Herzlich willkommen in der reformierten Kirchgemeinde Nidau!


Die Kirchgemeinde Nidau besteht aus fünf Pfarrkreisen und umfasst die vier politischen Gemeinden Bellmund, Ipsach, Nidau und Port. Vier deutschsprachige Pfarrämter, mehr als 30 Mitarbeitende und eine grosse Zahl von Freiwilligen gestalten das kirchliche Leben.

La paroisse de Nidau est bilingue, et la communauté romande a un poste pastoral qu'elle partage avec la paroisse française de Bienne. 

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Schenken – so einfach?

Editorial Mai 2018

«Geben ist seliger denn Nehmen», sagt Paulus und zitiert dabei Jesus. Paulus meinte, dass man sich den Le­bensunterhalt selbst hart erarbeiten solle, um sich mit dem Verdienst der «Schwachen» anzunehmen. Dazu gehört auch das Spenden. Beson­ders bei Naturkatastrophen kommt viel Geld zusammen für Opfer in Not.

Schenken und beschenkt werden. Wann haben Sie zum letzten Mal et­was geschenkt erhalten? Und was war es? Etwas Materielles, Blumen, eine Reise, ein Werkzeug oder ein Parfum? Möglicherweise etwas Geistiges: eine persönliche Karte, Worte der Wertschätzung, Zunei­gung oder war jemand gerade dann da, als wir es gebraucht haben?

Ich kenne Menschen, die schlicht gerne schenken, es macht sie froh. Und bei passender Gelegenheit sa­gen sie, dass sie nichts zurücker­warten. Ja, inwiefern erhalten denn kleine Geschenke die Freundschaft? Und: Wie selbstlos, wie solidarisch und wie berechnend schenken wir?

Im Lateinischen gibt es die Rede­wendung: «do ut des», ich gebe, da­mit du gibst. Die Formel kommt aus der Rechtssprache. Sie meint in der Antike auch, dass den Göttern etwas geopfert wird, um eine Gegengabe oder einen Gegendienst zu erhalten. Schenken und etwas erwarten lie­gen also nahe beieinander.

«I schänke dir mis Härz, meh hani nid, du chasch es ha, we de wosch» singt Kuno Lauener von Züri West. Wäre es nicht etwas befremdlich, wenn diese besungene Frau, «ä schöni mit schöne, länge Haar», ant­worten würde: Gerne nehme ich dein Herz, danke! Meins schenken möchte ich dir aber nicht.

Geben und nehmen. Schenken und beschenkt werden. Solidarisch und verbunden sein, aufeinander einge­hen, den Nächsten lieben wie sich selbst. Schenken kann auch eigen­nützig und berechnend sein, viel­leicht auch mit der Hoffnung, dass das, was ich zurückerhalte, grösser oder bedeutender sein wird als das, was ich geschenkt habe.

Mir gefällt das Verhalten dieses Je­sus’, der zum verhassten Steuerein­treiber Levi nach Hause geht und mit ihm speist. Mit einem Kollaborateur der Besatzungsmacht, der Römer. Je­sus schenkt Levi etwas von seiner Zeit und seiner Person, auch wenn das nicht gut ankommt und die Jün­ger die Köpfe schütteln. Dafür hat ihn Jesus als Anhänger gewonnen. Inwie­fern ist hier auch «do ut des» im Spiel?

Anders wirkt es, als Jesus Judas sei­ne Freundschaft schenkt. Judas folgt Jesus, wird sein Jünger. Judas er­hofft sich, dass Jesus ihm und den Zeloten helfen wird, Israel von den Römern zu befreien. Jesus will ein anderes Reich bauen. Judas ist ent­täuscht und macht gehörig Druck, um Jesus dafür zu gewinnen, mit dem Speer in der Hand für Gott zu kämpfen. Judas’ scheitert mit diesem Vorhaben und nimmt sich das Leben. Inwiefern stimmt hier die Formel, «ich gebe, damit du gibst»? Hier wur­de meines Erachtens das Geschenk der Freundschaft und der Liebe auf eine Weise erwidert, die Leiden ver­mehrt hat.

Schenken. Und beschenkt wer­den. Gutes mit Gutem und Böses mit derselben Währung. Diese Dynamik ist in mir. Sie gehört für mich zum Leben, zur Schöpfung.

Gleichwohl versuche ich Jesus zu folgen. Schenken, auch wenn ich nicht weiss, ob etwas zurückkommt. Ich habe dabei Enttäuschungen er­lebt. Und ich habe Gutes, Wohltuen­des und Ermutigendes erfahren.

Was bedeutet schenken für Sie? Und wem gegenüber möchten Sie das möglicherweise tun? Ich wün­sche Ihnen und mir dabei Gutes.

PETER GEISSBÜHLER, PFARRER

 

 

BILD: RYAN RUSH / UNSPLASH.COM