Auftrag der Kirchgemeinde Nidau

«Die Kirchgemeinde Nidau will eine Gemeinde sein, die offen ist für die biblische Botschaft und die sich aufmerksam mit den Problemen der Gesellschaft auseinandersetzt. Sie will in ihr für die Werte und die Botschaft der Bibel einstehen.» (aus dem Leitbild)

Die Kirchgemeinde Nidau besteht aus fünf Pfarrkreisen und umfasst die vier politischen Gemeinden Bellmund, Ipsach, Nidau und Port. Vier deutschsprachige Pfarrämter, mehr als 30 Mitarbeitende und eine grosse Zahl von Freiwilligen gestalten das kirchliche Leben.

La paroisse de Nidau est bilingue, et la communauté romande a un poste pastoral qu'elle partage avec la paroisse française de Bienne. 

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Fifty Shades of … Love?

Editorial Mai 2015

Waren Sie im Kino? Haben Sie vielleicht «50 Shades of Grey» gesehen oder haben Sie das Buch gelesen? Oder lediglich den Kopf über diesen hype geschüttelt?

Ein Buch, das in mehr als 70 Millionen Exemplaren weltweit verkauft worden ist, muss offenbar irgendetwas ganz Wichtiges beinhalten. Aber was? Auch wenn die Werbe-Industrie das Buch und das Thema tüchtig gepuscht haben – etwas muss damit sein, etwas, was Menschen ziemlich direkt anspricht, so dass ganz viele das unbedingt konsumieren wollen.

Liebe und Erotik in Kombination mit Abhängigkeit und Unterwerfung wirkt anscheinend magisch anziehend. Egal, wie klischeehaft und kitschig die Szenen auch daher kommen, sie berühren und erreichen etwas Zentrales in vielen Menschen.

Was wir ersehnen

Ich gehe davon aus, dass im Menschen ein riesengrosses Bedürfnis nach Vertrauenkönnen und Hingabe angelegt ist. Einen Menschen haben, der es gut meint mit mir (dem ich gestatten kann, dass er sich um meine Lust kümmert) und der mich dabei nicht ausnützt und hintergeht, der mich sogar so annimmt, wie ich bin und den es dauerhaft interessiert, wer ich sein könnte, wer ich bisher war und was ich niemals werden kann – so einem Menschen sich rückhaltlos hingeben, trifft eine gros--se Sehnsucht in vielen Frauen und Männern. Sie erfüllt sich, aber sie scheitert ebenso oft. Nehmen wir das sehr ernst.

Worum es eigentlich geht

Lieben können und geliebt werden gehört unabdingbar zur menschlichen Existenz. Wie unabdingbar – das sagt Paulus im 1. Korintherbrief: «Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle». Also salopp gesagt: ohne Liebe ist alles Übrige vergeblich.

Und was ist denn «Liebe»? Paulus beschreibt sie so: «Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.»

Das Fest der Geschöpfe

Da, wo sich für Momente in Beziehungen das ereignet, da kommt die Seele zur Ruhe, da fühlt sich das Leben sinnvoll an und voller Freude. Liebe und Lust machen Beziehungen zum Ort des Auftankens, des Genusses, der Sinnlichkeit. Die Kirche redet kaum über Lust und Sinnlichkeit, höchstens mal an Hochzeiten. Da kommt das Hohelied Salomos im Alten Testament stattdessen ganz direkt zur Sache: in blumigen Bildern malt der Verfasser die Freuden der erotischen Liebe in die Phantasie der Leser.

Liebe und Lust, Vertrauen und Respekt, Annahme und Treue – wie viele «Schattierungen» zwischenmenschlicher Begegnungen sind uns, den Ebenbildern Gottes, doch möglich! Feiern wir sie, nicht nur im Wonnemonat Mai, sondern so oft wie möglich. Denn darin antworten wir dem Gott, dem wir ähnlich sind von Anbeginn der Schöpfung an.

Pfarrerin Ursula Holtey

Bild: Lucy Wittmer