Auftrag der Kirchgemeinde Nidau

 

«Die Kirchgemeinde Nidau will eine Gemeinde sein, die offen ist für die biblische Botschaft und die sich aufmerksam mit den Problemen der Gesellschaft auseinandersetzt. Sie will in ihr für die Werte und die Botschaft der Bibel einstehen.» (aus dem Leitbild)

Die Kirchgemeinde Nidau besteht aus fünf Pfarrkreisen und umfasst die vier politischen Gemeinden Bellmund, Ipsach, Nidau und Port. Vier deutschsprachige Pfarrämter, mehr als 30 Mitarbeitende und eine grosse Zahl von Freiwilligen gestalten das kirchliche Leben.

La paroisse de Nidau est bilingue, et la communauté romande a un poste pastoral qu'elle partage avec la paroisse française de Bienne.  


Blickrichtung

Editorial Februar 2015

Haben Sie die ständigen schreckli­chen Nachrichten und Bilder auch satt? Katastrophen und Kriege in den Nachrichten, Gewalt und Zer­störung in Dokumentationen, Krimis und Serien. Elend und Verzweiflung dringen über das Auge ins Gehirn ein, graben sich in die Seele, ma­chen mutlos und ratlos.

Diese Bilder zeigen zweifellos die Realität. Leider. Oder doch nicht?

Nicht ganz. Es ist ein Teil der Re­alität, der heraus kristallisiert wird, der Blick auf die schlechten Nach­richten, auf das Unglück und was Mensch, Tier und Natur zugefügt wird.

Wie unter einer Lupe vergrössert liegt da ein Teil der Wirklichkeit so hervorgehoben, dass wir manchmal meinen, die Welt insgesamt ist ver­dorben, hässlich, kaputt und krank.

Durch solche Bilder, die den Me­dien satte Gewinne bescheren, weil Unglück sich nun mal besser ver­kauft als Glück, verzerrt sich unser Blick. Und das ist gefährlich. Wie ein Gift, das uns die Lebensfreude allmählich zersetzt, wirken die Bil­der, die das Übel der Welt abbilden.

Aber halt!

Das müssen wir uns nicht gefallen lassen. Wir sind nicht gezwungen, optisch schwerpunktmässig auf das Negative fixiert zu sein. Es liegt in unseren Möglichkeiten, auf die Su­che zu gehen nach dem, was unsere Seele beglückt und nährt, sie erfreut und ermutigt, was wir als schön und staunenswert empfinden.

Bilder vom Leiden müssen wir uns zumuten, denn sie gehören zur Wirklichkeit menschlichen Alltags.

Ebenso gibt es aber auch ein gan­zes Universum voller Schönheit und Kreativität, das uns häufig einfach aus dem Blick gerät. Eine einzelne Schneeflocke ist ein unvergleichli­ches Kunstwerk. Eine bestimmt ge­formte Wolke am rotleuchtenden Abendhimmel kann mein Entzücken wecken. Ein unscheinbares Schnec­kenhaus am Wegrand ist so perfekt schön geformt, dass ich nur staunen kann.

Blickwechsel

«Von allen Seiten umgibst du mich, oh Herr» heisst es im 139. Psalm. Gott als Kraft, die aus dem Nichts et­was Einmaliges schafft, umgibt uns immerzu in einer unglaublichen Vielfalt wunderbarer Zeichen von Schönheit. Aber hingucken muss man schon selber.

Und bewusst die Augen schliessen, wenn schon wieder ein schlim­mes Bild vor uns auftaucht.

«Das ist eine Augenweide» sagt der Volksmund und meint, dass wir uns an Schönheit, die doch überall und immerzu da ist, wie auf einer Weide sättigen können. Nur auf die Weide gehen müssen wir schon sel­ber und die Seelennahrung zu uns nehmen. Was sehen Sie Schönes, wenn Sie jetzt den Blick von diesem Text heben und um sich schauen?

URSULA HOLTEY, PFARRERIN

BILD: ZVG