Jesus als Comic - bitte nicht?

© 2010 by Siku

«Ding, ding, ding! Jesus … Fiktion … Graphic Novel … Superheld. Alarmglocken!», schreibt ein Theologe im Vorwort zum Comic «Jesus». Ähnlich geht es da wohl dem durchschnittlichen Comic-Leser, der zwar Geschichten über griechische Götter oder Engel mit Feuerschwertern gewohnt ist, aber bei explizit christlichen Geschichten missionierende Absichten wittert.

Jesus. Siku. 351 Seiten. 2011 Ehapa Comic Collection. Fr. 29.90.

Patricia Dickson - Zum Glück ist dem englisch-nigerianischen Künstler Siku mit «Jesus» ein solider Comic gelungen, der ohne Belehrungs- und Bekehrungsversuche auskommt. Siku, der nicht nur Comic-Zeichner, sondern auch Theologe ist, will Jesus als Helden darstellen und dabei möglichst historisch korrekt bleiben. So quetscht er nicht einfach Bibelpassagen in Bildsequenzen und Sprechblasen, sondern nutz das Medium Comic, um dem Leser ein ungeschöntes, dafür umso spannenderes Bild der damaligen Gesellschaft zu zeichnen.

«Man sagt, nichts Gutes kommt aus Galiläa …»

Beim Ablauf der Geschehnisse bleibt Siku der Bibel treu, getraut sich aber, Jesus als Figur dramatisch zu inszenieren und geizt auch nicht mit Actionszenen. Mit den Worten «Man sagt, nichts Gutes kommt aus Galiläa» baut er im Prolog eine Spannung auf, die sich durch alle dreihundert Seiten zieht. Diese Spannung hilft dann auch über jene Stellen, wo vom Leser etwas zu viel Bibelwissen verlangt wird, um den Zusammenhang zu begreifen oder wo die Sprechblasen zu viele Informationen auf zu kleinem Raum vermitteln wollen. Erst recht schön sind dann die Momente, wenn Siku tut, was er wirklich kann: die Bilder sprechen lassen.

Gejagt und geliebt

Es muss gesagt sein: Jesus eignet sich als Comic-Held. Er kann Wunder vollbringen, hat mächtige Widersacher und rettet mit seinen Taten die Menschheit. Jesus hat seine mystischen Momente, kann wütend werden und nicht zuletzt ist er eine Bedrohung für die Mächtigen. Siku zeigt diese Facetten und lässt auch die Grenze zwischen Anhängern und Gegnern verschwimmen. Damit werden dem Leser die Zusammenhänge nicht zwangsläufig klarer, aber es entsteht ein dramatischer Sog, der ihn bis zur letzten Seite durchhalten lässt – anfänglicher Bedenken zum Trotz.

 


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