sind geplant. Neben dem kirchlichen Unterricht an den Schulen von Liebistorf, Gurmels, Cordast und Courtepin, Schulkreisgottesdiensten, Erlebnistagen für 1. und 7. Klässer, Wahlfachkursen etc. führt die Kirchgemeinde im nachschulischen Bereich ein sog. "Accos"-Programm. Nach der Konfirmation engagieren sich viele Jungendliche wieterhin in der Kirche, helfen bei Veranstaltungen mit, besuchen Kurse etc. Diese Angebot wird von der kantonalen Jugendanimation mit jährlichen Taizé- und Sommerlagern ergänzt.

Im Bereich der Erwachsenenbildung bestehen auf Deutschschweizerseite eine Reihe von Freiwilligengruppen, die sich regelmässig treffen (siehe Angebote). Jährlich im Frühling werden in ökumenischer Zusammenarbeit mit der Pfarrei Gurmels auch Kursabende zu ausgewählten kirchlichen und theologischen Themen angeboten.

Der Kirchgemeinde ist auch die Arbeit mit Menschen in der 2. Lebenshälfte ein wichtiges Anliegen. Eine Reihe von Angeboten richtet sich speziell an Gemeindeglieder nach der Pensionierung (siehe Angebote).

Von: Pfr. N. Wysser (September 2005)