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«Wir waren eine normale jüdische Familie»Ruedi Hoffmann hält ein jüdisch-christliches Alters- und Pflegeheim in Basel in Schwung. Von Monika Dettwiler* Zwei Feiertage pro Woche, der Sabbat und der Sonntag, gehören im Holbeinhof in Basel genauso zur Norm wie drei Seelsorger und ein leise tröpfelnder interreligiöser Dialog ohne theoretische Floskeln. Das jüdisch-christliche Alters- und Pflegeheim ist mit seinen drei Küchen und seinem Konzept ein Unikat in Europa. Den ungewöhnlichen Alltag hält der Heimleiter und ursprünglich gelernte Koch Ruedi Hoffmann mit einer aus fast 20 Nationen stammenden Belegschaft in Schwung. Seine Eltern: Vater als Ungar in der Schweiz geboren, seine Mutter aus Budapest. «Meine Mutter kam aus dem KZ», erzählt Ruedi Hoffmann. An Schlüsselerlebnisse, die ihn zum Glauben geführt hätten, kann er sich nicht erinnern. «Wir waren eine normale jüdische Familie, da gehörten Traditionen und Judentum einfach dazu.» Er fahre am Samstag jetzt zwar Auto und esse alles, aber der Sabbat sei auch in seiner eigenen Familie wichtig. «Ich bin ein Basler», meint er. «Ich habe meine christlichen und jüdischen Freunde, genau wie meine Kinder auch.» Beim Heiraten aber gebe es eine Grenze. Seine Frau ist eine Jüdin aus Israel. Im Holbeinhof existieren zwei jüdische und drei andere Stockwerke, wo Reformierte, Katholiken und auch Konfessionslose wohnen. Die Unterteilung ist nötig wegen den jüdischen Gepflogenheiten, die am Sabbat und an Feiertagen auf den jüdischen Etagen eingehalten werden müssen. Man isst das gleiche Menu, nur in Koscher- und Normalform, man feiert an anderen Tagen Gottesdienst, was viel Organisation bedingt. Der Mehraufwand kostet, und deshalb leistet der Verein Jüdisches Heim La Charmille eine Defizitgarantie. Die Trägerschaft besteht aus dem Bürgerspital, der Bürgergemeinde Basel-Stadt und dem Verein zu gleichen Teilen. Die Bewohner bezahlen alle, der Pflegestufe entsprechend, die gleichen Tagestaxen. Ruedi Hoffmanns Grundauftrag lautet, die Religionen im Basler Heim nicht neben-, sondern miteinander leben zu lassen. Das gelingt Tag für Tag. Das Pessachfest etwa feiern auch Christen mit, und jüdische Gäste helfen oft beim Schmücken des Christbaums, erzählt Hoffmann. Bei Konzerten, beim Gedächtnistraining, beim Kochen oder Malen gibt es gemischte Gruppen; das funktioniere gut, «auch weil die Pensionäre und Pensionärinnen ja beim Eintritt schon gewusst haben, dass vieles gemeinsam läuft». * Monika Dettwiler ist Co-Chefredaktorin der Reformierten Presse. Quelle: Reformierte Presse Nr. 17/09. |
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