Auftrag der Kirchgemeinde Nidau

 

«Die Kirchgemeinde Nidau will eine Gemeinde sein, die offen ist für die biblische Botschaft und die sich aufmerksam mit den Problemen der Gesellschaft auseinandersetzt. Sie will in ihr für die Werte und die Botschaft der Bibel einstehen.» (aus dem Leitbild)

Die Kirchgemeinde Nidau besteht aus fünf Pfarrkreisen und umfasst die vier politischen Gemeinden Bellmund, Ipsach, Nidau und Port. Vier deutschsprachige Pfarrämter, mehr als 30 Mitarbeitende und eine grosse Zahl von Freiwilligen gestalten das kirchliche Leben.

La paroisse de Nidau est bilingue, et la communauté romande a un poste pastoral qu'elle partage avec la paroisse française de Bienne.  


Gott segne dich!

 

Editorial Mai 2012

Im Kanton Zürich wurde vor nicht all­zu langer Zeit eine Umfrage gemacht, welches Element des reformierten Gottesdienstes die Kirchengänger am meisten anspreche. Die Antwort war eindeutig: Der Segen. Ich staun­te. In einer so nüchternen und kopf­lastigen Kirche wie der reformierten wird der Segen hoch geschätzt. Beim Segen hebt die Pfarrperson die Hän­de und die Handinnenflächen wer­den sichtbar. Diese werden seit lan­ger Zeit als Energiezentren gesehen. Deshalb strömen bei Segnungen auf Bildern oft Strahlen aus den Händen der segnenden Person.

Segen kann als Kraft und Energie verstanden werden, welche von Gott her zum Menschen kommen. So wird auch das Kommen des Heiligen Geistes an Pfingsten als eine «Kraft» angekündigt (Lukas 24,49). So, als sich verströmende Energie und Kraft erlebe ich den Segen. Entspre­chend fühle ich manchmal ein Krib­beln in den Handinnenflächen beim Sprechen des Segens. Das Kribbeln zeigt mir, dass ich den Segen ener­getisch verstehe und dass ich mit mir im Einklang bin. Ich spreche Se­gensworte beim Ausatmen, also in einer inneren Haltung des Loslas­sens und des Weitergebens.

Und jetzt würde es mich wunder nehmen, was Sie beim Empfangen des Segens erleben. Ich nehme wahr, dass nicht wenige Gottesdienstbesu­cher dann jeweils die Augen schliessen. Weil sie sich besser konzentrie­ren können? Weil sie sich so besser für die fliessende Kraft öffnen kön­nen? Weil Segen etwas Intimes, et­was Nahes ist? Weil der Segen an die Zuwendung der Eltern beim «Guetnacht-Säge» erinnert? Es gibt da noch sehr viele andere Gründe.

Was auch immer geschieht beim Se­gen und wie ich ihn mir auch erklä­ren mag, ich empfange Segen ger­ne. Ich fühle darin Stärkung, Ange­nommensein, das Strömen von Licht und eine wärmende Gegenwart. Deshalb finde ich es auch berüh­rend, wenn Eltern ihre Kinder seg­nen, z. B. am Abend vor dem Schla­fen, vor einer längeren Reise oder einer grösseren Aufgabe. Wenn Sie Kinder haben, probieren Sie's mal aus, es muss ja nicht laut sein … Sie können dazu Worte wie «Gott söu di sägne» wählen, oder einen guttuen­den emotionalen oder energetischen Impuls ohne Worte ausstrahlen.

Dies tun Sie in der inneren Haltung der Offenheit und der Weitergabe – wie ein Wasserschlauch, der zulässt, dass Wasser fliesst. Und vielleicht segnen Sie auch mal jemanden ande­res, z. B. im Stillen, beim Vorbeige­hen. Segen ist dann ähnlich einem gu­ten Wunsch (bene-dictio), den wir auf einer energetischen Ebene aussen­den. So oder so, solche stillen Segen, die Sie senden, verändern Sie mit der Zeit in Ihrer Haltung zum Mitmen­schen. Darum: «Probieret's mau uus!»

PFARRER PETER GEISSBÜHLER

[Bildnachweis: Thinkstock]