Überblick: das Kirchenjahr


Advent

(Bild Medienpark/Pfander)

Die Adventszeit lässt sich bis ins 5. Jahrhundert und ins Gebiet um Ravenna in Italien zurückverfolgen. Damals wurde der Sonntag vor Weihnachten der Vorbereitung auf das Fest der Geburt Christi gewidmet.

In Rom gab es eine Adventsliturgie erstmals im 6. Jahrhundert. Gregor der Grosse setzte dann die Zahl der vier Adventsonntage fest.

Von Anfang an hatte die Adventszeit den Charakter einer Buss- und Fastenzeit als Vorbereitung auf das Christfest. Traditionell durfte in der Adventsszeit nicht getanzt und nicht geheiratet werden. Als Beginn des Kirchenjahres wird der 1. Sonntag im Advent seit Mitte des 8. Jahrhunderts gefeiert.

Der 1. Adventssonntag ist der 1. Sonntag nach dem 26. November oder auch der 4. Sonntag vor dem 25. Dezember, dem Weihnachtsfest.

Die vier Adventssonntage haben jeweils ihr Thema:

  1. Der 1. Adventsonntag thematisiert die erwartete Wiederkunft Christi am Letzten Tag.
  2. Am 2. und 3. Adventssonntag steht Johannes der Täufer im Mittelpunkt.
  3. Der 4. Adventsonntag ist in der katholischen Kirche Maria, der Mutter Gottes, gewidmet, in den protestantischen Kirchen thematisiert er allgemeiner die nahende Freude der Geburt Christi.

Online-Adventskalender
Der Adventskalender ist eine Erfindung des 19. Jahrhunderts: Protestantische Familien begannen damit, im Advent nach und nach 24 Bilder an die Wand zu hängen. Seine heutige Form fand der Kalender im 20. Jahrundert. Jeden Tag wird nun ein Türchen geöffnet, seit 1958 kann sich dahinter, an der Stelle eines religiös-winterlichen Bilds, auch ein Stück Schokolade verbergen. Seit einigen Jahren können Sie die Türchen zudem online öffnen: Das Internet bietet eine Vielzahl von Online-Adventskalendern an. Ein paar möglichst clevere, tiefschürfende und verkaufsabsichtsfreie haben wir Ihnen zusammengestellt:

Für Jugendliche und junge Erwachsene:
www.jugendkalender.ch

Der SMS-Adventskalender (mehr Infos):
www.smas.ch

Der Adventskalender in bewegten Bildern und Tönen (ein Experiment der Katholischen Kirche Schweiz)
www.kath.ch

Zum Thema "Nachhaltige Entwicklung"
www.visumsurf.ch/advent

Aus der reformierten Kirchgemeinde Konolfingen:www.advent.konolfingen.org

Adventskalender der Reformierten Kirchgemeinde Zürich-Affoltern: www.glaubten.ch/kalender/

Bringt den Advent zur Besinnung:
www.adventsrausch.de

Mehr Infos zur Geschichte des Adventskalenders bietet der entsprechende Eintrag bei Wikipedia.

Adventskranz
Der erste Adventskranz der Welt hing im Dezember 1839 im Betsaal des Rauhen Hauses. Das "Rauhe Haus" war eine Stiftung für Jugendliche mit durchaus modernen pädagogischen Ansätzen. Der damals 25-jährige Theologe Johann Hinrich Wichern hatte führende Hamburger Politiker und Kaufleute 1833 davon überzeugt, dass es für verwahrloste und verwaiste Kinder aus den Elendsvierteln der Stadt nur eine Hoffnung geben könnte: ein „Rettungsdorf“ vor den Toren der Stadt.

Mit dem Adventskranz wollte Wichern die Vorbereitung auf das Weihnachtsfest als Weg aus der Dunkelheit ins Licht veranschaulichen. Wicherns Adventskranz weist für jeden einzelnen Tag bis zum Heiligen Abend eine eigene Kerze auf. Auch heute noch entstehen im Rauhen Haus alljährlich Adventskränze nach Wicherns Vorbild.

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Weihnachten

(Bild Medienpark/Pfander)

Weihnachten dürften das christliche Fest sein, dessen Bedeutung den allermeisten noch geläufig ist: Die Christenheit feiert die Geburt Jesu, oder theologischer ausgedrückt: die Menschwerdung Gottes.

Dieser Tag wurde zunächst am 6. Januar gefeiert. Daran erinnert noch heute das Epiphaniasfest, das am 6. Januar gefeiert wird: Epiphanias heisst Erscheinung - und damit gemeint war ursprünglich die Erscheinung Jesus und nicht etwa jene der Heiligen drei Könige, die ja dem heutigen Kalender gemäss ebenfalls am 6. Januar in Bethlehem "erscheinen".

Die Verlegung von Weihnachten auf den 25. Dezember verfolgte religionspolitische Zwecke. Die Römer begingen nämlich ihre feierlichen "Saturnalien" zu Ehren des Gottes Saturn, des unbesiegbaren Sonnengottes, an eben diesem Tag. Kaiser Aurelian (270-275) hatte den 25. Dezember als Geburtstag des "Sol Invictus", des "Unbesiegten Sonnengott" feiern lassen. Mit der Verlegung der Geburtsfestes Jesu auf dieses Datum machte das Christentum seinen Anspruch deutlich, eine andere, wahrere Quelle des Lichts zu bieten als den "Sol": Jesus Christus eben, das "Licht der Welt" (Johannesevangelium 8, 12). - Unter Papst Liberius wurde, im Jahr 354, die Umdatierung von Weihnachten definitiv.

Heiligabend (24.12.)
Der 24.12. ist eigentlich kein Feiertag, da es am 24.12. nichts zu feiern gibt. Gefeiert wird erst der Abend (der Heilige Abend / Heiligabend).

Umstritten ist, wie es zur Feier am 24.12. kam. Die einen führen dies auf einen ursprünglichen Mitternachtsgottesdienst um 0 Uhr am 25.12. zurück; andere führen die in der Antike verbreitete Auffassung ins Feld, den neuen Tag mit dem Sonnenuntergang beginnen zu lassen (der Heiligabend hätte dann ursprünglich schon zum 25.12. gezählt).

  1. Die katholische Kirche hat traditionell mit Tagesbeginn um 0 Uhr am 25. Dezember die Geburt Christi gefeiert, da er ja in der Nacht geboren sei (Lukasevangelium 2, 8). Auf diesen Vespergottesdienst haben sich die Gläubigen vorbereitet, und um diese Vorbereitungen herum hat sich ein immer reicheres Brauchtum entwickelt. - Die Gottesdienste in der Christnacht wurden dann teilweise zeitlich vorverlegt, auch in der reformierten Kirche hat sich der Brauch, am Vorabend von Weihnachten Gottesdienste zu feiern, immer mehr eingebürgert.
  2. Alte Hochkulturen, etwa die griechische und die jüdische, hatten ein anderes Kalenderdenken. Ein Tag dauerte nicht - wie heute üblich - von Mitternacht bis Mitternacht; es wurde von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang gezählt. Auf diese Weise wurde der Vorabend bereits zum folgenden Tag gerechnet, der Heiligabend war also der Beginn der 25.12.

Wie auch immer die heute verbreitete Form der Feiern am Heiligen Abend entstanden ist: Etabliert hat sie sich nur in einzelnen Ländern wie der Schweiz und Deutschland. England hingegen oder Frankreich begehen auch heute nur den 25.12. als Feiertag.

Stephanstag (26.12.)
Auch wenn der 26.12., der sogenannte Stephanstag, bei uns als Sonntag gilt: Dieser Tag hat keinerlei "weihnachtliche" Bedeutung. Der 26.12 ist der Gedenktag der urchristlichen Märtyrers Stephanus (Details: www.kath.de/Kirchenjahr), und folgt einfach zufälligerweise auf den 25.12.

Weihnachtsbaum
Die Sitte, grüne Tannenzweige ins Haus zu stellen, tauchte erstmals 1494 in Sebastian Brants "Narrenschiff" auf. Aus dem Jahr 1535 ist überliefert, dass in Strassburg kleine Eiben, Stechpalmen und Buchsbäumchen verkauft wurden, die in den Stuben aufgehängt wurden; 1605 soll es einen mit Äpfeln geschmückten, aber noch kerzenlosen Weihnachtsbaum in Straßburg gegeben haben. Der erste Christbaum, der mit Kerzen geschmückt war, soll 1611 im Schloss der schlesischen Herzogin Dorothea Sybille aufgestellt worden sein

Der "Christbaum" geht auf den immergrünen "Paradiesbaum" aus dem mittelalterlichen "Paradiesspiel" zurück, das dem eigentlichen Krippenspiel in der Kirche vorausging und in dem der Sündenfall Adams und Evas sowie die Erlösung durch den Tod Jesu am Kreuz gezeigt wurden.

Der Paradiesbaum wurde im Lauf der Zeit immer prächtiger und nicht nur mit Äpfeln, sondern auch mit Nüssen, Süßigkeiten und Gebäck geschmückt. Die in Silber- oder Goldpapier eingewickelten Früchte waren die Vorläufer der Christbaumkugeln. Später fand der Christbaum auch außerhalb der Kirche Verbreitung und wurde zum allgemeinen Symbol für Advent und Weihnachten. Nach Amerika kam der Weihnachtsbaum im Reisegepäck deutscher Auswanderer, 1891 wurde erstmals ein Lichterbaum vor dem Weißen Haus in Washington aufgestellt."

Weiterführender Link:

heiligenlexikon.de: Geburt des Herrn

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Dreikönigstag / Epiphanias

(Bild Medienpark/Pfander)

Das Drei-Königs-Fest am 6. Januar gehört zum weihnachtlichen Festkreis. Im Vordergrund dieses Tages steht eigentlich die Epiphanie, die historisch greifbare Erscheinung Gottes in Jesus Christus.

Die Geschichte des Epiphaniefestes ist höchst verschlungen. Im Abendland wurde die Anbetung der Magier ursprünglich dem Weihnachtsfest selber zugeordnet. Doch schon im vierten Jahrhundert trennte sie sich vom Festinhalt des 25. Dezember ab. Auf diese Weise galten die Magier als die ersten Heiden, die die Erscheinung Gottes in dem neugeborenen Kind bezeugten: Gott ist allen Menschen erschienen. In Gallien und Oberitalien hatte das Fest einen anderen ursprünglichen Inhalt, nämlich die Taufe Jesu im Jordan und dessen erstes Wunder, das Weinwunder auf der Hochzeit zu Kana. Nach der Einführung des Weihnachtsfestes gesellte sich zu diesen Inhalten die Huldigung der Magier hinzu.

Diese Festinhalte sind Belege für das Absorptionsvermögen des jungen Christentums. Denn sie deuteten und formten heidnische Feste um. So feierte Alexandrien in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar die Geburt Äons, des Gottes der Zeit und der Ewigkeit. Die Sage, nach der am 6. Januar Dionysos, der Gott des Weines, erschien, um Wasser in Wein zu verwandeln, deuteten die Christen auf das Wasser der Taufe Christi und das Wunder von Kana. Die enge Bindung der beiden Feste, der Menschwerdung Gottes und seiner Erscheinung vor der ganzen Welt - repräsentiert durch die Magier -, liess die zwölf Tage, die zwischen ihnen liegen, schon bald als heilige Zeit gelten, in denen Arbeit und Gerichtsbarkeit zu ruhen hatten.

In der Volksfrömmigkeit des Mittelalters traten die heiligen Drei Könige so stark in den Vordergrund, dass der 6. Januar fast nur noch Drei-Königs-Fest hiess. Erst recht nach der Überführung ihrer Gebeine von Mailand nach Köln durch Erzbischof Rainald von Dassel 1164 erhielt die Verehrung der Könige Auftrieb. Die Geschichte Kölns stand fortan mit den Drei-Königs-Reliquien in einem engen Zusammenhang. Weil der Schrein im Mittelalter zahllose Pilger anzog, wurde Köln zu einem der grossen Pilgerziele Europas und verdankt den Magiern einen gewaltigen wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Aufschwung. Noch heute schmücken drei Kronen das Stadtwappen.

Magere biblische Grundlagen
Als einziger der Evangelisten berichtet Matthäus von den Männern, die aus dem Osten kommen, um das Kind anzubeten. Doch ist bei ihm weder von Königen noch von der Dreizahl die Rede. Erstmals spricht der griechische Kirchenlehrer Origines (+ um 254) von drei Magiern. Deren Zahl ist offenbar beeinflusst durch die Geschenke, die Matthäus erwähnt: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Die Bezeichnung der drei als Könige ist indes erst seit dem 6. Jahrhundert nachweisbar. Drei Jahrhunderte später erhalten die Könige Namen: Caspar, Melchior und Balthasar.

Eine Hochblüte erlebte das Drei-Königs-Fest im 15. Jahrhundert. Von den Krippenspielen beeinflusst, wirkte es in Volksglauben und Umzügen lange nach. Auf die Könige liessen sich sowohl die biblischen Rassen (Semiten, Chamiten und Japhetiten, die Nachfahren der Söhne Noahs) als auch die drei Lebensalter typisierend verteilen. Nachhaltiger wirkte jedoch die Zuordnung zu den drei damals bekannten Erdteilen. So wurde Caspar seit den spanischen und orientalischen Kreuzzügen zum Mohrenkönig. Wegen seiner oft bizarren Ausgestaltung, vor allem bei Dreikönigsspielen, avancierte er zu einer beliebten Volksfigur und fand sogar Eingang ins Puppenthater - als der ins Komische gekehrte Kasperle.

Der Dreikönigskuchen
Mit dem Drei-Königs-Tag als Jahresbeginn hängen auch Losbräuche der Zukunftserforschung zusammen. Noch heute ist es in einigen Regionen an diesem Tag üblich, ein Metallstück oder eine Bohne in einen Kuchen einzubacken, um den zu ermitteln, dem das Glück im neuen Jahr besonders geneigt sein werde, oder - auf die Heiligen Drei Könige umgedeutet - um herauszufinden, wer für einen Tag König sein dürfe.

Neben dem Dreikönigskuchen erinnert heute noch das Krippenbrauchtum an die heiligen Männer. Seit jeher boten sie Möglichkeiten zu szenischen Veränderungen der Krippe. Zunächst am Rand stehend, rücken sie täglich näher zur Kerngruppe heran, um ihr Reiseziel auch optisch erkennbar werden zu lassen. Gestalt und Ausstattung der Könige sind bei allen Unterschieden tradiert. Oft lässt sich noch eine Linie bis zur Beschreibung des englischen Mönches und Kirchenlehreres Beda Venerabilis nachempfinden, der um 700 die Magier genaustens zu beschreiben wusste und sie sowohl den drei Lebensaltern als auch den drei bekannten Erdteilen zuordnete: Der junge Caspar vertritt als Schwarzer Afrika; der greise Melchior ist geschmückt wie ein europäischer König; Balthasar steht in den besten Jahren und repräsentiert den asiatischen Kontinent. Dass zuweilen auch Balthasar der älteste der Könige sein kann, geht auf den grossen ikonographischen Einfluss des „Altars der Stadtpatrone" (1445) von Stephan Lochner zurück, der seit 1809 unter dem traditionellen Namen „Kölner Dombild" den Dom schmückt.

© Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, Köln

Quelle:

www.religioeses-brauchtum.de

Stern von Bethlehem

Über den Stern von Betlehem, auch „Weihnachtsstern“ genannt, steht im Neuen Testament im Matthäusevangelium, Kapitel 2:

Als nun Jesus geboren war in Betlehem in Judäa, in den Tagen des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem, die sprachen: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Denn wir haben seinen Stern im Morgenland gesehen und sind gekommen, um ihn anzubeten! ... Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er ankam und über dem Ort stillstand, wo das Kind war.

Verschiedene Theorien versuchen, diesen Stern naturwissenschaftlich als historisches Phänomen zu erklären. Oft soll damit die universelle, gleichsam kosmische Bedeutung von Jesus belegt werden.

Weitere Information

Wikipedia: Stern von Bethlehem

Rainer Gerhards: Was war der Stern von Bethlehem?
Private Webseite, für Kinder geeignet, starke Tendenz zur naturwissenschaftlich-astronomischen Beweisführung

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Fasnacht/Fastenzeit

(Bild zvg)

Ein Wort vorweg zu Schreibweise: im schweizerischen Raum hat sich die Fasnacht (nicht: Fastnacht) gehalten, und diese Schreibweise ist sprachgeschichtlich korrekt.

Denn der Ausdruck hat nichts mit Fasten zu tun, wie es die (im deutschen gebräuchliche) "Fastnacht" nahelegt. Ganz im Gegenteil: Er leitet sich ab von mittelhochdeutsch "faseln" (= Unsinn treiben), meint also gerade das Gegenteil der ernsten, verzichtreichen Fastenzeit.

Die Fasnacht war denn auch nicht nur der Abschluss, sondern der Höhepunkt der Volksbelustigungen in der Faschingszeit: Hier, am Vortag des Aschermittwochs und der damit beginnenden Fastenzeit, ging es nochmals im wörtlichen Sinn unchristlich zu und her. - Religionsgeschichtlich ist die Ausgelassenheit bei Essen, Trinken und Tanzen, sind die Umzüge und Maskeraden auf die Fruchtbarkeitskulte der Antike zurückzuführen.

Nicht erst den Reformatoren war diese Negation von Ruhe und Ordnung, diese anarchische Lust am Unsinn, ein Dorn im Auge. - Die Kirche hatte schon früh versucht, das offensichtlich von heidnischen Göttern und Riten besetzte Fest zu unterdrücken. Im 11. Jahrhundert wurden diese Versuche zugunsten einer nachsichtigen Duldung aufgegeben.

Besseren Erfolg hatten die Reformatoren. In Norddeutschland, aber auch in einzelnen Schweizer Städten wurde dem wilden Treiben zumindest für eine gewisse Zeit Einhalt geboten. - Heute dürfte sich allerdings auch in strengreformierten Gegenden die katholische Weisheit der stillen Duldung durchgesetzt haben.

Weiterführender Link:

heiligenlexikon.de: Passionszeit

 

Fastenzeit

(Auch: Passionszeit. Passionszeit wäre aus reformierter Sicht theologisch korrekter, da in dieser Zeit ja das Leiden Christi (Passion) im Zentrum stehen soll, nicht das Fasten als Verzichtleistung der Gläubigen. Der Ausdruck Fastenzeit hat sich aber hierzuland durchgesetzt.)

Am Aschermittwoch beginnt die 40-tägige Fastenzeit. So jedenfalls will es das Modell, das sich im 7. Jahrhundert von Rom aus durchzusetzen begann. Sie dauert bis Karsamstag, umfasst also 40 Fastentage. Die Sonntage sind vom Fasten ausgenommen und werden auch nicht gezählt, da Christen an jedem Sonntag - auch in der Fastenzeit - die Auferstehung Christi feiern. Die Zahl 40 steht für einen umfassenden Zeitraum, der Wende und Neubeginn ermöglicht. Biblischer Hintergrund ist zum einen Jesu vierzigtägiges Fasten in der Wüste (Mätthaus-Evangelium 4, 2), zum zweiten die vierzigjährige Wanderung Israels in der Wüste (2. Buch Mose, 16 ff.).

Schon im 2. Jahrhundert bereitete man sich durch zweitägiges Fasten auf Ostersonntag vor. Im 3. Jahrhundert wurde die Fastenzeit auf die Karwoche ausgedehnt. Die 40-tägige Vorbereitungszeit auf Ostern ("Quadragesima") ist erstmals am Konzil von Nicäa dokumentiert. Die Vielfalt der exakten Bestimmungen blieb aber lange beträchtlich.

Neben dem eigentlichen Fasten etablierten sich weitere Motive und Praktiken in der Passionszeit: Es war die Zeit der Taufvorbereitung; es war die Zeit der Busse (vgl. Aschermittwoch), in der römischen Kirche verbunden mit einer Beichtpflicht vor Ostern, und es war natürlich die Zeit der Erinnerung an das Leiden Jesu.

Insbesondere der lutherische Protestantismus versuchte dann, diese katholische Vielfalt auf ein Motiv zu reduzieren: Auf die Erinnerung an die Leiden Christi. - Im Laufe des 20. Jahrhunderts haben aber Hungertücher auch in reformierten Kirchen Einzug gehalten, die kirchlichen Hilfswerke in der Schweiz veranstalten gemeinsam die "Fastenaktion", und die Evangelischen Kirchen in Deutschland stellen das Fasten in Zentrum ihrer alljährlichen Passionszeitkampagne. - Damit hat die Fastenzeit ihre motivische Vielfalt auch im reformierten Raum wieder erhalten.

Das Fasten
Alle Religionen kennen Fastenzeiten, am bekanntesten ist der Fastenmonat Ramadan im Islam. In der Alten Kirche wurden die Taufbewerber in der Fastenzeit auf einen beschwerlichen Bussweg geführt, damit sie frei würden von allen heidnischen Bindungen; dabei stand das Fasten als Verzicht auf bestimmte Nahrung im Vordergrund. Dieser Bussweg hatte seinen Höhepunkt in der Feier der Osternacht, in der dann die Bewerber getauft wurden.

Im Mittelalter waren die Fastenbräuche streng: man durfte nur drei Bissen Brot und drei Schluck Bier oder Wasser zu sich nehmen. 1486 erlaubte der Papst auch Milchprodukte in der Fastenzeit.

Die Reformatoren (Luther, Zwingli) wendeten sich gegen das Fasten, bzw. die mittelalterliche Fastenpraxis. Legendär ist das Zürcher Wurstessen von 1522: Beim Buchdrucker Froschauer gab's am ersten Sonntag der Fastenzeit Wurst. Zwingli war dabei, will aber nichts gegessen haben. Ein Skandal war das Essen dennoch, und für Zwingli die Möglichkeit, seine Argumente gegen das Fasten zu verschriftlichen. "Vom Erkiesen und Fryheit der Spysen" war das Resultat.

Während Luther im Fasten die Gefahr der "Selbstgerechtigkeit" sah, die Tendenz also, dass Menschen mit Fasten Gott gefallen möchten, hielt es Zwingli einfach für ein unbegründetes Gebot: "Kein Christ ist zu den Werken, die Gott nicht geboten hat, verpflichtet. Er darf also zu jeder Zeit jegliche Speise essen." (67 Schlussreden, 1523).

Heute erlebt das Fasten auch unter Reformierten eine kleine Renaissance. Die Evangelische Kirche in Deutschland ruft mit ihrer Aktion "Sieben Wochen ohne" seit inzwischen mehr als 10 Jahren sehr erfolgreich zu einem selbstgewählten Verzicht in der Passionszeit auf. "Fasten" wird hier durchaus grosszügig interpretiert, bis hin zum Medienverzicht. So verliert Fasten seinen reglementierenden Charakter, eröffnet vielmehr Horizonte und zeigt Abhängigkeit auf.

Weiterführender Link:

heiligenlexikon.de: Passionszeit

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Aschermittwoch

Am Aschermittwoch ist die Fasnacht in Basel noch nicht vorbei. (Bild Medienpark/Pfander)

Am Aschermittwoch endet im katholischen Raum die Fasnacht, die Zeit des Unsinn-Treibens. Es beginnt die 40-tägige Fastenzeit, und diese dauert bis Karsamstag, umfasst also 40 Fastentage.

Die Sonntage sind vom Fasten ausgenommen, da Christen an jedem Sonntag - auch in der Fastenzeit - die Auferstehung Christi feiern. Die Zahl 40 steht für einen umfassenden Zeitraum, der Wende und Neubeginn ermöglicht.

Etwas anders ist der Aschermittwoch in den (ursprünglichen) reformierten Schweizer Kantonen positioniert: Während es in den katholischen Kantonen Luzern oder St.Gallen heisst: "am Aschermittwoch ist alles vorbei ...", weil nun eben die Fastenzeit beginnt, erleben die reformierten Basel und Zürich den Höhepunkt und Abschluss ihrer Fasnacht erst in den Tagen nach Aschermittwoch.

Der Aschermittwoch erhielt seinen Namen, weil an ihm Asche der Palmen vom Palmsonntag des vergangenen Jahres geweiht und den Gläubigen vom Priester auf Stirn oder Scheitel gestreut wird. Dabei erinnert der Liturg an die Vergänglichkeit des Menschen: "Gedenke, o Mensch, du bist Staub, und zum Staube kehrst du zurück." (vgl. Psalm 90, 3) Papst Urban II. führte diesen Brauch im 11. Jahrhundert ein, im 12. Jahrhundert wurde festegelegt, dass die Bussasche von Palm- und Ölzweigen der Vorjahres gewonnen werden muss.

Asche ist Symbol der Vergänglichkeit, der Busse und Reue. Schon die Menschen im alten Testament hüllten sich "in Sack und Asche", um ihrer Bussgesinnung Ausdruck zu verleihen. Asche wurde früher als Putzmittel verwendet und ist so auch Symbol für die Reinigung der Seele. Am Aschermittwoch wurde nach alter Überlieferung der Teufel, der ja zunächst ein normaler Engel gewesen sein, wegen Verstössen gegen die göttliche Ordnung aus dem Himmel geworfen.

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Palmsonntag

(Bild: Medienpark/Pfander)

Der Palmsonntag ist der Sonntag vor Ostern, der letzte der Passionszeit. Er ist der Beginn der Karwoche, aber auch schon ein Vorblick auf Ostern.

Am Palmsonntag wird der Einzug Jesu in Jerusalem gefeiert. Der Einzug zeigt Jesus als König, wie ihn der Prophet Sacharija (9,9) verheissen hat: Jesus reitet auf einem Esel. - Darin zeigt sich am Palmsonntag ein wichtiges Motiv der Figur Jesu: Jesus ist kein triumphaler Sohn Gottes, er zieht nicht wie Herrscher in Jerusalem ein, im Gegenteil: Er ist König trotz - oder gerade wegen seinem Verzicht auf alle blendende Grösse.

Zum Zeichen des Sieges dieses eselreitenden Königs nun hält ihm das Volk bei seinem Einzug in Jerusalem Palmzweige entgegen und jubelt (Johannesevangelium 12, 13 - 15). Palmen wurden schon im Altertum als heilige Bäume verehrt, im Orient ehrte man siegreiche Soldaten damit. In der katholischen Kirche werden mit Palmkätzchenzweigen Prozessionen zur Kirche veranstaltet.

Da in Mittel- und Nordeuropa keine Palmen wachsen, ersetzte man sie durch Palmkätzchen - je nach Region können es auch Ahorn-, Buchen-, Birken-, Weide-, Haselnuss-, Stachelbeer- oder Wacholderbeerzweige sein. Diese werden am Palmsonntag geweiht, sie sollen Unheil abwehrende ("apotropäische") Wirkung haben; deshalb werden sie in katholischen Gebieten an das Stubenkreuz, über die Türschwelle und in die grünende Saat gesteckt.

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Gründonnerstag

Der Gründonnerstag ist der Donnerstag in der Karwoche. Am Abend vor dem Todestag Jesu (dem Karfreitag) erinnert sich die Christenheit an das sogenannte Abendmahl.

Dieses Abendmahl, das Abschiedsessen Jesu mit seinen engsten Vertrauten, ist der Ursprung der Abendsmahlfeier (katholisch: Eucharistiefeier). Die Christen aller Welt feiern am Gründonnerstagabend die Einsetzung dieses Ritus.

Erinnert wird im traditionellen Gründonnerstagsgottesdienst aber auch an die Geschichte der Fusswaschung: Jesus wäscht seinen Jüngern die Füsse und macht so seine Dienstbarkeit deutlich. - Füsse zu waschen war Sklavenarbeit. Schon 694 sind aus Spanien liturgische Fusswaschungen überliefert, im 12. Jahrhundert ist der Brauch in der Gründonnerstagmesse in Rom bekannt.

Weitere traditionelle Motive des Gründonnerstags sind die Erinnerung an das einsame Gebet Jesu auf dem Ölberg, an seine Verhaftung, Vernehmung und Geisselung.

Zur Erklärung des "Grün" gibt es verschiedene Ansätze:

  1. Im Mittelalter wurden die Sünder in der Fastenzeit vom Gottesdienst ausgeschlossen und mussten Busse tun. Erst am Donnerstag vor Ostern durften sie die Kirche wieder betreten. Als Zeichen für die Vergebung ihrer Sünden schmückten sie sich mit jungem Grün.
  2. Das "Grün" hat mit der Farbe Grün nichts zu tun, sondern leitet sich von greinen (althochdeutsch "weinen") ab. Ob sich das Klagen dabei auf die Fastenzeit mit dem Leiden, auf die darauffolgende Nacht, die Jesus in Todesangst verbrachte, oder auf das Weinen über die bevorstehende Kreuzigung Jesu bezieht, bleibt dabei offen.

Welches auch die richtige Erklärung sein mag: Der Name des Feiertags hat dazu beigetragen, dass in vielen christlichen Familien an diesem Tag grünes Gemüse (Spinat) gegessen wird.

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Karfreitag

(Bild Medienpark/Pfander)

[von althochdeutsch kara = Wehklage]

Karfreitag und Karsamstag beschliessen die Karwoche, die nach dem Palmsonntag beginnt und den Gründonnerstag einschliesst. Der Karfreitag wird seit dem 2. Jahrhundert als Trauertag begangen.

Dieser Tag ist der Überlieferung nach der Todestag von Jesus. Zudem fanden der Prozess, die Hinrichtung und die Beerdigung Jesu am Karfreitag statt. Nach dem jüdischen Kalender ist Jesus am 15. Nisan mittags um die neunte Stunde am Kreuz auf dem Kalvarienberg gestorben. Dem gregorianischen Kalender zufolge könnte dies der 7.April des Jahres 30 oder der 3. April des Jahres 33 nachmittags um drei Uhr gewesen sein.

Der Karfreitag galt früher für die evangelischen Christen als strenger Busstag und ist heute höchster kirchlicher Feiertag. Vor allem im lutherischen Protestantismus hat die Erlösung von den Sünden durch den Kreuzestod zentrale Bedeutung für den Glauben. - In katholischen Kirchen findet an diesem wie auch am folgenden Tag keine Messe statt, es wird nur ein einfacher Wortgottesdienst gehalten.

In der evangelischen Kirche werden in der Karwoche traditionell tägliche Andachten - "Passionsandachten" - abgehalten. Die Kreuzwegandacht wird - v. a. in katholischen Kirchen - während der ganzen 40-tägigen Passionszeit abgehalten, besonders feierlich jedoch am Karfreitag. In Jerusalem feierte man schon im 3. Jahrhundert die ganze Heilige Woche, indem man den Weg Jesu nachging. Vorläufer der heutigen Kreuzwegandachten sind seit dem 15. Jahrhundert bekannt, prägend war stets der Franziskanerorden. Noch heute haben die Franziskaner das Privileg der Errichtung von Kreuzwegen in der katholischen Kirche.

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Ostern

(Bild Medienpark/Pfander)

Ostern ist neben Pfingsten das älteste Fest (es wurde schon um 115 in Rom gefeiert), und es ist das höchste Fest der Christenheit (ausgenommen die protestantische: Hier ist der Karfreitag der wichtigste Feiertag).

Die Wurzeln von Ostern liegen im jüdischen Passah- (Pessach)-Fest. Man hört das noch in den romanischen Namen von Ostern, französisch "pâques" zum Beispiel. Sein Inhalt jedoch ist spezifisch christlich: Ostern ist die Erinnerung an die Auferstehung Jesu von den Toten (vgl. Markus-Evangelium 16,6).

Diese Erinnerung wiederum klingt im Wort "Ostern" mit. Das deutsche Wort "Ostern" geht auf das germanische "Austro" zurück und leitet sich womöglich von einer angelsächsischen Göttin des Frühlings, bzw. der Morgenröte ab.

Die Osterzeit beginnt mit dem Ostermorgen und endet 50 Tage später mit Pfingsten. Bis zum 3. Jahrhundert feierte man Ostern als einen Festtag, im 3. Jahrhundert wurde dann die Woche vorher, die Karwoche, als Vorbereitungszeit zur Fastenzeit; im 4. Jahrhundert wurden die "drei heiligen Tage" von Gründonnerstag Abend bis Ostersonntag Morgen als Höhepunkt des Kirchenjahres eingeführt.

Das 1. Konzil von Nicäa legte fest, dass der Ostersonntag am 1. Sonntag nach dem 1. Vollmond nach Frühlingsanfang gefeiert wird. Daraus ergibt sich, dass der Ostersonntag nach dem im Westen gültigen gregorianischen Kalender frühestens am 22. März, spätestmöglich am 25. April stattfindet.

Traditionell wird in orthodoxen und katholischen Kirchen, zunehmend auch in reformierten, die Osternacht gefeiert. In dieser Nacht vor Ostern passiert die Wende von der Trauer zur Freude. In der Osternachtsfeier wird deshalb die Osterkerze entzündet, die die ganze Freudenzeit hindurch (d.h. bis Pfingsten) am Brennen bleibt.

Im 12. Jahrhundert wurden erstmals nachweislich Eier geweiht. Eier gelten seit jeher als Fruchtbarkeitssymbol; im Mittelalter waren sie als Zahlungsmittel bedeutend. Neben Eiern wurden bald auch Schinken, Milchprodukte und Brot zur Weihe gebracht. Man wollte die lange Fastenzeit mit dem Verzehr der geweihten Speisen würdig beenden. Im 13. Jahrhundert werden erstmals bemalte Ostereier erwähnt. Nach den Fastenvorschriften war der Verzehr von Eiern in der Karwoche untersagt; die Hennen legten trotzdem, die Eier wurden gelagert; am Ostermorgen war dann der Eierkonsum besonders hoch. Man beschloss, diese gesammelten "Karwochen-Eier" zu bemalen und weihen zu lassen, damit sie sich von gewöhnlichen "Jahres-Eiern" unterscheiden. Die kunstvolle Bemalung der Eier war vor allem in Osteuropa verbreitet.

Evangelische Familien entwickelten im 17. Jahrhundert den Osterhasen als Eierlieferanten. Er sollte die Eier bemalen, verstecken und legen. Damit wollten die Protestanten sich von den Katholiken distanzieren, deren Fastenbräuche und Eierweihe sie ablehnten. Der Osterhase ist Symbol für Ostern und neues Leben wegen seiner Fruchtbarkeit - besonders im Frühling - und weil er mit offenen Augen schläft. Auch der Hahn brachte in manchen Gegenden die Eier, in der Schweiz der Kuckuck, in Westfalen der Fuchs, in Thüringen der Storch. Erst im 19. Jahrhundert konnte sich der Osterhase überall durchsetzen.

Dieser Artikel verwendet Material aus:

Ökumenisches Heiligenlexikon, www.heiligenlexikon.de

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Auffahrt

(in Deutschland: Christi Himmelfahrt)

Die Kirchen feiern an Auffahrt Christi Himmelfahrt, die Auffahrt des auferstandenen Jesus in den Himmel.

Die Begebenheit, die dem christlichen Fest zugrundeliegt, schildert der Evangelist Lukas im Neuen Testament (Lukas, Kapitel 24, Verse 50 - 53) so:

«Er führte sie aber hinaus bis nach Betanien und hob die Hände auf und segnete sie. Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel. Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.»
(zitiert nach der Luther-Übersetzung 1984).

Das Markus-Evangelium weiss weiter: "Nachdem der Herr Jesus mit ihnen geredet hatte, wurde er aufgehoben gen Himmel und setzte sich zur Rechten Gottes." (Markus 16,19) Der Platz rechts vom Hausherrn gebührte seit der Antike dem Thronfolger oder dem Ehrengast.

Ursprünglich feierten die Christen das Fest zusammen mit Pfingsten. Erst im 4. Jahrhundert bekam es einen eigenen Feiertag: den 40. Tag nach dem Ostersonntag. Deshalb fällt das Fest immer auf einen Donnerstag.

In den Alpenländern gab es den Brauch, am «Auffahrtstag» in der Kirche eine Christusstatue symbolisch zur Decke hinaufzuziehen und im Dachstuhl verschwinden zu lassen. Häufig liess man danach Oblaten, Mandeln und Rosinen auf die Gläubigen hinabregnen. Die Kränze und Blumen des Altarschmucks nahmen die Kirchengänger mit heim und hängten sie in Haus und Stall auf. Wie den Kräutern, die bei den Flurprozessionen am Himmelfahrtstag gepflückt wurden, schrieb ihnen der Volksmund besondere Schutz- und Heilkraft zu.

Weitere Infos

Christi Himmelfahrt bei Wikipedia

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Pfingsten

Kameruner Pfingstfest (Bild Medienpark/Pfander).

Das Pfingstfest findet 50 Tage nach dem Ostersonntag statt, der eigentliche Festtag ist also der Pfingstmontag.

Diese Zeitspanne wurde aus der Tradition der Juden übernommen, das Fest war dort zunächst das Fest der Darbringung der Erstlingsfrüchte im Tempel (2. Mose 23, 16); später als "Wochenfest" bezeichnet (2. Mose 34, 22) und - wohl erst in nachalttestamentlicher Zeit - 50 Tage nach dem Passah-Fest angeordnet (daher der Name: griechisch "Pentekoste", der "50. Tag").

Pfingsten in der Kirche ist das Fest des Heiligen Geistes, der auf die Apostel herabkam, als diese in Jerusalem versammelt waren (Apostelgeschichte 2). Die Sprachverwirrung, die beim Turmbau zu Babel erfolgte (1. Mose 11, 1 - 9), wurde nun durch die eine Sprache des Geistes überwunden, Verständigung wurde neu möglich unter Menschen und zwischen Mensch und Gott (Apostelgeschichte 2, 6). Zugleich brachte der Geist allerdings die Menschen derart in Verzückung, dass sie in Zungen redeten ("Glossolalie"). Aussenstehende mochten dieses Phänomen allerdings nicht religiös deuten und meinten: "Die Leute sind doch betrunken". (Apostelgeschichte 2,13) - Petrus wiederum kontert in seiner berühmten Pfingstrede diese Einwürfe und fordert die Menge auf: "Kehrt jetzt um und macht einen neuen Anfang! Lass euch alle auf den Namen Jesu Christi taufen. Dann wird Gott euch eure Schuld vergeben und euch seinen heiligen Geist schenken" (2,38). Dieser Zusammenhang gilt noch heute: Am Pfingstgeist bekommt der Einzelne in der Taufe Anteil.

Pfingsten bildet im Kirchenjahr den Abschluss des Osterfestkreises. Im 6. Jahrhundert wurde eine Taube zum Symbol des Heiligen Geistes und damit auch für Pfingsten. Im Mittelalter wurde der Heilige Geist auch in menschlicher Gestalt dargestellt, Papst Urban VIII. untersagte im 17. Jahrhundert solche Darstellungen.

In Vergessenheit geraten ist der mittelalterliche Brauch des "Heiligen Geist Schwingens". Dabei wurde eine hölzerene Taube durch eine Öffnung der Kirchendecke herab gelassen und in Schwingung versetzt. Verbreitet war auch das Freilassen lebendiger Tauben, die während des Pfingstgottesdienstes den Kirchenraum durchflogen.

Dieser Artikel verwendet Material aus:

Ökumenisches Heiligenlexikon, www.heiligenlexikon.de

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Bettag

Gottesdienst zum Bettag (Bild Medienpark/Pfander).

(Eidgenössischer Dank-, Buss- und Bettag)

Dankgottesdienste und Bussfeiern wurden zu allen Zeiten begangen. Dazu wurde das Volk Israel schon im Alten Testament aufgerufen. Und in manchen jüdischen Festen ist bis heute etwas von dieser Verbindung von Dank, Freude und Umkehr zu spüren.

Dank- und Bussfeiern haben auch im Christentum ihren Ort gefunden und sind in der Schweizer Geschichte immer wieder ein Thema, besonders in Zeiten der Not. Im Spätmittelalter tauchen sie als Gegenstand eidgenössischer Tagsatzungen auf.

Die Geschichte der institutionalisierten Dank- und Bussfeier, des «Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettags», ist eng mit jener des werdenden Bundesstaates Schweiz verbunden. Zum ersten gesamtschweizerischen Dank-, Buss- und Bettag kam es am 8. September 1796. Und seit 1832 steht auch das Datum fest: jeweils der dritte Sonntag im September. Sein eigentliches, heutiges Gewicht erhielt der Tag also im Umfeld der Gründung des Bundesstaates von 1848.

Der Bundesstaat von 1848 war keine Selbstverständlichkeit, sondern musste errungen werden. Noch standen das junge Staatsgebilde und der Religionsfriede (zwischen Katholischen und Reformierten) auf wackligen Beinen. So war es klug, mit einem gemeinsamen Dank-, Buss- und Bettag auf die Verwurzelung in der christlichen Tradition hinzuweisen und durch die gemeinsame Besinnung dem noch fragilen Staatsgebilde ein festigendes Element zu geben. Damit wurde das Verbindende betont und der Respekt vor dem politisch und religiös Andersdenkenden gefördert.

Zunächst erliessen die Kantonsregierungen Bettagsaufrufe, sogenannte Bettagsmandate, die aus religiöser Sicht auf die aktuellen geistigen, sittlichen, aber auch politischen, wirtschaftlichen und sozialen Themen eingingen. Als Zürcher Staatsschreiber verfasste z.B. Gottfried Keller 1863-72 solche Mandate.

Die politischen Behörden haben sich aber aus der Verantwortung für Bettagsaufrufe weitgehend zurückgezogen und diese den Kirchen überlassen, im Kanton Zürich bereits 1872. Ausnahmen sind die Kantone Aargau, Luzern und Graubünden. Im Aargau haben sich Landeskirche und Regierung darauf verständigt, je alternierend den Bettagsaufruf zu erlassen. Im Kanton Graubünden wird das Bettagsmandat von der Regierung herausgegeben und am Sonntag vor dem Bettag von der Kanzel verlesen.

Heute wird der Bettag als ökumenischer Festtag begangen. Er ist der Tag der Solidarität, der Tag der Geschwisterlichkeit. Er zeigt, dass wir Menschen zusammengehören, dass wir als «Kinder Gottes» nicht nur untereinander, sondern mit der ganzen Schöpfung Gottes verbunden sind, dass wir füreinander und für die Schöpfung Verantwortung tragen.

Quellen:

Historisches Lexikon der Schweiz (HLS): www.dhs.ch

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Allerheiligen/Allerseelen

(Bild Medienpark/Pfander)

 

Allerheiligen, Allerseelen, Totensonntag bzw. Ewigkeitssonntag

 

Allerheiligen

1. November

Allerseelen

2. November

Ewigkeitssonntag
bzw. Totensonntag

Letzter Sonntag vor dem 1. Advent

(Die Termine werden hier gemeinsam behandelt, weil sie alle drei im weiteren Sinn Gedenktage für Verstorbene sind. Die beiden ersten entsprechen dabei vor allem katholischen Brauchtum, der Ewigkeitssonntag wird auch in der reformierten Kirche offiziell begangen.)

Jährliche Gedenktage für Verstorbene - seien es Märtyrer, Heilige oder "Normalsterbliche" - gab es bereits im antiken Christentum. Seit dem 9. Jahrhundert hat dieses Gedenken ein festes Datum: Allerheiligen wird am 1. November begangen. 998 legte dann Odilo von Cluny die Allerseelenfeier für den 2. November fest, die Mönche von Cluny verbreiteten das Fest im 11. Jahrhundert, in Rom wurde es erstmals im 14. Jahrhundert gefeiert.

An beiden Tagen wird der Verstorbenen gedacht - mit verschiedenen Schwerpunkten. An Allerheiligen stehen - der Name sagt es - alle Heiligen (Märtyrer) im Mittelpunkt. Anno 835 wurde Allerheiligen in diesem Sinne von Papst Gregor IV. eingeführt.

An Allerheiligen werden auch die Gräber auf den Friedhöfen von den Angehörigen geschmückt, bei Katholiken wird das "Seelenlicht" entzündet, das auch noch am darauffolgenden Allerseelentag leuchtet. Damit leitet Allerheiligen allerdings bereits über zu Allerseelen.

Denn an Allerseelen steht die Hilfe der Lebenden für die Verstorbenen im Zentrum. Folgenreich war in diesem Zusammenhang der Armseelenkult. Dieser Kult wurde durch die von einigen Kirchenvätern vertretene und vom Trienter Konzil bestätigte Auffassung gefördert, die Seelen Verstorbener, die vor Gottes Gericht bestanden hätten, seien vor ihrer Aufnahme in den Himmel an einem Ort der Reinigung (Purgatorium, Fegfeuer). Die Lebenden könnten den Toten durch Armseelenspenden helfen: Messopfer, Gebete, Opfer und Fasten. Eben diese „Pflege der Seelen” in Form von „Seelgerätestiftungen”, die Hilfe der Lebenden für die Verstorbenen, deren endgültige Erlösung durch „gute Werke” befördert werden sollte, konzentrierte sich auf Allerseelen.

Die Reformatoren hatten mit beidem Mühe: Mit der Heiligenverehrung im Speziellen, und mit dem Totenkult im allgemeinen. Daraus ergibt sich eigentlich schon, dass weder Allerheiligen noch Allerseelen Chancen hatten, in den reformierten Festtagskalender aufgenommen zu werden.

Für lange Zeit galt in protestantischen Gebieten vielmehr die Devise aus Matthäus 8, 22: "Lass die Toten ihre Toten begraben...". - Jedes Risiko des Totenkults wurde ausgeschaltet, ein spätes Echo dieser Todesaustreibung gibt die reformierte Zürcher Kirchenordnung, die noch heute die Aufbahrung eines Sargs in der Kirche verbietet.

Seit dem 19. Jahrhundert gibt es aber auch in protestantischen Gebieten stärkere gegenläufige Bewegungen. So entwickelte sich in Deutschland die Tradition des Totensonntags, der am letzten Sonntag im Kirchenjahr gefeiert, bevor mit dem 1. Advent das neue Kirchenjahr beginnt.

Das Datums ist nicht zufällig gewählt: Es bezeichnet zum einen das Ende, das Unwiederbringliche eines abgeschlossenen Zyklus. Indem auf dieses Ende aber der Advent, der von Gott gesetzte Neuanfang folgt, wird auch der Glaube veranschaulicht, dass der Tod nicht das letzte Wort ist.

Dieser Totensonntag gelangte - zumeist unter dem Namen "Ewigkeitssonntag" - im Laufe des 20. Jahrhunderts auch in die reformierte Schweiz. Häufig werden im Gottesdienst die Namen aller Gemeindeglieder verlesen, die im Verlaufe des (Kirchen-)Jahrs gestorben sind. Empfohlen ist zudem eine Fürbitte für die Verstorbenen. Im Anschluss an den Gottesdienst begibt sich die Gemeinde auf den Friedhof. - Im übrigen hält der Brauch, an Allerheiligen Lichter auf die Gräber zu stellen, auch in reformierten Friedhöfen Einzug.

Quellen:

Zu Bedeutung und Brauchtum des katholischen Feiertags:
heiligenlexikon.de:

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Reformationssonntag

(erster Sonntag im November)

Der Reformationssonntag ist zunächst ein Gedanktag: Die Reformierten erinnern sich am ersten November-Sonntag an die Reformation, an jene Ereignisse des frühen 16. Jahrhunderts, die schliesslich zur Trennung der sogenannten protestantischen Kirchen von der römisch-katholischen Kirche führten.

Die Besonderheiten des Reformationssonntags werden aber deutlich, wenn man sich seinen historischen Ursprung vergegenwärtigt. Zunächst: Die Festsetzung eines Reformationssonntags auf den ersten Sonntag im November geschah in Zürich 1843, gesamtschweizerisch 1896. Zum zweiten: Von Anfang an war der Reformationssonntag verbunden mit der von den Protestantisch-Kirchlichen Hilfsvereinen verwalteten Reformations-Kollekte für die Diaspora-Gemeinden in der Schweiz und im angrenzenden Ausland.

Darin zeigt sich zweierlei. Zum einen stammt der Reformationssonntag aus der Zeit des aufkommenden Historismus, des wachsenden Bewusstseins über historische Differenzen und Verwandtschaften, der das "Gedenken" erst so recht in Mode brachte. Und zum anderen stammt er aus einer Zeit des (erneuerten) konfessionellen Zusammengehörigkeitsgefühls, erneuert nicht zuletzt durch die wachsende Zahl protestantischer Gemeinden in den katholischen Kantonen, in der sogenannten Diaspora. Eben zu deren Unterstützung entstanden in der ersten Jahrhunderthälfte an verschiedenen Orten die Protestantisch-Kirchlichen Hilfsvereine.

Etwas verwirrlich bleibt die Festlegung des Gedenktags auf den ersten Sonntag im November: Die Erste Zürcher Disputation vom 29. Januar 1523, zu der Zwingli seine 67 Artikel oder Schlussreden verfasste, gilt gemeinhin mit dem Beschluß der Regierung, seine Tätigkeit zu unterstützen, als Startdatum des Reformationsprozesses der folgenden Jahre. Eine alternative Datierungsmöglichkeit für den "Anfang" der Reformation fand die Zürcher Kirche, die ab 1619 jeweils Zwinglis Amtsantritt als Prediger am Großmünster am 1. Januar 1519 zum Anlaß des Reformations-Gedenkens nahm.

Der erste Sonntag im November hingegen lässt sich auf keine Urszene der schweizerischen Reformationsgeschichte zurückführen. Vielmehr stand den Schweizern eine deutsche Einrichtung vor Augen. 1840 wurde in Zürich an der Versammlung der Schweizerischen Predigergesellschaft auf das deutsche Vorbild des Reformations-Festes mit Sammlung für die Anliegen der Reformation hingewiesen. Eben dieses deutsche Reformationsfest findet (seit dem späten 17. Jahrhundert) am 1. Sonntag im November statt: In Erinnerung an die Veröffentlichung von Luthers 95 Thesen über Ablass und Busse am Vorabend des Allerheiligenfestes 1517 in Wittenberg, also dem 31. Oktober ...

So gedenken die Schweizer Reformierten "ihrer" Reformation also ausgerechnet an einem Datum, an dem der Protestantismus von Zwinglis Antipode Luther seinen Ausgang nahm.

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