Medien-Allrounder aus dem Tessin

Der Theologe Paolo Tognina verschafft der reformierten Tessiner Kirche viel Öffentlichkeit.

Von Monika Dettwiler *

Sein Italienisch ist Musik. Kein Wunder, dass seine drei Kinder gern Geschichten von ihm hören – manchmal auch Febe, die schon 14 ist. Paolo Tognina lebt mit seiner Familie in einem restaurierten Altbau in Manno, nahe beim Arbeitsort Lugano, und doch hat er wenig Zeit für sie.

Der Medien-Allrounder der evangelisch-reformierten Tessiner Kirche wünscht sich mehr Zeit. «Ich muss alles rasch machen und möchte eigentlich einen Dokumentarfilm gross vorbereiten können wie andere auch.» Die Kurzübungen schaden den Resultaten offensichtlich nicht. 2008 gewann Tognina mit «L’evangelo secondo Schubert» den Neuenburger Prix Farel in der Kategorie Kurzfilme. Die Serie wurde sogar nach Frankreich verkauft.

Im Tessin leben die Protestanten in der Diaspora, da bekommt Tognina für sein wöchentliches TV-Programm «Segni dei Tempi» nicht die beste Sendezeit; trotzdem habe die Reihe viele Fans, sogar unter Katholiken. Das gilt auch für seine Radiosendungen. Der «Pensiero evangelico» am Sonntagmorgen verzeichnet über 20’000 Zuhörende. Ab September produziert Tognina mit einem katholischen Kollegen eine neue ökumenische Sendung.

Überhaupt ist der Medienmann aus Brusio GR, der in Rom und Atlanta Theologie studiert hat und von der Waldenserkirche ordiniert worden ist, stolz auf sein Netzwerk. Er kennt Radio-, TV- und Zeitungsleute; das gibt ihm als Informationsbeauftragtem der Tessiner Kirche auch die Möglichkeit, Redaktionen zu beraten, wenn sie bei religiösen Themen sichergehen möchten.

Tognina pflegt viele berufliche Leidenschaften. So hat er als Co-Autor die Geschichte des Tessiner Protestantismus geschrieben, er gibt Publikationen heraus oder übersetzt sie, tritt als Referent oder Moderator auf und hat am Filmfestival von Locarno zweimal als Mitglied der Ökumenischen Jury gewirkt. Nicht zu vergessen die «Voce evangelica», die Zeitschrift für die Tessiner Reformierten, die er seit sechs Jahren verantwortet, und die von ihm aufgebaute gleichnamige Internetseite. Nebenbei begleitet er als kirchlicher Medienmann die Gottesdienstübertragungen des Tessiner Fernsehens. Ob der Redaktor und Regisseur bei so viel Engagement nicht doch manchmal seinem früheren romantischen Heim im Malcantone nachtrauert, der Zeit, als die Wildschweine im Abendrot aus dem Wald vors Fenster kamen und er ein Leuchten in Febes, Adas und Filippos Kinderaugen sah?

* Monika Dettwiler ist Co-Chefredaktorin der Reformierten Presse.

Quelle: Reformierte Presse Nr. 26/09.

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Steckbrief

Lieblingsmenu:
Pizzoccheri mit robustem Wein

Lebensmotto: Die Zeit gut nützen

Religiöse Ausrichtung:
Pietist linker Ausrichtung

Protestantisches Idol: keines

Freizeit:
Wenig, in den Bergen wandern

Buch für die Insel:
Cronache di Narni

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