Herzlich willkommen in der reformierten Kirchgemeinde Nidau!


Die Kirchgemeinde Nidau besteht aus fünf Pfarrkreisen und umfasst die vier politischen Gemeinden Bellmund, Ipsach, Nidau und Port. Vier deutschsprachige Pfarrämter, mehr als 30 Mitarbeitende und eine grosse Zahl von Freiwilligen gestalten das kirchliche Leben.

La paroisse de Nidau est bilingue, et la communauté romande a un poste pastoral qu'elle partage avec la paroisse française de Bienne. 

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Vom Palast in den Knast

Venedig

Die Seufzerbrücke. Im April waren meine Frau und ich zum ersten Mal in Venedig. Unter anderem haben wir den Markusplatz, die Markuskirche und den Dogenpalast besucht. Und seine Kehrseite: Die Seufzerbrücke, italienisch Ponte dei Sospiri. Diese verbindet den Palast mit dem Gefäng­nis, über den einen etwa acht Meter breiten Kanal, den Rio di Palazzo. Im Palast wurden die Angeklagten vor Gericht gestellt und verurteilt. An­schliessend wurden sie über die Seufzerbrücke ins Gefängnis geführt.

Romantisiert. Die Seufzerbrücke er­hielt erst im Zeitalter der Romantik ihren Namen, in der Vorstellung, dass die Gefangenen auf ihrem Weg ins Gefängnis von hier aus zum letz­ten Mal mit einem Seufzen einen Blick in die Freiheit der Lagune wer­fen konnten.

Kanäle. Venedig ist geprägt durch Paläste mit schönen Fassaden, Hin­tergassen und Kanäle. Reichtum, Prunk und Gold sollen gesehen wer­den. Man kann dem nicht entrinnen. Die Kanäle spuren die Wege und Be­wegungsmöglichkeiten vor. Das habe ich als einengend erlebt. Die Wasserstrassen, die Gassen mit den Häuserschluchten, die Ströme von Touristen: Alles ist kanalisiert und nur über Brücken zugänglich.

Schein. Auf der Brücke, von der aus ich das Foto gemacht habe, ist ein Gewimmel, das das Foto ausblen­det. Touristen, aus aller Welt, viele ausgerüstet mit Selfies-Stangen schiessen Fotos – am liebsten von sich mit bekanntem Hintergrund. Massen bewegen sich vom Markus­platz dem Quai entlang. Rund 30 Millionen pro Jahr macht rund 80 000 am Tag. Auch sie bewegen sich eingeschränkt. Alle auf den gleichen Orten mit den gleichen Zie­len: Markusplatz, Markuskirche, Glockenturm, eben die Seufzerbrü­cke, Fahrt auf dem Kanal Grande. Beachtet wird Prunk und Gold.

Soviel Gold wie in der Markuskirche und im Dogenpalast sieht man sel­ten. Alle stürzen sich darauf. Perfekt organisierter Massentourismus, eine Geldmaschine.

Abseits. Doch ein Abseits gibt es auch. Weg vom Touristenrummel, an den Rändern der Stadt oder auch in kleinen grünen Innenhöfen öffnet sich das Ganze. Es gibt Meeresluft, Weite, Freiheit. Es war für mich spürbar, dass dies essentiell ist.

Der Weg Jesu. Auch Jesu Passion war der Weg vom Palast in den Knast bis zum Ende am Kreuz. Im Philipper­brief ist es so festgehalten (2,6–11): Er, der doch von göttlichem Wesen war, hielt nicht wie an einer Beute daran fest, Gott gleich zu sein, son­dern gab es preis und nahm auf sich das Dasein eines Sklaven, wurde den Menschen ähnlich, in seiner Erschei­nung wie ein Mensch. Er erniedrigte sich und wurde gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Deshalb hat Gott ihn auch über alles erhöht und ihm den Namen verliehen, der über allen Namen ist, damit im Na­men Jesu sich beuge jedes Knie, all derer, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und jede Zunge bekenne, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Va­ters.

Freiheit. Dieser Herr, Jesus Christus, schenkt uns seine Freiheit. Zu ihm gehöre ich gern. Ich fühle mich wohl, wenn nicht alles kanalisiert ist, wenn es Weite gibt und nicht nur Prunk und Gold; ich liebe Gärten und Orte, wo Vögel zwitschern.

Wir können die Seufzerbrücke auch gegenverkehrt beschreiten. Hin zur Freude, in Gottes Palast zu seinem Festmahl, hinein ins Reich Gottes kommen. Vertrauen Sie dem Auferstandenen.

Frühsommerliche Grüsse

PFARRER RENATO MAAG

 

BILD: R. MAAG