Herzlich willkommen in der reformierten Kirchgemeinde Nidau!


Die Kirchgemeinde Nidau besteht aus fünf Pfarrkreisen und umfasst die vier politischen Gemeinden Bellmund, Ipsach, Nidau und Port. Vier deutschsprachige Pfarrämter, mehr als 30 Mitarbeitende und eine grosse Zahl von Freiwilligen gestalten das kirchliche Leben.

La paroisse de Nidau est bilingue, et la communauté romande a un poste pastoral qu'elle partage avec la paroisse française de Bienne. 

Wir freuen uns, wenn Sie mit uns Kontakt aufnehmen.

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Jésus résiste pour notre liberté

Multireligiös

Als ich zur Schule ging, war «man» reformiert oder katholisch. In der Schule wurden wir im Religionsun­terricht gemeinsam, also ökume­nisch unterrichtet.

Inzwischen hat sich unsere «Religi­onslandschaft» sehr verändert, ist vielfältiger und komplizierter ge­worden. Mit der Zuwanderung von Arbeitskräften und Flüchtlingen ka­men Angehörige vieler Religionen in die Schweiz. Immer mehr Men­schen unterschiedlichster Herkunft leben in unserem wohlhabenden, at­traktiven Land. Sie bringen ihre Bräuche mit, ihre Überzeugungen; auch ihre Religion. Diese ist für sie am fremden Ort geistige Heimat, bietet Gemeinschaft und unterstützt sie beim Wurzeln fassen im neuen Land.

Wie sollen wir mit dieser Situation umgehen? Können wir an der Religi­onsfreiheit (Teil der Menschenrech­te) festhalten? Wie soll das gehen, ohne dass wir riskieren zu verlieren, was uns wichtig ist?

Eine positive Erfahrung

Meine Schwester hat mir ein wunder­bares Zitat geschickt – eine Äusse­rung von Charles Aznavour. Er sagte:

«Ich bin ein katholischer Franzose mit armenischen Wurzeln, meine Frau ist protestantische Schwedin, ich habe einen algerischen Schwa­ger, der Muslim ist, und einen jüdi­schen Enkel. Wir verstehen uns, weil wir nicht über die Religion des andern diskutieren, sondern sie respektieren.»

Charles Aznavour ist Chansonni­er, Liedtexter, Komponist und Schau­spieler. Er wurde 1924 in Paris gebo­ren, als Sohn eines Künstlerpaares, das 1915 aus Armenien flüchtete, vor dem Völkermord – ein Flüchtlings­kind also. Er ist Franzose und Arme­nier, hiess ursprünglich Schahnur Waghinak Asnawurjan. Mit seinen 91 Jahren gibt er immer noch Kon­zerte (!) – im August in Beirut und Colmar, im September in Paris.

Seit 2009 ist er armenischer Bot­schafter in der Schweiz und bei den Vereinten Nationen in Genf.

Was heisst «respektieren»?

Ich schaue einmal meine Situation an: Ohne mein Zutun bin ich in der Schweiz geboren, in einem reichen, vom Krieg verschonten Land. Un­ser Zusammenleben und unsere Wirtschaft funktionieren. Werte wie Gerechtigkeit und Freiheit sind wichtig. Wir dürfen nicht nur mitre­den, sondern sind dazu aufgerufen, unser demokratisches Land mitzu­gestalten. Dazu will ich Sorge tra­gen.

Unsere christliche Tradition ist mir wichtig. Sie bedeutet mir geisti­ge Heimat. Ich bete zum Gott der Bi­bel, zu dem Gott, der die Nächsten­liebe grenzenlos vorlebte, uns auch heute in unseren multikulturellen Beziehungen nahe ist, uns hilft im anderen, auch im Fremden, einen Mitmenschen zu sehen. In dieser Haltung möchte ich respektiert wer­den. Ich gestehe meinerseits andern auch das Recht zu, zu ihrem Gott zu beten.

Was ich nicht akzeptieren kann, ist die Missachtung meiner Überzeu­gung; auch nicht, dass irgendeine Re­ligion dazu missbraucht wird, Gewalt und Machtansprüche zu rechtferti­gen. Fanatismus und Radikalisierung bedrohen die Grundwerte aller Religi­onen. Geht man zu den Wurzeln der Weltreligionen, so ist der Respekt vor der Schöpfung und ihren Geschöpfen die verbindende Grundhaltung.

Respektieren heisst also: ich weiss, was mir wichtig und heilig ist, wofür ich mich einsetzen will. Und dem andern gestehe ich dasselbe zu. Anders ist anders, weder besser noch schlechter, einfach anders.

Was ist Ihnen wichtig und heilig? Im September feiern wir den «eidge­nössischen Dank-, Buss- und Bet­tag». Die «Busse» könnte darin be­stehen, sich darüber klar zu werden.

PFARRERIN EVA JOSS

[BILD: WIKIMEDIA.ORG / SI]