Herzlich willkommen in der reformierten Kirchgemeinde Nidau!


Die Kirchgemeinde Nidau besteht aus fünf Pfarrkreisen und umfasst die vier politischen Gemeinden Bellmund, Ipsach, Nidau und Port. Vier deutschsprachige Pfarrämter, mehr als 30 Mitarbeitende und eine grosse Zahl von Freiwilligen gestalten das kirchliche Leben.

La paroisse de Nidau est bilingue, et la communauté romande a un poste pastoral qu'elle partage avec la paroisse française de Bienne. 

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Magnificat – Marias Lied

Bild mit Halo

Wenn Sie an Bilder von Maria den­ken – was sehen Sie vor sich? Eine demütige Frau in blauem Gewand mit einem Kind? Eine Pietà? Die Himmelskönigin?

Im Lukasevangelium treffen wir eine sehr junge jüdische Frau, die von ei­nem göttlichen Boten eine Verheissung bekommen hat, schwanger ge­worden und darüber ins seelische Ungleichgewicht gefallen ist. Sie lässt alles stehen und liegen und eilt zu ihrer älteren Verwandten Elisa­beth ins judäische Bergland. Elisa­beth preist Maria als gesegnete un­ter allen Frauen. Und Maria stimmt ein Lied an und singt!

Meine Seele preist die Grösse des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrig­keit seiner Magd hat er geschaut. Sie­he, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Grosses an mir getan, und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Ge­schlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind. Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungern­den beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unseren Vätern verheissen hat, Ab­raham und seinen Nachkommen auf ewig. (Lukas1,46–55)

Marias Lobgesang beginnt bei ihr selbst: magnificat anima mea domi­num … (meine Seele preist die Grösse des Herrn …). Und dann weitet sich der Inhalt auf das politische und soziale Schicksal ihres ganzen Vol­kes für alle Zukunft aus und weist damit in die ganze Welt. Das Magni­ficat ist eine prophetische Weissa­gung der Befreiung des Volkes Isra­el, der revolutionäre Tonfall ist nicht zu überhören: er (Gott) stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die mächtigen Herr­scher des weltweiten römischen Rei­ches werden ihre Macht verlieren!

Maria nimmt ein Herzstück der Bot­schaft Jesu vorweg. Sie singt in ihrem Lied, was nicht gesagt werden durfte (Herrschaftskritik wurde nicht gedul­det). Das Revolutionslied besingt die totale Umkehrung der Verhältnisse. Gott veranstaltet diese Revolution! Und Maria kündigt sie an und gibt der Befreiung einen Namen: Jesus.

Das Magnificat ist ein Hoffnungs­lied mit der Vision einer besseren Welt. Das Magnificat wurde von un­zähligen Komponisten wunderbar vertont.

Aber: Ist Marias Lied auch unser Lied? Wir stehen doch auf der Seite der Mächtigen, hungern nicht, le­ben in einem reichen Land? So ge­sehen kann es nicht unser Lied sein. Dennoch ist unser Leben, unser Leid und unser Glück eingebunden in das grosse Projekt Gottes mit den Menschen. Deshalb darf ich Marias Lied mit-und weitersingen. Uns ver­bindet mit Maria, dass die grosse Revolution Gottes, von der sie singt, immer noch aussteht.

Wie können wir singen? Sollen wir es der Heilsarmee gleich tun, die mit traditionellen Adventsliedern Geld sammelt für Menschen, die es nötig haben?

Wir können mit der Heilsarmee mitsummen, in den Gottesdiensten singen, im Chor, in der Familie oder unter der Dusche. Und ja: Auch wir dürfen ein revolutionäres Lied an­stimmen, gerade in der Adventszeit, die ja nicht nur Kerzen und Weih­nachtsvorfreude beinhalten muss (von Weihnachtsstress und Ein­kaufsrausch ganz zu schweigen).

Ein revolutionäres Lied, vielleicht sogar an unpassender Stelle, dafür umso lauter, mit Pauken und Trom­peten.

«Mehr» haben Maria und Elisa­beth damals auch nicht getan.

PFARRERIN EVA JOSS

 

BILD: WIKIMEDIA.ORG