«Vater tat mit dem Velo den Diaspora-Pfarrdienst im Fricktal»

Samuel Preiswerk (Bild: zvg)

Pfarrer Samuel Preiswerk, Jahrgang 1931, 4125 Riehen BL

Erinnerungen aus dem Pfarrhaus in Frick
Im Sommer 1939 stand zu unserm grossen Erstaunen plötzlich ein Radio auf dem Klavier im Wohnzimmer; bisher hatte es bei diesem Thema immer geheissen. «Wir haben mit den Kindern zwischen 8 und 1 Jahr schon fünf Radios im Haus.» Mein Vater wollte sich im Umfeld von vielen Gerüchten auf die offiziellen Berichte aus Beromünster berufen können. Als Nebenwirkung genossen wir neben den Nachrichten mit Wonne die Kinderstunde und andere bekömmliche Sendungen.

Während der bedrohlichen Zeit 1940/41 war mein Onkel als Soldat dem Stadtkommando Basel unterstellt und sollte dabei ein Velo für eilige Kurierdienste haben. Mein Vater besass ein Rücktritt-Modell, das dem Militär-Typ entsprach, auch in der schwarzen Farbe, und stellte es zur Verfügung. Nach einigen Monaten kam das Velo wieder zurück; als Entschädigung für die Zwischenzeit waren neue Schläuche und Pneus aufmontiert – damals sonst sehr schwer zu bekommen. So konnte mein Vater die Arbeit in den zehn Dörfern seiner Diasporagemeinde wieder leichter bewältigen.

© Reformierte Medien und Autor

Zurück

Übersicht

Weiter


Diesen Artikel mit anderen teilen:

 

ref.ch auf Twitter