Herzlich willkommen in der reformierten Kirchgemeinde Nidau!


Die Kirchgemeinde Nidau besteht aus fünf Pfarrkreisen und umfasst die vier politischen Gemeinden Bellmund, Ipsach, Nidau und Port. Vier deutschsprachige Pfarrämter, mehr als 30 Mitarbeitende und eine grosse Zahl von Freiwilligen gestalten das kirchliche Leben.

La paroisse de Nidau est bilingue, et la communauté romande a un poste pastoral qu'elle partage avec la paroisse française de Bienne. 

Wir freuen uns, wenn Sie mit uns Kontakt aufnehmen.

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Beten

Optische Täuschung

In jedem Sonntagsgottesdienst, bei jeder Trauerfeier, fast immer, wenn Christen zusammenkommen und beten, beten sie auch das Unser Va­ter Gebet – das wir in der Mitte der Bergpredigt im Matthäus-Evangeli­um finden: Jesus sagt: «Euer Vater weiss, was ihr braucht, bevor ihr ihn bittet. So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel …» (Matthäus 6, 8ff). Die­ses Gebet soll uns davor bewahren, zu viele Worte zu machen. Und es ist noch genauso zeitgemäss wie vor 2000 Jahren! Und wir teilen es mit allen Christen überall auf dieser Welt.

In weiteren Gebeten loben wir Gott, und wir danken Gott für seine guten Gaben. Zu jedem Gottesdienst gehören auch Fürbitten: da bitten wir für jemand anderen oder für uns selber. Diese Gebete formulieren wir normalerweise neu.

Es gibt Menschen, die eine be­sondere Gabe besitzen zum Formu­lieren von Gebeten. Vor kurzem habe ich das Neujahrsgebet des Pfarrers von St. Lamberti zu Müns­ter, Hermann Kappen, aus dem Jah­re 1883 (!) entdeckt. Wir haben den Jahresschlussgottesdienst am Sil­vesterabend damit abgeschlossen. Das Gebet ist auf grosses Echo gestossen. Ich zitiere:

Gott, setze dem Überfluss Grenzen und lasse die Grenzen überflüssig werden. Lasse die Leute kein falsches Geld machen und auch das Geld keine falschen Leute. Nimm den Ehefrauen das letzte Wort und erinnere die Män­ner an ihr erstes. Schenke unseren Freunden mehr Wahrheit und der Wahrheit mehr Freunde. Bessere sol­che Beamte, Geschäfts- und Arbeits­leute, die wohl tätig, aber nicht wohl­tätig sind. Gib den Regierenden gute Bürger und den Bürgern eine gute Re­gierung. Gott, sorge dafür, dass wir alle in den Himmel kommen – aber nicht sofort.

Mit präzisen Worten trifft der Dichter das, was uns heute, 130 Jah­re später, immer noch beschäftigt: er redet von Grenzen: Grenzen ge­gen die Masslosigkeit; er wünscht weniger Grenzen zwischen den Menschen und den Völkern.

Er weiss um den Überfluss der ei­nen; auch um den alle Zeit schwieri­gen Umgang mit Geld.

Und der erfahrene Seelsorger kennt die Verhaltensmuster der Ehe­paare, und weiss, dass beide Seiten zu Problemen beitragen.

Er weiss ebenfalls um den schwe­ren Stand der Wahrheit. Und um den Mangel an Solidarität, an Wohl­tätigkeit.

Auch ist ihm bewusst, dass Bür­ger gute Regierungen brauchen; und Regierungen engagierte Bür­ger, damit sie gut arbeiten können.

An all das mahnt uns der 65-jährige Pfarrer mit teils verblüffenden Wort­spielen. Die Prise Humor in der letz­ten Zeile lässt uns schmunzeln. Ein wunderbares Gebet, in dem wir uns auch heute wiederfinden, und das wir gerne mitbeten!

PFARRERIN EVA JOSS

 

BILD: ZVG