Auftrag der Kirchgemeinde Nidau

 

«Die Kirchgemeinde Nidau will eine Gemeinde sein, die offen ist für die biblische Botschaft und die sich aufmerksam mit den Problemen der Gesellschaft auseinandersetzt. Sie will in ihr für die Werte und die Botschaft der Bibel einstehen.» (aus dem Leitbild)

Die Kirchgemeinde Nidau besteht aus fünf Pfarrkreisen und umfasst die vier politischen Gemeinden Bellmund, Ipsach, Nidau und Port. Vier deutschsprachige Pfarrämter, mehr als 30 Mitarbeitende und eine grosse Zahl von Freiwilligen gestalten das kirchliche Leben.

La paroisse de Nidau est bilingue, et la communauté romande a un poste pastoral qu'elle partage avec la paroisse française de Bienne.  


Ein erstaunlicher Bestseller

Editorial November 2014 [Bi...

Im Mai 1519 wurde der grosse Reformator Martin Luther von Markus Schart, einem der Räte am Hofe Friedrichs des Weisen gebeten, eine Schrift zur Vorbereitung auf den Tod zu verfassen. Dieser «Sermon von der Bereitung zum Sterben» wurde gedruckt, wurde zum «Bestseller», und wurde auch ins Lateinische, Dänische und Niederländische übersetzt.

Wir erinnern uns: Nur gut 60 Jahre zuvor erfand Johannes Gutenberg die Mittel – Metall-Lettern und Drucker­presse – um Bücher verhältnismässig günstig drucken zu können (maschinelle Massenproduktion). Martin Luther hatte die Bibel in die deutsche Sprache übersetzt; und diese Bibeln unterstützten die Reformation.

Unser kleiner geistlicher Bestseller umfasst zwanzig Abschnitte auf 19 Seiten. Was, denken Sie, steht wohl an erster Stelle? Ich zitiere:
Zum ersten. Weil der Tod ein Abschied ist von dieser Welt und all ihrem Treiben, ist es nötig, dass der Mensch sein zeitliches Gut ordentlich verteile, wie es sein muss oder wie er es anzuordnen gedenkt, damit nicht bleibe nach seinem Tod Ursache für Zank, Hader oder sonst einen Irrtum unter seinen zurückgelassenen Freunden. Und dies ist ein leiblicher oder äusserlicher Abschied von dieser Welt, und es wird Lebewohl und Abschied gegeben dem Gut.
(Zum zweiten, dass man auch geistlich Abschied nehme …)

Hand aufs Herz: Haben Sie Ihr Testament verfasst? Und haben Sie festgelegt, was mit Ihnen passieren soll, wenn Sie allenfalls die Fähigkeit der Selbstbestimmung verlieren sollten? Wer ist bevollmächtigt für Sie zu bestimmen? Kennen Ihre Nachkommen oder Vertrauten Ihre Wünsche, was die Bestattungsart angeht? Oder wird das heikle Thema gemieden? Statt eines mutigen und verantwortungsbewussten Hinschauens stehen einsame Sorgen, meist in der Dunkelheit der Nacht?

Es ist nie zu früh …
… sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen. Meine Mutter hatte es als Befreiung erlebt. Anhand des pro senectute Leitfadens «Meine letzten Verfügungen» hatten wir an einem Nachmittag besprochen und festgehalten, was ihr wichtig war. Dies war auch für uns hilfreich und klärend. Zugleich entstand eine Möglichkeit, über wichtige letzte Fragen aller Art nachzudenken. Danach hat sie unbeschwert gelebt bis zu ihrem schweren Unfall an einem Novemberabend viele Jahre später. Wir Kinder kannten ihre Wünsche. Wir hatten das ausgefüllte Heft sofort zur Hand. Wir wussten, was zu tun war. Sie hatte vorgesorgt. Sie lebte noch vier Jahre im Heim, pflegebedürftig, nicht mehr im Stande, die Verantwortung für sich selber zu tragen.
Martin Luther betrachtet es also als Christenpflicht zu regeln, was nach unserem Sterben mit unseren Gütern geschehen soll. Er will Erbstreitigkeiten vermeiden. Erst in zweiter Linie geht es ums geistliche Abschiednehmen (zum Beispiel darum, offene Streitigkeiten beizulegen, um Verzeihung zu bitten, und um zu vergeben).

Vielleicht spricht Luther jetzt auch zu uns und vielleicht ist jetzt der Moment gekommen, mutig hinzuschauen, zu entscheiden, vorzusorgen?
Dabei, und beim Frieden stiften wünsche ich Ihnen viel Befriedigung!

EVA JOSS, PFARRERIN

Bildlegende: Christoph Kolumbus auf dem Sterbebett, 1893, Künstler unbekannt

[Bild: Wikimedia.org]