Theologe und Vampirkenner

(Bild medienpark/Pfander)

Bruno Amatruda unterrichtet Religion an einem Winterthurer Gymnasium und spielt Gitarre für Nubya.

Matthias Böhni – Eben hat er die Biographie von Keith Richards gelesen, denn Musik interessiert ihn ungemein. Er sieht ein bisschen aus wie der britische Sänger Elvis Costello – und tatsächlich, er macht auch Musik im Stil von Costello: am liebsten Singer / Songwriter-Sound, groovy und leicht jazzig. «Alternative Country» nennt er es. Für das bald erscheinende siebte Album der Basler Soulsängerin Nubya hat er im Studio die Gitarre eingespielt und an Songs mitgeschrieben.

Bruno Amatruda, Jahrgang 1965, hat aber noch andere Saiten. Zum einen ist er Vater von zwei kleinen Kindern, zum anderen Religionslehrer und Seelsorger an der Kantonsschule Rychenberg in Winterthur. Über Mittag können die Schüler in das ökumenisch betriebene (und von den Kirchen finanzierte) «Bistro» kommen, Hausaufgaben machen, spielen, essen oder mit einem Seelsorger sprechen. Dazu organisiert Amatruda Ausflüge zu Klöstern, Klettergärten oder Gokart-Pisten und war mit seinen Schülern auch schon in Rom.

Der Secondo mit spanisch-italienischen Wurzeln ist in Zürich Schwamendingen aufgewachsen, hat die Zürcher Jugendunruhen erlebt. «Wir diskutierten endlos über Religion, Politik, Philosophie, ich war in regem Austausch mit reformierten und freikirchlichen Jugendlichen. Damals wurde mein Interesse für religiöse Fragen gelegt», sagt er, wohlwissend, dass heute seine Schüler in genau diesem Alter sind.

Später absolvierte er eine KV-Lehre in einem Reisebüro, konvertierte als junger Erwachsener von der katholischen zur reformierten Kirche. Am Kirchlich-Theologischen Seminar in Basel holte er die Matura nach und studierte in Basel und Zürich Theologie. In Zürich Höngg hatte er seine erste Pfarrstelle und merkte, wie gern er lehrte. 2007 wechselte er nach Winterthur.

Dort unterrichtet er nun das Freifach Religion, das jeweils rund zwei Drittel der Schülerschaft wählen. «Es kommt an, löst manchmal Begeisterung aus», erzählt er selber begeistert. Ein Renner sei etwa seine Einführung in die Meditation. Er vermittle den Schülern Wissen, zeige aber auch, wie religiös-existenzielle Fragen überall in der Kultur immer wieder auftauchen. «Kürzlich machten wir ein Projekt zu Vampiren. Die Idee kam mir, als ich sah, welche Filme sich die Schüler ansehen.» Unter dem Titel «Religiöse und psychologische Aspekte des Vampirmythos» hat er dazu einen Aufsatz in einer theologischen Online-Zeitschrift veröffentlicht. «Die Schüler waren ganz stolz, als sie sich selbst googelten und dann ihr Name mit dem Aufsatz angezeigt wurde», schmunzelt er. 

Matthias Böhni ist Redaktor bei der Reformierten Presse und Projektleiter ref.ch


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