«Kritischer Geschichtslehrer motivierte mich zum Theologiestudium»

Pfarrer Beat Lanz, Jahrgang 1924, 8488 Turbenthal ZH

Aufgewachsen im Pfarrhaus im Kanton Bern
Mein Vater war für mich – nicht nur als Pfarrer – ein bleibendes Vorbild. Er hatte während des Ersten Weltkriegs an der Uni Bern Theologie studiert – damals im Trend der so genannten «sanften liberalen Theologie» nach dem «Muster» von Schleiermacher, später noch an der Universität Marburg D bei Rudolf Otto, Gunkel und anderen Nach dem Ersten Weltkrieg hiess es «Nie wieder Krieg!» Mit der vormals «sanften Theologie» konnten deshalb viele jungen Pfarrer in ihren Gemeinden nicht mehr überzeugend wirken. Auch mein Vater gelangte damals über Hermann Kutter sen. & Leonhard Ragaz zu Karl Barths Römerbrief. Er wurde Mitglied der Theologischen Arbeitsgemeinschaft des Kantons Bern (Albert Schädelin, Walter Lüthi).

Nachdem Hitler 1933 in Deutschland die Macht übernommen hatte, wurde an unserem Familientisch oft über die gefährliche Entwicklung der Nazis gesprochen. Bereits damals erfuhr ich, dass es in Deutschland Konzentrationslager gab.

1938 war ein deutscher Bekenntnispfarrer in unserer Kirche als Prediger zu Gast, der vor der Verhaftung in die Schweiz geflüchtet war. So wurde ich über das Barmer Bekenntnis von 1934 informiert. Auch in den Predigten meines Vaters hörte man gelegentlich Warnungen vor der gefahrvollen Entwicklung der Lage heraus! Privat befürchtete er sogar, bei einem Einmarsch Hitlers seine Familie verlassen zu müssen.

Im Freien Gymnasium Bern hatten wir während des Krieges zum Teil Lehrer in Deutsch, Geschichte und sogar Mathematik, die uns zum geistigen Widerstand motivierten – so ein Geschichtslehrer, der den Vormarsch der Hitlerarmee mit demjenigen Napoleons verglich. Dabei reifte in mir der Entschluss, Theologie zu studieren. Nach dem Krieg beteiligte ich mich als junger Pfarrer auch an der Auseinandersetzung Feldmann/Barth zur unterschiedlichen Auffassung von Kirche und Staat.

© Reformierte Medien und Autor

Zurück

Übersicht

Weiter


Diesen Artikel mit anderen teilen:

 

ref.ch auf Twitter