Herzlich willkommen in der reformierten Kirchgemeinde Nidau!


Die Kirchgemeinde Nidau besteht aus fünf Pfarrkreisen und umfasst die vier politischen Gemeinden Bellmund, Ipsach, Nidau und Port. Vier deutschsprachige Pfarrämter, mehr als 30 Mitarbeitende und eine grosse Zahl von Freiwilligen gestalten das kirchliche Leben.

La paroisse de Nidau est bilingue, et la communauté romande a un poste pastoral qu'elle partage avec la paroisse française de Bienne. 

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Vergeben

Editorial Oktober 17

Haben Sie schon Unrecht erlitten? Ein Verfehlen hautnah erleben. Eine verletzende Tat oder Worte wie Pfei­le. Unangenehme Gefühle sind die Folge. Es tut weh. Und aus Schmerz wird manchmal Ärger oder Grübeln. Im besten Fall wächst mit der Zeit Gras darüber. Möglicherweise ent­steht aber ein Bedürfnis nach Aus­gleich, nach Genugtuung. Oder eine Verstimmung breitet sich aus, und allenfalls Groll. Mit diesen unange­nehmen Gefühlen zu leben kann an­spruchsvoll sein.

Vergeben könnte Linderung ver­schaffen. Den schweren Rucksack ablegen. Vergeben: Ich verzichte auf den Schuldvorwurf, auch wenn ein Unrecht geschehen ist. Und das im Bewusstsein, dass der Täter verant­wortlich ist.

Bekannt ist der Spruch aus dem Matthäus-Evangelium: Nicht sieben­mal, sondern siebzigmal siebenmal, soll Petrus seinem Mitmenschen vergeben. Ob Jesus damit meint, dass Rache nach dem 490. Mal ver­geben angemessen ist? Ich glaube kaum.

Vergeben. Mit dem Willen komme ich vielleicht so weit, dass ich auf persönliche Vergeltung verzichte und das der Justiz überlasse. Aber innerlich loslassen, auf den Schuld­vorwurf verzichten, auch wenn der Täter verantwortlich ist, das ist ein anderes Paar Schuhe. Wenn das Un­recht gross ist, reicht der Wille oft nicht. Klar ist mir aber, dass verge­ben mich von einer schweren Last, die ich mit mir schleppe, befreit. Diese Bürde hindert mich daran, mich zu entfalten. Vergeben, den Schmerz über erlittenes Unrecht et­was loslassen. Darum tut vergeben mir selbst gut.

Nicht selten gibt es Situationen, in denen vergeben und loslassen kei­nen Sinn machen. Warum? Weil ver­änderbare Situationen mein Enga­gement fordern. Aber zu den Din­gen, die ich nicht ändern kann, kann ich meine Haltung ändern. Und da­bei ist das Verzeihen eine wichtige Hilfe.

Was hilft mir auf dem Weg des Ver­gebens einen Schritt zu gehen? Ich denke an Jesus, der den Weg des Verzeihens konsequent gegangen ist: Gott «vergib ihnen, denn sie wis­sen nicht, was sie tun.» Er ist für mich wie ein Leitstern, dem ich fol­ge. Dieses Ideal kann jedoch nicht die Pein von erlittenem Unrecht heilen.

Um das Herz gesunden zu lassen, hilft es mir, wenn ich mit einer Per­son über das Erlittene sprechen kann. Weil ich ihr vertraue. Und nochmals darüber sprechen. Und noch ein weiteres Mal. Und zwi­schendurch eine anstrengende körperliche Tätigkeit verrichten. Das kann etwas Erleichterung ver­schaffen.

Mir hilft es insbesondere, zu versu­chen, die Person, die ich als den Tä­ter sehe, zu verstehen. Mit Kopf und Herz. Warum hat sie so gehandelt? Warum hat er so gesprochen? Was waren die Umstände? Was waren seine Gefühle, was ihre Motive?

Ab und zu sage ich mir: Stopp! Es ist genug. Ich will diese Gedanken an die Täterin lassen und denke an etwas Schönes oder etwas Wohltuendes. Diesem Befehl folgt mein Denken zuerst kaum, später ab und zu, und es wird in kleinen Schritten besser.

Ich kann auch Gott um Hilfe bitten. Um Hilfe bitten bedeutet, dass ich selbst nicht weiterkomme. Meine Grenzen anerkennen bedeutet, et­was loslassen. Mit dem Bitten um Hilfe tut sich zuweilen etwas. Und Hoffnung wächst. Ich erfahre Unter­stützung. Eine Aussicht weitet sich. Und das macht mir Mut, auf diesem Weg weiter zu gehen …

PETER GEISSBÜHLER, PFARRER

 

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