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«Niemand wusste, ob Hitler kommen würde»Pfarrer Christian Keller, Jahrgang 1931, 8135 Langnau a. Albis ZH «Uns war es sehr ernst mit dem Verteidigungswillen» Auch wenn heute der Verteidigungswille der Schweiz im Zweiten Weltkrieg da und dort belächelt wird, damals war es uns allen sehr ernst. Niemand wusste, ob Hitler oder Mussolini, die zusammen die Achsenmächte führten, nicht auf den Gedanken verfallen könnten, die Schweiz zu erobern, statt sie mühsam zu umgehen. Eine einschneidende Folge des Krieges war die Rationierung. Für alles gab es Marken, die man auf dem Quartierbüro mit Personalausweis und Familiebüchlein abholen musste. Pro Person gab es monatlich so und soviel Zucker, Mehl, Brot, Fleisch, Seife, Teigwaren etc. Auch Kleider und Schokolade waren rationiert. Ohne Marken konnte man kaum noch etwas kaufen. Es genügte also nicht, als Kind die 20 Rappen, die eine Tafel Milchschokolade damals kostete, in der Hand zu haben, man brauchte auch noch die entsprechenden «Märkli» dazu, und die waren noch schwieriger zu beschaffen als das Zwanzigrappenstück. 1944 erinnere ich mich an amerikanische Flieger, die über Zürich flogen, weil sie sich verirrt hatten. Vater und ich sahen etwas konsterniert aus dem Badezimmerfensterchen und folgten ihnen mit den Augen, bis sie am Horizont verschwanden. Schaffhausen wurde bombardiert, weil alliierte Piloten es, wen wundert’s, als deutsches Gebiet betrachtet hatten. Wer die Schweizerkarte anschaut, kann das verstehen. Alles, was nördlich des Rheins lag, war für Amerikaner, die noch nie durch besondere Europa-Kenntnisse auffielen, deutsches Land. Am 10. Mai 1945 endete der Schrecken. Alle Kirchenglocken läuteten den Frieden ein. Aber die Folgen des Krieges sollten noch lange sichtbar sein. Züge mit Kriegsgefangenen oder befreiten Zwangsarbeitern fuhren nach Kriegsende durch die Schweiz und hielten auch am Bahnhof Oerlikon. Wir Kinder wurden dorthin geschickt, um ihnen Süssigkeiten und Zigaretten zuzustecken. © Reformierte Medien und Autor |
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