Gottfried W. Locher beantwortet fünf Fragen zur Zukunft des Kirchenbunds

Gottfried W. Locher. (Bild SEK/Flügge)

Frage 1: Entscheiden Sie sich für eines der drei SEK-Modelle und begründen Sie Ihre Wahl.
Gottfried W. Locher: Mein Favorit ist das Modell 2, also der umfassende Kirchenbund. Das bringt viele Verbesserungen und ist doch auch eine machbare Weiterentwicklung, keine Revolution. Wir brauchen eine realistische Lösung, und die bleibt vermutlich föderal. Aber gleichzeitig schlage ich einen neuen Namen vor: «Evangelische Kirche in der Schweiz». Der neue Name signalisiert: Im Wesentlichen sind wir eins. Eine evangelische Kirche aus vielen evangelischen Kirchen, das ist Einheit in Vielfalt. Übrigens hat dieser Name ja ein prominentes Vorbild, nämlich die deutsche EKD.

Frage 2: Welches Kirchenmodell oder welche Metapher leitet Ihr kirchenpolitisches Handeln?
Locher: Bonhoeffers Kurzformel: Kirche für andere. Meine Kirche hat einen Auftrag in der Welt, sie ist nicht Selbstzweck. Glaubwürdig in Wort und Tat: Sie soll das Evangelium verkündigen, die Botschaft, die uns alle frei macht, frei für ein sinnvolles Leben. Wort und Tat: Sie soll auch tun, was Jesus ihr aufgetragen hat: Einstehen für alle Menschen, die schwach sind, schwach gemacht werden. Kirche für andere: Das ist die Kirche, an die ich glauben kann.

Frage 3: Wo liegen für Sie die Schwerpunkte der Ökumene für die nächsten Jahrzehnte: auf lokaler Ebene, Verständigung zwischen Theologien und Kirchenleitungen im nationalen Rahmen oder weltweit, oder ist gar das interreligiöse Gespräch das dominante Thema?
Locher: Das Entweder-oder von lokaler und weltweiter Ökumene wirkt künstlich. Verbindliche Fortschritte brauchen nämlich beides: eine Kirchenbasis, die konfessionelle Gräben überwindet, und Kirchenleitungen, die für Strukturen der Einheit sorgen. Tragfähig ist auf die Dauer nur eine Ökumene, in der Gemeindeleben und Theologie in Einklang stehen. Also muss sich beides bewegen. - Unverzichtbar, aber anders ist das Gespräch mit dem Islam. Sein Thema ist eher das gegenseitige Verstehen und der Respekt.

Frage 4: Welche inhaltlichen Schwerpunkte würden Sie für den Kirchenbund setzen (zum Beispiel gesellschaftspolitisches Engagement, Verständigung nach innen, etwa Liturgie, Sakramente usw., oder…?
Locher: Drei Kernpunkte - 1. Das evangelische Profil schärfen: Wir Reformierten sind Kirche, und wir sind es gerne. Wir leben gemeinsam in der Nachfolge Jesu Christi. 2. Die gute öffentliche Präsenz des SEK weiter ausbauen: In politischen und ethischen Fragen brauchen wir eine klare Stimme der evangelischen Schweiz. 3. Den Kirchenbund nach innen stärken: Mit engerer Zusammenarbeit erreichen wir mehr mit weniger Geld. Doch in all dem gilt: Der ganze Rat setzt die Schwerpunkte, nicht der Präsident allein.

Frage 5: Was machen Sie mit einem Bischofshut?
Locher: Ich warte, bis endlich wieder der 1. April da ist, setze den Hut dann auf, mache ein Foto und schicke es der «Reformierten Presse». Dann ziehe ich den Hut wieder aus und schenke ihn jemandem, dem er passt.

Die Interviewfragen haben Monika Dettwiler und Stephan Landis von der «Reformierten Presse» gestellt.

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