An Weihnachten hat er Angela Merkel in der Kirche

David Last ist Pfarrer in Pontresina GR und ein fleissiger Wikipedia-Schreiber.

Von Matthias Böhni *

Die Begegnung mit David Last am Bahnhof Chur ist stimmig. An diesem Knotenpunkt, wo zahlreiche Postautos und Züge in alle Richtungen abfahren, wird sich vermutlich auch ein Netzwerker wohlfühlen. David Last arbeitet in verschiedenen Netzen: Im Internet im Online-Lexikon Wikipedia, aber als Pfarrer natürlich auch im richtigen Lebensnetz.

Der reformierte Pfarrer von Pontresina hat bei Wikipedia 193 reformierte Gebäude in Graubünden auf deutsch und zum Teil auf romanisch beschrieben, ein für die Schweiz bisher einmaliges Unternehmen. Dabei ist er immer vor Ort gewesen, hat fotografiert und recherchiert. «Mich fasziniert die enzyklopädische Genauigkeit und wie sich das Wikipedia-Wissen immer weiterentwickelt und ständig verbessert», sagt David Last zu seinem Hobby.

Doch zuerst ist er immer noch Pfarrer. In der Ausbildung dazu hat er die «Ü-Linie» absolviert, wie der deutsch-schweizerische Doppelbürger schmunzelnd sagt, er hat nämlich in Münster, Tübingen und Zürich Theologie studiert. Aufgewachsen ist der 41-Jährige im deutschen Bergisch Gladbach, die Liebe führte ihn in die Schweiz, und seine erste Pfarrstelle trat er 1997 im Bünderischen Ramosch an. Er wechselte für drei Jahre nach Brig VS und für fünf Jahre nach Tschiertschen GR. Seit zwei Jahren arbeitet er in Pontresina. Er spricht romanisch und wurde sogar in Domat / Ems GR getauft, weil seine Paten aus Graubünden stammen. Im Oberengadiner Dorf ist David Last sehr zufrieden: «Es ist ein spannender Mix aus Gästen und Einheimischen und dementsprechend vielen Sprachen.»

Die bekannteste Touristin dürfte wohl die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sein, die jeweils an Weihnachten zu David Last in die Kirche kommt. «Zuerst kommt ein kastenförmiger Bodyguard, dann Frau Merkel und dann noch ein Bodyguard. Aber die Hand schüttle ich jeweils nur ihr», lacht David Last, der Vater von vier Kindern ist.

Doch zurück zu Wikipedia. «Rund 600 Personen beteiligen sich im deutschsprachigen Raum ernsthaft an dem Lexikon und halten das Niveau entsprechend hoch», sagt David Last. Zu jedem neuen Artikel gebe es im Problemfall eine einwöchige Diskussionsphase. Längst nicht alle Artikel würden akzeptiert, oftmals fehle die Relevanz oder der Aufbau stimme nicht. Es gelte das Oma-Prinzip – die Oma muss es verstehen können. Wenn nicht, komme schnell ein Löschantrag. «Bei meinen 193 Gebäuden ist die Relevanz zum Glück klar gegeben, sie stehen alle unter Denkmalschutz», lacht David Last. Last but not least, möchte man anfügen.  

* Matthias Böhni ist Redaktor der Reformierten Presse.

Quelle: Reformierte Presse 40/10

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