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«Die reformierte Kirche war meine Spielwiese»
Heinrich Müller, früher Tagesschau-Moderator und heute Rockmusiker, ist im Pfarrhaus gross geworden. Von Monika Dettwiler * Kein Wunder, dass Heinrich Müller mit seiner Rockband gern von kirchlichen Veranstaltern engagiert wird. Der frühere Tagesschau-Moderator ist sozuagen in der Kirche aufgewachsen. Zwischen den Bänken habe er Verstecken gespielt und sich auf der Kanzel als kleiner Redner versucht. «Mein Leben war sehr reformiert», erinnert sich Müller, «ich habe mich in der Luzerner Diaspora standhaft geweigert, Heiligenbilder auszumalen.» Am Sonntagmorgen, in aller Herrgottsfrühe, sei der Vater mit der Mutter die Predigt durchgegangen, und diese Zusammenarbeit habe ihn, den Knirps, stark beeindruckt. «Grössten Wert legten meine Eltern auf die Bergpredigt. Ich konnte sie wie Vaters Konfirmanden auswendig.» Lange habe er selber Pfarrer werden wollen, es sei für ihn schwierig gewesen, den Eltern dann zu sagen, er studiere Jurisprudenz. Nach einem mehrere Jahre langen Gastspiel als Unidozent in Nigeria, wo er seine Frau Ruth Balami kennenlernte, wurde Müller Journalist und dann TV-Moderator. Nun macht er Musik, und auch die hatte ihren Anfang im Pfarrhaus. Der junge, Harfe spielende David sei ihm nahegegangen, «ich empfand ihn als Freund». In der Familie habe er viel gesungen und musiziert. Der jugendliche Heiri sang in einem Gospelchor. Nachts sei er oft in den dunklen Kirchenraum geschlichen, um zur Gitarre seine Rocklieder zu singen, «und irgendwie hat das auch der liebe Gott gehört». Heute kreiert der im Zürcher Oberland lebende Müller Texte und Melodien, tritt mit einer Band auf und hat drei CDs veröffentlicht. «Ich schreibe, was mir in den Sinn kommt», meint er offen. «Über die menschliche Natur. Sie ist ein unerschöpfliches Reservoir von Geschichten. Und darin erlebe ich auch das Grossartige, das Unermessliche, das Göttliche.» Könnte der vielseitig Talentierte sich jetzt, mit fast 65, vorstellen, doch Pfarrer geworden zu sein? «Mein Vater meinte, ich habe es geschafft, im Fernsehen komplexe Fakten menschlich rüberzubringen», sagt Müller. In diesem Sinn sei er für seine Eltern doch ein bisschen Pfarrer geworden. «Aber meine Unsicherheit in Glaubensfragen ist geblieben. Darüber müsste ich predigen, aber das will wohl niemand hören.» Inzwischen hat sich jedoch herumgesprochen, dass er keine Mühe hat, sich als Mensch, Musiker und grossartiger Kommunikator in kirchlichen Kreisen zu bewegen. Kirchliche Ämter hat er zwar keine. «Aber wenn es sich aufdrängt, verteidige ich die Kirche gegen jene, die in ihr eine geldfressende Institution sehen, in der sich die Heuchler tummeln. Für mich hat sie eine wichtige moralische und soziale Funktion.» Monika Dettwiler ist Co-Chefredaktorin der Reformierten Presse. Quelle: Reformierte Presse 6/11 |
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