«Sich nicht abfinden mit der Welt, wie sie ist»

Pascale Rondez. (Bild medienpark/Parmar)

Die Theologin Pascale Rondez arbeitet im reformierten Hochschulforum Zürich. Sie tanzt leidenschaftlich und bedauert, dass die Kirche heute die Leitmilieus nicht mehr erreicht.

Von Matthias Böhni *

Der Reporter hat eine Blondine erwartet, nun kommt sie dunkelhaarig mit roten Fransen und einem schwarzen, flauschigen Schal. «Die Haarfarbe kann schnell ändern», lacht Pascale Rondez, «und das Bild im Internet hält nicht immer Schritt mit der neusten Entwicklung.» Man ist fast ein bisschen überrascht von der lebenslustigen, grossgewachsenen Frau, die leidenschaftlich gerne Musik hört, tanzt und wöchentlich Konzerte besucht, oft der Kategorie World Music. Dabei ist sie Pfarrerin und Doktorin der Theologie mit einer beachtlichen Publikationsliste (unter anderem schreibt sie Rezensionen für die «Reformierte Presse»).

Zudem hat sie den Kommentar zum Markusevangelium der neuen Zürcher Bibel geschrieben – allerdings hatte sie Glück im Unglück, denn ein Kaffee ergoss sich über den Laptop. Ein Techniker konnte die Bytes herausziehen, bevor die Korrosion einsetzte.

Pascale Rondez, Jahrgang 1968, gestaltet interdisziplinäre Projekte im reformierten Hochschulforum Zürich. «Ich bin fasziniert von der Bildungsarbeit», meint sie dazu. Sie bereitet das Semesterthema vor – aktuell heisst es «Sendepause» –, lektoriert das Programmheft oder organisiert Workshops. «Wir versuchen, den Studierenden Räume zu öffnen und mit ihnen existenzielle Fragen zu reflektieren. Wir holen sie bei ihrem Wissen ab und darin, sich nicht abzufinden mit der Welt, wie sie ist.» Die Kirche habe dazu etwas beizutragen, meint Rondez.

Vor dem Hochschulforum arbeitete sie vier Jahre bei Mission 21 im Bildungsbereich, davor hatte sie eine zweijährige Stellvertretung als Pfarrerin im Zürcher Oberland inne. Das Studium der Theologie in Zürich war ihr nicht in die Wiege gelegt, die dem Jura ver-bundenen Eltern waren kirchlich nicht aktiv und hatten eher einen kulturellen Zugang. Erst der Konfpfarrer weckte bei Pascale Rondez die Lust am Glauben und löste bei ihr intensives Nachdenken über die Bibel aus. «Biblische Texte lassen einen neu sehen und öffnen die Augen für die Schönheit und Verletzlichkeit der Welt. Sie geben aber auch die Freiheit, jemand anderes zu werden», sagt sie.

Besonders beschäftigt sie die Zukunft des Christentums im urbanen Kontext oder die theologischen Dimensionen des Nord-Süd-Gefälles, das sie aus eigener Anschauung aus Westafrika kennt. Und es bekümmert die Neutestamentlerin, dass der Glaube heute oft sprachlos sei – «mit dem Resultat, dass die Kirche die Leitmilieus kaum erreicht».

* Matthias Böhni ist Projektleiter ref.ch und Redaktor der Reformierten Presse.

Quelle: Reformierte Presse 2/11


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