Reformierte Kirche in der deutschen Schweiz : Konflikte um religiöse Bauten gibt es vor allem in Vorstädten und Agglomerationen

Konflikte um religiöse Bauten gibt es vor allem in Vorstädten und Agglomerationen

08.02.10 14:18

Von: ref.ch

An einer Tagung Ende Januar in Zürich stellten Religionswissenschaftler der Universität Zürich Erkenntnisse über Konflikte rund um religiöse Bauten vor. Diese Konflikte finden in Vorstädten und Agglomerationen statt – Gegenden, die durch Wachstum und zunehmende Besiedelung und einen Verlust des dörflichen Charakters gekennzeichnet sind.

 

Im Rahmen des Nationalfondsprojekts 58 «Sichtbar gemachte religiöse Identität – Differenzierungswahrnehmung und Konflikt» untersuchen die Religionswissenschaftler Rafael Walthert sowie die Religionswissenschaftler Dorothea Lüddeckens und Christoph Uehlinger von der Universität Zürich das Konfliktpotenzial öffentlich sichtbarer religiöser Zeichen. Dazu analysierte das Forschungsteam Konfliktfälle in Belp, Wangen und Langenthal. An der Tagung präsentierten die Forschenden erste Erkenntnisse:

Die Konflikte fänden in Vorstädten und Agglomerationen statt. Diese Ortschaften befänden sich in einem breiten Wandel, der durch Wachstum und zunehmende Besiedelung und einen Verlust des dörflichen Charakters gekennzeichnet sei. Religiöse Bauprojekte von Migranten würden im Zuge solcher breiteren Entwicklungen verurteilt. So war in Belp im Streit um den Bau einer Kuppel einer serbisch-orthodoxen Kirche und der Errichtung eines Zentrums der tamilischen-hinduistischen Vereinigung vom «Verlust des dörflichen Charakters» oder von «Ghettoisierung» die Rede.

Während in Grossstädten als «fremd» Empfundenes zum alltäglichen Bild gehöre, so die Forschenden, falle es in weniger stark urbanisierten Kontexten stark auf. Die Projektanten der Bauvorhaben würden in den Auseinandersetzungen nicht als Gäste oder Besucher gesehen, sondern als Fremde, die gekommen sind, um zu bleiben.
Minaretten werde von ihren Gegnern die Symbolisierung eines Machtanspruches unterstellt. Im Zuge einer entdifferenzierenden Wahrnehmung des Islams könne dieser weiter als Gegenstand für eine eindeutige Abgrenzung herhalten, über die das eigentlich schwer bestimmbare Eigene definiert werden kann. So erhalte der in den Konflikten um Wangen beschworene christliche Kulturkreis nicht dadurch Konturen, dass er in den Diskursen positiv bestimmt werde, sondern dadurch, dass er vom Fremden und seinen Symbolen abgegrenzt wird.

Einen ausführlichen Artikel zur Tagung «Leben mit kultureller Differenz und Fremdheit – Politisch instrumentalisierte Emotionen» lesen Sie im Medienheft.


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