Zürcher Reformierte: Widerstand gegen Milieu-Sensibilisierung


10.02.2012 14:02
Von: ref.ch News/kipa

Gegen die im November präsentierte Milieu-Studie der reformierten Landeskirche des Kantons Zürich regt sich Widerstand. Eine neu gebildete «Reflexionsgruppe a-sinus» kritisiert insbesondere das Milieudenken und die Werbesprache. Dies schreibt die Zeitung «Reformiert» am 10. Februar.


Federführend in der «Reflexionsgruppe a-sinus» ist gemäss der Zeitung Paul Leuzinger, Pfarrer in Zürich-Witikon. Ihm gefällt schon das Grundkonzept der Studie nicht, das Menschen in verschiedene gesellschaftliche Milieus unterteilt. «Kirche für alle bedeutet das Zusammenkommen von Menschen aus allen Schichten und Milieus und nicht, ähnlich Gesinnte zusammenzuführen», sagt er gegenüber der Zeitschrift.

Orientiere sich die Kirche am Milieudenken der Studie, drohe eine künftige Aufsplitterung der Gläubigen, befürchtet er. «Das Übergreifende der Kirche, das Gemeinsame und Verbindende, das sie stark macht, geht verloren.» Ausserdem störe ihn der Marketinggedanke hinter der Milieu-Studie. Ein anderer Kritiker der Studie moniert, die Adaptierung der Werbesprache für die Kirche sei ein «theologischer Sündenfall».

Das vom sozialwissenschaftlichen Sinus-Institut entwickelte Forschungsmodell umfasst zehn Milieu-Typen. Die Untersuchung der Zürcher Landeskirche ergab, dass diese nur in zwei bis drei Milieus fester Bestandteil des Lebens ist, nämlich bei den Traditionell-Bürgerlichen, den Genügsamen Traditionellen und den Arrivierten.

Matthias Krieg, Theologischer Sekretär und Zuständiger für das Milieu-Projekt, verteidigt die Milieustudie: «Die Landeskirche will aus der Verengung auf nur zweieinhalb von zehn Milieus raus.» Hauptziel der Milieustudie sei es, die Milieusensibilität der Kirche zu erhöhen und zu erreichen, dass mehr Menschen am kirchlichen Angebot teilnehmen.

Laut einem anderen Artikel in derselben Zeitung arbeiten die Stadtzürcher Reformierten bereits an einer Reform auf Kirchgemeindeebene – im Rahmen einer Gesamtstrukturreform. In den drei favorisierten Modellen sind Profilgemeinden vorgesehen, also Gemeinden, die auf bestimmte gesellschaftliche Milieus zugeschnitten sind. Im Herbst soll darüber entschieden werden.



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