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«Meinem Vater, dem Pfarrer, erzählten Verwundete von Juden-Ermordungen»Prof. Dr. theol. Hans Geisser, Jahrgang 1928, 8006 Zürich Ich bin in einem Pfarrhaus im deutschen Tübingen gross geworden. Mein Vater war entschiedener Gegner des Naziregimes, und Mutter warnte mich, ich solle ja nicht in der Schule erzählen, was zu Hause so gesagt wurde. In unserem Stadtquartier in Tübingen gab es noch Juden; eines Tages waren sie verschwunden, da wusste man schon, was los war. Nach einem Synagogenbrand schauten wir Schulbuben uns die Ruine an. Als ich zehn war, fuhr ich mit dem Omnibus. Eine Zigeunerfamilie stieg ein und bald wieder aus. Ich erschrak, als ein Passagier zum anderen sagte, der Führer werde schon dafür sorgen, dass diese Leute aus der Öffentlichkeit verschwänden. Vater war Pfarrer und Seelsorger im Lazarett. Dort erzählten ihm Verwundete Dinge, die man damals noch kaum wissen konnte: Von brutalsten Juden-Ermordungen im Osten war die Rede. Die verwundeten Soldaten waren einfache Leute, die sich entlasten wollten, indem sie ihr schreckliches Wissen mit dem Pfarrer teilten. Mir erzählte Vater nichts davon, aber Mutter vertraute es mir später an, als Erklärung, weil Vater so deprimiert war in jenen Tagen. © Reformierte Medien und Autor |
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