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«Jesus war auch kein zahmer Löwe»
Der reformierte Pfarrer Samuel Hug aus Wattenwil BE liebt harten Rock und organisiert Metal-Festivals. Von Matthias Böhni * Auf Facebook hat er sich einen Namen gegeben, der auffällt: Samuel Metalpfarrer Hug. So wurde auch der Schreibende auf ihn aufmerksam. Samuel Hug, ordinierter Theologe mit Jahrgang 1981, stammt aus dem St. Gallischen, hat in Bern Theologie studiert – und liebt Musik, und zwar deftig. Dem Metal-Sound gehört seine Leidenschaft. Dieser Stil – mit zahlreichen Subgenres, darunter Heavy-, Black- und Death Metal – ist nichts für Weicheier, «keine Hirtenmusik, sondern harte Musik: männlich, aggressiv, energiegeladen, ausdrucksstark, pathetisch», sagt Samuel Hug, und seine Augen blitzen. Seines Wissens ist er der einzige Pfarrer in der Schweiz mit dieser Passion. Allerdings gefalle ihm der inhaltliche Groove nicht immer: «Metal kokettiert oft mit Satanismus und Neuheidentum, der Lifestyle ist Bier-orientiert und sexuell eher freizügig», sagt Hug. «Als Christ bin ich als Metal-Fan doppelt in der Minderheit: In der Metal-Szene gibt es relativ wenig bekennende Christen, und die frommen Christen verstehen diese aggressive Musik oft nicht.» Dabei kämen Aggressionen und Leid auch in der Bibel vor, Metal nehme die Themen lediglich auf. Viele «Metal Heads» tickten anders als normale Leute, seien religionskritisch, archaisch, suchten aber nach der Wahrheit, es gehe oft um Leben und Tod. «Auch Jesus war kein zahmer Löwe, dem man die Zähne gezogen hat. Er hätte gut in eine Metal-Band gepasst», meint Samuel Hug. «Metal Ministry» nennt er seine Berufung, das Evangelium in der Metal-Szene zu verbreiten. Das macht er zum Beispiel beim christlichen Metal-Festival «Elements of Rock», das im März zum achten Mal in Uster ZH stattfindet. Unter anderen wird die Band «Antestor» dort auftreten, und sie ziert auch Hugs Pullover. Hug ist an diesem Festival für geistliche Belange zuständig und wird die Gottesdienste leiten. Dazu ist er Präsident des Vereins «Unblack», der die christliche Arbeit in der Szene trägt. Er organisiert Musikertreffen, vernetzt die Szene im Web, macht Promotion – nach dem Gespräch wird er in einer christlichen Buchhandlung in Bern einen Flyer aufhängen.Samuel Hug – ein wilder Metal-Kerl? Zwar trägt er zahlreiche Festivalbändchen am Handgelenk und kann auch recht wild blicken. Aber er hat auch eine andere, ruhigere Seite, zum Beispiel als Ehemann und Vater von Micha, neun Monate, und Elijah, gut zweieinhalb Jahre alt. Oder als Pfarrer im 50-Prozent-Pensum mit dem Schwerpunkt Jugendarbeit. Und vor kurzem hat er den technischen Lehrgang zum Armeeseelsorger absolviert – in gewissem Sinne schliesst sich hier der Heavy-Metal-Kreis. * Matthias Böhni ist Redaktor der Reformierten Presse und Projektleiter ref.ch. Quelle: Reformierte Presse 3/11 |
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